Zwischenfall Bundeswehrsoldat feuerte Rakete auf Übungsflugzeug

Es sollte eine Übung sein - beinahe endete sie in einer Katastrophe. Statt auf eine Drohne schoss ein Bundeswehrsoldat seine Rakete auf ein bemanntes Übungsflugzeug ab. Der Vorfall ereignete sich schon im Mai 2011 in Schleswig-Holstein und beschäftigte nun die Justiz.

Flugabwehrrakete des Typs Stinger: Nur knapp verfehlt
DPA

Flugabwehrrakete des Typs Stinger: Nur knapp verfehlt


Putlos/Lübeck - Bei einer Schießübung der Bundeswehr in Ostholstein ist es zu einer gefährlichen Panne gekommen. Ein Soldat feuerte im Mai 2011 eine Flugabwehrrakete statt auf eine dafür vorgesehene Drohne auf ein bemanntes Übungsflugzeug.

Der Vorfall wurde jetzt bekannt, weil sich das Oldenburger Amtsgericht am Freitag mit dem Beinahe-Abschuss beschäftigte. Der damals diensthabende Feldwebel musste sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr verantworten.

Bei dem Zwischenfall auf dem Truppenübungsplatz Putlos nahe der Ostsee verfehlte das Geschoss das Flugzeug, berichten die "Lübecker Nachrichten". Demnach handelte es sich dabei um eine zivile Maschine, die im Auftrag der Streitkräfte sogenannte Schleppziele zieht. Für die "Stinger"-Übungen sollten jedoch unbemannte Drohnen verwendet werden.

Der heute 27-Jährige Feldwebel hatte damals den Feuerbefehl gegeben. Mit der Fliegerfaust "Stinger" sollte der Abschuss von Flugzeugen trainiert werden. Nach diversen Trockenübungen sei der Feldwebel mit seinem Trupp schließlich auf die Schießbahn des Truppenübungsplatzes gewechselt, berichten die "Lübecker Nachrichten". Um elf Uhr sollte das Schießen beginnen, doch schon vorher gab der Unteroffizier den Abschussbefehl. Ein gefährlicher Fehler, denn im Fadenkreuz des Schützen stand das zivile Flugzeug.

Die FIM-92 "Stinger" ist eine infrarotgelenkte Luftabwehrrakete, ihre Trefferquote liegt normalerweise bei 80 Prozent. Dass auf dem Schießplatz Putlos keine Drohne, sondern ein bemanntes Flugzeug anvisiert war, erkannte laut "Lübecker Nachrichten" niemand. Die Rakete verfehlte das Ziel und schlug in einem Waldgebiet ein.

Ob der Feldwebel die alleinige Verantwortung an dem Unfall trägt, konnte vor Gericht nicht geklärt werden. Die Richter stellten deshalb das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Geldbuße ein. Gegen den Feldwebel hat die Bundeswehr nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Pikant war ein anderes Detail: Mit der internen Untersuchung der Bundeswehr sei seinerzeit ausgerechnet jener Major beauftragt worden, der Verantwortung für die gesamte Übung trug, rügte der Richter.

cpa/dpa

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Seite 1
kabian 21.09.2013
1. Eine starke Truppe
Vorher eine Werpflichtarmee mit geringer Bildung. Heute eine Berufsarmee mit Abitur. Naja, Schwamm drüber, kann ja mal passieren. :-)
patrick6 21.09.2013
2. Ich war vor über 20 Jahren
...auf einem benachbarten Schießplatz stationiert. Was da so abging, war - gelinde gesagt - interessant. Mal abgesehen von der enormen Geldverschwendung (Versuche von automatisierter Zieldarstellung mittels völlig veralteter und unzureichender Technik, an der sich ein ziviles Institut eine goldene Nase verdient hat), waren die sog. Sicherheitsoffiziere sichtbar überfordert. Ein Major mit einer Brille, deren Glasstärke einen Colaflaschenboden deutlich überstieg, glaubte z.B. , dass die Zieldarstellungsmaschine nicht den angegebenen Kurs hielt (vom Boden ohne Hilfsmittel gar nicht nachvollziehbar) und liess den angeblichen falschen Kurs korrigieren. Es war durchwegs erschütternd. Besonders, als ich herausbekam, dass - zumindest damals - noch NIE einer der verantwortlichen Offiziere einmal in einer solchen Maschine mitgeflogen war. Ich, als Mannschaftsdienstgrad, war der erste (auf Nachfrage und der spontanen Einladung der zivilen Firma folgend). Soweit ich weiss, wird von diesem Schießplatz heute noch auf die Ostsee geballert. Ob sich bzgl. Sicherheit mal etwas getan hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Beim Segeln haben wir den Bereich jedenfalls grossräumig gemieden.
7eggert 21.09.2013
3.
Sinn von Übungen ist doch üblicherweise, das zu trainieren, was man noch nicht fehlerfrei kann. Müßte man da nicht ERWARTEN, daß irgendwann irgendwem so ein Fehler passiert?
bärchen07 21.09.2013
4. Kann passieren
Sowas kann schon mal passieren. Es gab bei der NVA ähnliche Vofälle. Hauptsächlich beim Gefechtschiessen mit Luftabwehrraketen in Kasachstan. Da wurde des öfteren das Schleppflugzeug beschädigt oder sogar abgeschossen statt des Schleppziels. Eine Czechische 2K11 Besatzung hat es mal geschafft innerhalb einer Woche 2 mal das Flugzeug zu treffen. Waren ja auch sehr veraltet die Systeme und extrem Störanfällig.
derlabbecker 21.09.2013
5. meinen Sie...
Zitat von patrick6...auf einem benachbarten Schießplatz stationiert. Was da so abging, war - gelinde gesagt - interessant. Mal abgesehen von der enormen Geldverschwendung (Versuche von automatisierter Zieldarstellung mittels völlig veralteter und unzureichender Technik, an der sich ein ziviles Institut eine goldene Nase verdient hat), waren die sog. Sicherheitsoffiziere sichtbar überfordert. Ein Major mit einer Brille, deren Glasstärke einen Colaflaschenboden deutlich überstieg, glaubte z.B. , dass die Zieldarstellungsmaschine nicht den angegebenen Kurs hielt (vom Boden ohne Hilfsmittel gar nicht nachvollziehbar) und liess den angeblichen falschen Kurs korrigieren. Es war durchwegs erschütternd. Besonders, als ich herausbekam, dass - zumindest damals - noch NIE einer der verantwortlichen Offiziere einmal in einer solchen Maschine mitgeflogen war. Ich, als Mannschaftsdienstgrad, war der erste (auf Nachfrage und der spontanen Einladung der zivilen Firma folgend). Soweit ich weiss, wird von diesem Schießplatz heute noch auf die Ostsee geballert. Ob sich bzgl. Sicherheit mal etwas getan hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Beim Segeln haben wir den Bereich jedenfalls grossräumig gemieden.
... Lütjenburg / Todendorf? Da müssen Sie beim Segeln keinen Abstand halten, das Schießgebiet vor der Küste ist überwacht, und wenn sich darin ein Boot befindet wird gestoppt. Allerdings kann ich mich erinnern, dass das Schleppziel ständig weggeballert wurde, bzw. das Seil riss....
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