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Verteidigungsministerin von der Leyen: Mächtig in der Gefahrenzone

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Von der Leyen vor Hubschrauber: Material dient als Kulisse der persönlichen Profilierungsshow Zur Großansicht
REUTERS

Von der Leyen vor Hubschrauber: Material dient als Kulisse der persönlichen Profilierungsshow

Ursula von der Leyen inszeniert sich auf Fotos als zupackende Ministerin. Jetzt werden jeden Tag neue Pannen bei der Bundeswehr bekannt - und die Bilder der Ministerin wirken lächerlich. Stoppt dieses Debakel ihre Karriere?

Berlin - Ursula von der Leyen in einer Kita. Ursula von der Leyen, die sich an die Seite der Bundeskanzlerin drängt. Ursula von der Leyen mit neuer Frisur im Kabinett. Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin, die Arme verschränkt, im Halbdunkel des Rollfelds vor einer Bundeswehrmaschine.

Wie kaum ein Kabinettsmitglied versteht es Ursula von der Leyen, sich in Szene zu setzen. Wer sollte es ihr eigentlich verübeln? Wer weiter nach oben drängt, vielleicht eines Tages ins Kanzleramt will, muss auch die Kunst der Inszenierung beherrschen. Schließlich ist die Macht der Bilder ein wichtiger Faktor des politischen Geschäfts.

Über "Foto-Uschi" lästern sie in der Großen Koalition: Bei der SPD, die besseres Management der Truppe und weniger Bildtermine verlangt. Aber auch in jenen Teilen der Union, die von der Leyens Karriere kritisch verfolgen.

Tatsächlich ist das mit den inszenierten Bildern eine tückische Sache: Sie funktionieren gut, solange ihnen die Realität nicht allzu sehr in die Quere kommt. Wenn die Wirklichkeit aber mächtiger wird als die Bilder, dann geht es schnell schief. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zur Lächerlichkeit.

Von der Leyen in Afghanistan: Schöne Bilder für die Heimat Zur Großansicht
DPA

Von der Leyen in Afghanistan: Schöne Bilder für die Heimat

Und genau deshalb ist von der Leyen jetzt mächtig in der Gefahrenzone. Sie hat sich da selbst hineinmanövriert, ein gutes Stück weit. Es gibt nun die schöne Bilderfassade, die wird jetzt immer wieder gerne hervorgeholt, dient Karikaturisten und Kommentatoren als Vorlage für Spott und Kritik. Denn es gibt ja auch noch die Wirklichkeit bei der Bundeswehr. Und die ist weniger schön.

Der Truppe fehlt es an Ersatzteilen, manches Gerät ist gar nicht einsetzbar, die Nato-Verpflichtungen können nur noch bedingt eingehalten werden. Von der Leyen steht in der öffentlichen Wahrnehmung und (was vielleicht schlimmer ist) in der Wahrnehmung der Truppe plötzlich da wie eine politische Schaumschlägerin. Es könnte sich das Bild einer Politikerin festsetzen, die sich zwar auf persönliche Inszenierung versteht, reale Probleme aber ausblendet. Die Soldaten verkommen da zu Statisten einer persönlichen Profilierungsshow. Flugzeuge und Panzer werden zur Staffage.

SPD-Chef Sigmar Gabriel und seinen Genossen kommt das alles sehr gelegen: Sie wollen von der Leyen nun und für immer als "Inszenierungsministerin" brandmarken, um ihren weiteren Aufstieg - etwa zur Kanzlerkandidatin der Union - auszubremsen. Schon fordert etwa der hessische SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, von der Leyen solle weniger "Fototermine machen", sondern sich mehr um die Truppe kümmern.

Von der Leyen vor "Transall": "Bella figura" im Morgengrauen Zur Großansicht
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Von der Leyen vor "Transall": "Bella figura" im Morgengrauen

Von der Leyen zahlt jetzt Lehrgeld. Wie andere zuvor auch: Gerhard Schröder einst als Kanzler, in der Krise seiner rot-grünen Koalition mit dicker Zigarre in einer Illustrierten posierend. Selbstzufrieden, abgehoben. Und noch gar nicht lange her: Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat mit Stinkefinger in einem Magazin. Peinliche Ausrutscher allesamt.

Politiker und ihre Eitelkeit: Je mehr Bilder in Pose es von der CDU-Politikerin parallel zu den trüben Nachrichten aus der Bundeswehr gibt, umso schneller gerät sie in die Inszenierungsfalle.

Jetzt steht fest: Sie hat es übertrieben mit den Bildern.

Von der Leyen im Flug von Amman nach Arbil: Stets kampfbereit Zur Großansicht
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Von der Leyen im Flug von Amman nach Arbil: Stets kampfbereit

Selbstverständlich wäre es zu einfach, all die schönen Bilder allein der Ministerin anzulasten. Die Medien suchen sich ja oft genug selbst die Motive aus zu den Themen. Und die liegen im Fall der Bundeswehr so verführerisch nah: Wo martialisches Kriegsgerät ausgestellt wird, muss auch die oberste Spitze möglichst entschlossen erscheinen. Oder wenn es eine Frau ist - umso femininer, allein des Kontrastes wegen. Es gibt da nur ein Problem: Von der Leyen hat sich ja nicht nur fotografieren lassen. Sie hat mitunter auch posiert - wie vor der "Transall". Sie wollte bestimmte Botschaften setzen, als erste Frau an der Spitze der Bundeswehr. Seht her, hier ist eine, die entschlossen ist. Die zupackt. Die weiß, was jetzt zu tun ist. Mehr Zurückhaltung wäre angesichts des ganzen Kuddelmuddels in der Truppe wohl besser gewesen.

    Von der Leyen in München in einer Bundeswehr-Kita: Menschen für die Freiwilligenarmee begeistern    Zur Großansicht
AFP

Von der Leyen in München in einer Bundeswehr-Kita: Menschen für die Freiwilligenarmee begeistern

Vielleicht verführt das Verteidigungsministerium zu solchen Botschaften. Aber sie hätte gewarnt sein können. Es ist kein normales Amt, sondern es ist ein Schleudersitz. Tief im Ministerium schlummern all die schnöden Rüstungsvorhaben, die einen obersten Dienstherrn schnell zur Verzweiflung bringen können. Wer es führt, hat eine heikle Aufgabe übernommen, umso mehr, seitdem die Bundeswehr sich an internationalen Einsätzen beteiligt.

Alle Verteidigungsminister haben das Amt sehr unterschiedlich gehandhabt. Manche sehr unaufgeregt, ohne Glamour. So in jüngerer Zeit Peter Struck. Er war ein angesehener Minister.

Andere, wie Karl-Theodor zu Guttenberg, trieben die Inszenierung auf die Spitze. Sie spielten Top Gun. Der CSU-Politiker erschien in khakifarbener Montur zur TV-Talkshow in Afghanistan. Auch er wollte mal Kanzler werden. Dann musste er wegen einer plagiierten Doktorarbeit zurücktreten. Und hinterließ, hinter all den schönen Glanzbildern, eine Truppe in Unordnung.

Sicher ist: Weniger Guttenberg und etwas mehr Struck würden Ursula von der Leyen jetzt sicher guttun. Sonst kann es mit der schönen Karriere tatsächlich schnell vorbei sein.

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1. Als Lösung der Bundeswehr- Krise böte sich als Alternative das Leasen von Mensch und Material an
kopp 01.10.2014
So könnte man eine ganze Armee von Söldnern incl. Ausrüstung einfach mieten und wäre aus dem Schneider. Da ein solcher wilder Haufen dann nicht mehr dem Parlament unterstehen könnte, müssten die Gesetze entsprechend aktualisiert werden.
2. Kaum vorstellbar,
mikki_k_otic 01.10.2014
dass die Probleme erst mit ihr eingezogen sind. Ich denke, ihre Vorgänger haben ihr da ein gutes Stück vererbt. Dass sie die Probleme von heute auf morgen löst ist lächerlich. ich bin kein Fan von ihr, dennoch ist der Artikel unfair.
3. Sie bleibt uns erspart...
Badener1848 01.10.2014
Wenn die Logik hier aufgeht, dann haben diese gestellten Fotos doch was Positives...sie bleibt uns als Kanzlerin erspart, wenn eines Tages mal die Post-Merkel-Ära beginnen sollte. Aber ob sie nicht jetzt schon Kronprinzessin ist, ist genauso ungewiss wie der Zeitpunkt, an dem Mutti die Zügel aus der Hand gibt.
4. Desinteresse !
flaviussilva 01.10.2014
Sie war wohl vor ihrer Ernennung zur Verteidingsministerin nicht sonderlich an dem Thema interessiert, sonst hätte sie den Zustand der Truppe sicher erahnen können. Ihr Fehler war halt das sie zu früh große Ankündigungen gemacht hat, was die zukünftige Rolle Deutschlands angeht, aber egal, Steinmeier hat das ja noch vor UNO angekündigt als der Skandal längstens in der Welt war. Jetzt muss Sie halt kleinere Brötchen backen und die sicher zu erwartende Kritik ihrer Kollegen aus den anderen Ländern wegstecken. Obwohl, wenn die im ausspionieren wirklich so gut sind, dann hätten Sie das ja schon lange wissen müssen.
5.
Proggy 01.10.2014
"Von der Leyen vor Transall" - na und - sie ist einfach stolz darauf, dass es noch eine funktionierende Transall in der BW gibt. Eigentlich brauchen wir die Transall auch nicht, die Pilotinnen sind eh Halbtagskräfte und werden nur Kita-nah eingesetzt. Man leiht sich einfach die Transporter beim russischen Militär, ist doch der BW nicht unbekannt - hat Deutschland doch schon gemacht (Antonov).
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