Oberleutnant Franco A. Terrorverdächtiger Soldat wollte Journalist werden

Er war Oberleutnant, gab sich aber auch als Flüchtling aus und soll einen Anschlag geplant haben: Franco A. galt nach Informationen des SPIEGEL bei der Bundeswehr als Mustersoldat und überdurchschnittlich intelligent.

Soldaten des Jägerbataillons in Illkirch-Graffenstaden
AFP

Soldaten des Jägerbataillons in Illkirch-Graffenstaden


Der Fall des Bundeswehrsoldaten Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und einen rechtsextremen Anschlag geplant haben soll, gibt nach wie vor große Rätsel auf: Am Freitag beschäftigten sich auch eine Runde im Kanzleramt und eine Sondersitzung des geheim tagenden Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags mit dem Fall. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Bei seinen Freunden und Bekannten galt Franco A. als weltoffen und beliebt, wie Recherchen des SPIEGEL ergaben. Er sei ein eifriger Schüler gewesen, der gut Französisch gelernt habe, sagte die Mutter eines damaligen Sportkameraden des Verdächtigen. Sein Traum sei es gewesen, Journalist zu werden.

Franco A. war auch Mitglied in einem Offenbacher Ruderverein und absolvierte von 1999 bis 2007 insgesamt 221 Regattaeinsätze, 75 Mal siegte er. Bei der Bundeswehr galt der Oberleutnant als Mustersoldat und überdurchschnittlich intelligent. Er sprach hervorragend Französisch, nach einem Sprachkurs aber auch ein wenig Arabisch.

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Franco A. hatte sich im Dezember 2015 als syrischer Flüchtling ausgegeben und 2016 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Schutzstatus erhalten. Seine zweite Identität fiel erst auf, als er im Januar dieses Jahres nach dem Besuch des Wiener "Balls der Offiziere" auf einer Toilette des Wiener Flughafens eine geladene Pistole versteckte. Seine Fingerabdrücke offenbarten den Ermittlern das Doppelleben. Franco A. soll einen rechtsextremen Anschlag geplant haben, darauf zumindest weisen abgefangene Chats und Telefonate hin.

Der Militärische Abwehrdienst (MAD), der Nachrichtendienst der Bundeswehr, bearbeitet nach Informationen des SPIEGEL derzeit 280 Verdachtsfälle rechtsextrem gesinnter Soldaten. 97 stammen aus diesem Jahr.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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