Syrien-Einsatz der Bundeswehr "Tornados" flogen fast 700 Einsätze gegen den IS

Deutsche "Tornado"-Aufklärungsjets waren seit Januar knapp 700 Mal über dem syrischen Kriegsgebiet im Einsatz. Die so gewonnenen Daten halfen der Anti-IS-Koalition, Ziele für Luftangriffe auszuwählen.

Wartung eines deutschen "Tornado" in Incirlik
AFP

Wartung eines deutschen "Tornado" in Incirlik


Die Bundeswehr hat die Luftangriffe gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien in diesem Jahr mit 692 "Tornado"-Aufklärungsflügen unterstützt. 315 Mal kam das zusammen mit den Jets im türkischen Incirlik stationierte deutsche Tankflugzeug zum Einsatz.

Insgesamt waren die deutschen Flugzeuge 3651 Stunden in der Luft. Zudem gehörten Bundeswehrsoldaten bei zehn Nato-Aufklärungsflügen zur Besatzung von "Awacs"-Flugzeugen. Diese Zahlen nannte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr.

Der Einsatz der Aufklärungsflieger hatte Anfang Januar 2016 begonnen. Derzeit sind sechs "Tornados" in Incirlik stationiert. Während die "Awacs" den Luftraum überwachen, können die "Tornados" zur Identifizierung von Angriffszielen am Boden beitragen. Ein Einsatzflug dauert durchschnittlich drei Stunden.

Die erfassten Daten aus den deutschen Kampfflugzeugen werden den Staaten der Anti-IS-Koalition zur Verfügung gestellt, die insgesamt mehr als 60 Mitglieder hat. Für wie viele Bombardements in Syrien und im Irak die von den "Tornados" gesammelten Daten genutzt wurden und wie viele Kämpfer und Zivilisten dabei ums Leben kamen, ist nicht bekannt.

Laut einer von der Agentur dpa beauftragten Umfrage, wünscht sich nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt die Mehrheit der Bundesbürger eine stärkere Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen den IS. Der Yougov-Umfrage zufolge sprachen sich 53 Prozent für ein stärkeres Engagement aus, nur 30 Prozent dagegen. Allerdings ist nur jeder Dritte dafür, dass die Bundeswehr auch Stellungen des IS in Syrien und im Irak selbst bombardiert. Knapp die Hälfte (48 Prozent) sind dagegen.

Deutschland "im Krieg"? Die Bevölkerung ist gespalten

Vor einem Jahr - kurz nach den Anschlägen in Paris - waren nur 37 Prozent der Meinung, Deutschland müsse mehr im Kampf gegen den IS tun. 46 Prozent waren dagegen. Aktuell ist die Bevölkerung bei der Frage gespalten, ob sich Deutschland in einem "Krieg gegen den Terror" befindet: 43 Prozent würden den derzeitigen Zustand so nennen, 44 Prozent lehnen den Kriegsbegriff ab.

Neben den Aufklärungsflügen der Bundeswehr bilden deutsche Soldaten auch kurdische Peschmerga-Kämpfer im Nordirak aus und liefern den kurdischen Milizen Waffen. Auch Länder wie Jordanien, Tunesien, Mali, Niger und Nigeria erhalten Ausrüstungshilfe.

Politiker von Union und SPD sprachen sich dafür aus, die Partnerstaaten stärker auch mit militärischer Ausrüstung zu unterstützen, damit sie selbst für Sicherheit und Stabilität in ihrer Region sorgen können. "An der Stelle könnte man noch mehr tun", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold.

Ähnlich äußerte sich sein CDU-Kollege Henning Otte. Er plädierte dafür, den Kampf gegen den IS "nicht mit Aktivismus, sondern kontrolliert und überlegt" zu führen. Dass deutsche Kampfjets Bomben auf IS-Stellungen abwerfen, werde von den Nato-Partnern gar nicht verlangt.

Der Linken-Politiker Alexander Neu sprach sich gegen eine weitere militärische Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen den IS aus. Stattdessen müssten sich alle Anstrengungen darauf richten, die finanzielle, materielle oder personelle Unterstützung für den IS zu kappen.

cht/dpa

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