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Nachwuchs-Studie: Bundeswehr unterfordert Rekruten

Bundeswehrübung: Unterforderung betrifft Befragte aller Bildungsschichten Zur Großansicht
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Bundeswehrübung: Unterforderung betrifft Befragte aller Bildungsschichten

Eine Studie bescheinigt der Bundeswehr ein ernstes Problem. Zwei Drittel ihrer Freiwilligen zweifeln laut "Welt am Sonntag" an der "Sinnhaftigkeit des Dienstes". Ein wichtiger Grund: Die Rekruten fühlen sich unterfordert.

Berlin - Die Bundeswehr hat Nachwuchssorgen. Insbesondere muss sie darum kämpfen, Freiwillige langfristig zu binden. Einer Studie zufolge wollte sich nur jeder fünfte Rekrut nach Endes des Dienstes als Zeitsoldat bewerben, schreibt die "Welt am Sonntag".

Einer der Gründe: Zwei Drittel der freiwilligen Wehrdienstleistenden fühlten sich vom Dienst in ihren Einheiten intellektuell und körperlich unterfordert, heißt es der Zeitung zufolge in der Untersuchung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. "Diese Unterforderung betrifft Befragte aller Bildungsschichten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß", schreiben die Autoren der im April 2014 fertiggestellten Studie, die erst jetzt veröffentlicht wurde.

"Die Studie zeigt, dass die Konstruktion dieses freiwilligen Wehrdienstes falsch ist", sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Hans-Peter Bartels (SPD), der Zeitung. "Es gibt nur feste Dienstposten für 5000 Rekruten. Alle, die darüber hinaus kommen, müssen sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen." Das habe den Effekt, dass man junge Menschen verprellt, die eigentlich großes Interesse an der Bundeswehr haben, kritisiert Bartels: Das Verteidigungsministerium müsse nachsteuern und "das Personalstrukturmodell überarbeiten".

"Nichts Nützliches gelernt"

Laut der Studie zeigten sich nur 31 Prozent mit der "Sinnhaftigkeit des Dienstes" zufrieden und 36 Prozent mit dem Dienstablauf. Sogar ein Viertel der Rekruten, die im Rückblick mit ihrer Zeit bei der Bundeswehr zufrieden waren, gaben an, sich persönlich nicht weiterentwickelt zu haben. Und jeder Dritte findet, er habe "nichts Nützliches gelernt".

Mit der Bezahlung waren hingegen mehr als 83 Prozent eher oder sehr zufrieden. Auch Rahmenbedingungen wie Unterkunft, Verpflegung und die Entfernung zum Heimatort bewerteten die Soldaten als gut.

Als positiv wird gewertet, dass es der Bundeswehr im Jahr 2014 erstmals seit Aussetzung der Wehrpflicht gelungen ist, mehr als 10.000 freiwillig Wehrdienstleistende zu rekrutieren, genauer: 10.230. Im Vorjahr wurden lediglich 8300 neue Rekruten eingestellt.

Eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2013 hatte belegt, dass junge Menschen, die sich für den Wehrdienst entscheiden, anfangs meist hoch motiviert und leistungsbereit sind. Motive für ihre Entscheidung für den Wehrdienst waren etwa: Teamwork, Kameradschaft, Verantwortungsübernahme, fordernde Tätigkeiten und Situationen, in denen man die eigenen Grenzen erfahren kann. Die Erwartungen hätten im Rückblick allerdings "nicht vollumfänglich" erfüllt werden können.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat der Bundeswehr derweil mehr Geld versprochen. Laut "Bild am Sonntag" will der CDU-Politiker den Verteidigungsetat ab dem Jahr 2017 aufstocken.

bos/dpa

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    Seite 1    
1. Bei 20 Reformen in 10 Jahren ...
Baelauchbaby 01.03.2015
...keine so große Überraschung. Da fühlt man sich natürlich wie das 5. Rad am Wagen. Abgesehen davon braucht regelmäßige, fordernde Übung auch funktionierende Übungsmittel, Munition und eine dafür geschaffene Infrastruktur. Die kostet aber Geld.
2. Zu meiner Zeit als Wehrpflichtiger Ende der 1960er Jahre
cosifantutte 01.03.2015
galt schon der Spruch: Obergefreitenprüfung: 1 Stunde aus dem Fenster schauen und nichts denken. oder: Die Hälfte seines Lebens wartet der Soldat vergebens. cosifantutte.
3.
Chemical City 01.03.2015
Schon bei uns hat man meistens gesoffen und wurde von intellektfreien Uffzen und Stuffzen genervt. Wird sich wohl nicht viel geändert haben ... wobei ... durch Wegfall der Wehrpflicht, kommen sicher nur noch die schlimmsten Zivilversager zum Bund. War ne dumme Idee.
4.
farbraum 01.03.2015
Etwas mehr Konstanz wäre wünschenswert, denn nichts wirkt so demotivierend wie ständige Umstrukturierungen.
5. Volle Zustimmung
FWDLer 01.03.2015
Nur 5000 feste Dienstposten? Das erklärt einiges. Als ich 2012 meinen einjährigen Freiwilligendienst ableistete, wurde mir noch vollmundig Ausbildung zum Panzerschützen versprochen. Nach der AGA ist den Vorgesetzten dann aufgefallen, dass sich die Ausbildung für den FWDLer gar nicht lohnt. Auf meinem Dienstzeugnis ist meine Tätigkeit dann als Wachsoldat benannt worden, - genauso spannend wie es klingt. Da war die Entscheidung ob beim Bund studieren oder Zivil nicht schwer. Ein Verein, der in Augen eines 18 Jährigen gut zahlt, aber ansonsten Bore - Out anstatt Burn - Out bietet. Soweit ich weiß haben sich die wenigsten verpflichtet, die meisten schon vor nem halben Jahr aufgehört.
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