Von Mali bis Irak Diese sechs Bundeswehreinsätze hat das Kabinett beschlossen

Das Kabinett hat die Verlängerung von sechs Bundeswehreinsätzen im Ausland beschlossen. Wo sind wie viele Soldaten stationiert - und was ist ihre Mission?

DPA

Etwa 3900 Bundeswehrsoldaten sind im Ausland stationiert. Nun hat das scheidende Bundeskabinett die Verlängerung von sechs Missionen beschlossen, an denen insgesamt etwa 2600 der Männer und Frauen beteiligt sind. Es gilt als sicher, dass der Bundestag der Verlängerung zustimmen wird.

Welche ist die größte Mission der Bundeswehr? Wie viele Soldaten sind wo stationiert? Hier ist die Übersicht:

Mali:

Es ist der gefährlichste und zum jetzigen Zeitpunkt größte Einsatz der Bundeswehr. Die Mission in Mali soll in geringem Umfang ausgeweitet werden - statt bisher höchstens 1000 sollen sich künftig bis zu 1100 Soldaten an der Uno-Mission zur Stabilisierung des Landes beteiligen. Die Ausweitung wird mit erhöhtem Schutzbedarf und hohem Aufwand für die Instandhaltung von Waffen und Gerät im Wüstenklima begründet.

Nach einem Militärputsch im Jahr 2012 wurde der Norden des Landes von teilweise islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Erst nach einer Intervention französischer Streitkräfte konnte die Region teilweise befreit werden.

Seit 2013 beteiligt sich die Bundeswehr an dem Uno-Einsatz. Die Truppe ist in der früheren Rebellenhochburg Gao am Rande der Sahara stationiert. Dort kommt es immer wieder zu Anschlägen und Angriffen von Rebellen. Während des Einsatzes wurden bislang mehr als 100 Blauhelmsoldaten getötet.

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Sechs Auslandseinsätze: Bundeswehr in aller Welt

Afghanistan:

Immer wieder wurde ein Ende des Einsatzes in Afghanistan gefordert, auch von ehemaligen Bundesregierungen. Doch die Sicherheitslage hat sich seit Ende des Nato-Einsatzes 2013 nicht verbessert. Jedes Jahr sind seitdem mehr als 10.000 Zivilisten getötet oder verletzt worden.

Die Truppe soll auch deshalb wieder aufgestockt werden, von 980 auf 1300 Soldaten. Damit soll der Schutz der Ausbilder verbessert werden, die künftig wieder durchgängig in der Provinz Kundus tätig sein sollen.

Ein Abzug aus dem Land ist nicht in Sicht. Zumindest wird im Jahresbericht der Bundesregierung zur Lage am Hindukusch kein Abzugsdatum genannt. Starre Fristen hätten sich bei dem Einsatz als kontraproduktiv erwiesen, steht im Bericht - gemeint ist der Abzug internationaler Kampftruppen im Jahr 2014.

Irak:

Der Einsatz im Irak ist Teil der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Insgesamt sind 71 Länder daran beteiligt. Die Bundeswehr unterstützt die Mission mit von Jordanien aus operierenden "Tornado"-Aufklärungsjets und einem Tankflugzeug. Insgesamt sind an dem Anti-IS-Einsatz 299 Bundeswehrsoldaten beteiligt.

Außerdem bildet die Bundeswehr im Irak Truppen zum Kampf gegen den IS aus. Bei diesem Einsatz gibt es eine weitreichende Änderung: Bisher wurden nur kurdische Peschmerga-Kämpfer im Norden des Landes ausgebildet. Der Einsatz soll nun auf das ganze Land ausgeweitet werden. Der Schwerpunkt soll künftig auf der Ausbildung der Armee der irakischen Zentralregierung in Bagdad liegen. Bislang sind 137 deutsche Soldaten an dem Ausbildungseinsatz beteiligt. Wie viele nun noch zusätzlich in die Region geschickt werden sollen, ist noch nicht bekannt.

Sudan und Südsudan:

Im Auftrag der Uno beraten deutsche Militärs die Krisenländer. Die Friedensmissionen in den afrikanischen Ländern Sudan und Südsudan sind in Deutschland kaum bekannt. Der Grund: Im Südsudan sind nur 16, im Sudan nur drei deutsche Militärberater stationiert.

Mittelmeer:

Für die Nato-Operation "Sea Guardian", mit der die Seewege im Mittelmeer gesichert werden sollen, sind weiterhin bis zu 650 Soldaten vorgesehen. Derzeit sind es 187 Bundeswehrsoldaten. Dieser Einsatz entstand ursprünglich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf die USA, damals hieß er "Active Endeavour". 2016 wurde der Einsatz von der Nachfolgemission "Sea Guardian" abgelöst. Bei diesem Einsatz geht es um die Terrorbekämpfung und den Einsatz gegen das Schleppergeschäft auf dem Mittelmeer.

höh/dpa/AFP

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luckysailor 07.03.2018
1. Klar verfassungswidrig!
Die planlose Fortführung der Einsätze in AFG, IRK und MLI ohne klare Kriterien für einen "endstate" mit Bezug auf die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland bzw. deren Ausweitung sehe ich als pensionierter Offizier nicht mehr im Einklang mit unserem Grundgesetz. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Abgeordneten der neuen "GroKo" diese verfassungswidrigen Einsätze unserer "Parlamentsarmee" aus Gründen der Fraktionsdisziplin willig abnicken werden. Warum auch nicht, schlielich interessiert es das deutsche Volk ja auch nicht wirklich, was unsere Soldatinnen und Soldaten in o.a. Ländern tatsächlich bewirken (sollen). Bin nur froh, dass ich diesen Wahnsinn nicht mehr aktiv mitmachen muss!
etude 07.03.2018
2.
Das ist der Lehen, der für die NATO-Mitgliedschaft gezahlt werden muss, auch wenn dabei in erster Linie immer amerikanische Interessen vertreten werden. Ich glaube kaum, dass die USA im europäischen Verteidigungsfall willens und in der Lage sind, Europa adäquat und nachhaltig zu schützen. Deutschland steht als militärische Pufferzone eh auf der Liste der abzuschreibenden Länder. Was also haben wir in den genannten Ländern zu suchen? Die Personen- und Materialstärke der Bundeswehr ist ja bekanntlich sowieso nicht die allerbeste.
Balthasar1 07.03.2018
3. Die große Frage nach dem Warum.
Keinem normal denkenden Menschen erschließt es sich, warum DEUTSCHE SOLDATEN an vielen "Fronten" stationiert sind. Das kostet Deutschland Unsummen und das sind DEUTSCHE SOLDATEN. Wo und wann wurde deutschen Mitbürgern nachvollziehbar erklärt, welche Aufgabe bis wann "erledigt" werden soll. Die Amis haben mit inzwischen Lügen diesen Mist im Irak angezettelt. Was wollen die paar Männchen mit schlechter Ausrüstung in Mali? Und erst recht im Sudan?! Wo waren deutsche Soldaten in den letzten Jahrzehnte alles eingesetzt? Mit welchen nachvollziehbaren Ergebnissen? Fragezeichen über Fragezeichen. Und Zuhause verrotten die Materialien, um Deutschland zu schützen. Bei einer Auseinandersetzung im Winter würden bei der gegenwärtigen Ausstattung unsere deutschen Soldaten wahrscheinlich erfrieren. Es ist unglaublich, dass dies bei einer Großen Koalition möglich war ... die nun fortgesetzt werden soll. Was für ein Wahnsinn!
biesi61 07.03.2018
4. Sie können (oder wollen) ihre militaristischen Spielchen nicht lassen!
Bis vor zwei Jahrzehnten war Deutschland ein weltweit in Konflikten hoch geachteter Vermittler. Unsere Diplomatie war anerkannt und leistungsfähig. Heute sind wir meist ganz primitiv und dümmlich Konfliktpartei! Niemand mehr, der Probleme löst! Im Gegenteil, bei der Eskalation von Konflikten (sei es auf dem Balkan, in Osteuropa, im vorderen Orient, in Zentralasien oder in Nordafrika) immer ganz vorn mit dabei. Notfalls sogar als "Speerspitze." Das wohl schlimmste und widerwärtigste Erbe der Epoche Merkel! Und das das dringlichste Feld für einen radikalen Politikwechsel!!!
Niteftef 07.03.2018
5. Ich glaube nicht, dass der Pazifismus alle Probleme lösen würde
... aber ich bin mir sicher, dass pazifistische Politik um Welten besser wäre, als die Kriegspolitik, die momentan betrieben wird.
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