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Geheime Bundeswehr-Strategie: Von der Leyen rüstet an der Cyberfront auf

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REUTERS

Von der Leyen: Die Ministerin forciert Einsätze im Cyberkrieg

Ursula von der Leyen treibt Einsätze der Bundeswehr im Cyberkrieg voran. Die Ministerin plant laut einem Geheimpapier eine massive Aufrüstung zur Abwehr von digitalen Attacken. Aber auch offensive Einsätze sollen möglich werden.

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen plant eine massive Modernisierung der Bundeswehr für den Cyberkrieg.

In einem geheimen Strategiepapier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, fordert ihr Ressort eine deutliche Aufstockung und Zentralisierung der IT-Ressourcen der Bundeswehr. Außerdem soll die Truppe künftig zu offensiven Cyberangriffen im In- und Ausland in der Lage sein. Von der Leyen hat das 20-seitige Papier bereits am 16. April gebilligt.

Diese "Strategische Leitlinie Cyber-Verteidigung" fordert eine komplette Neuorientierung der Bundeswehr: Das Internet und andere Kommunikationsplattformen müssten neben den klassischen Kriegsschauplätzen Land, Luft, See und Weltraum als neuer "Operationsraum" der Bundeswehr definiert werden. Dafür sei "die Bereitstellung von adäquaten Strukturen und Ressourcen" erforderlich.

Zu von der Leyens Plänen gehören auch offensive Cyberattacken: Die Bundeswehr müsse nicht nur im Inland in der Lage sein, Cyberangriffe "aktiv abzuwehren". Bei Missionen im Ausland soll es zum Beispiel möglich sein, die Nutzung von Internet und Mobilfunk durch den Gegner "einzuschränken, gegebenenfalls sogar auszuschalten". Dazu müsse stets ein Lagebild über "Verwundbarkeiten" der gegnerischen Systeme vorliegen.

Cyber-Offensive bei Auslandseinsätzen

Cyberangriffe sollen laut dem Papier in Zukunft zum Standard-Repertoire der Bundeswehr bei Auslandsmissionen gehören. "Offensive Cyber-Fähigkeiten" seien als "Wirkmittel anzusehen", heißt es. Attacken auf Computernetze könnten "nicht-letal und mit hoher Präzision auf gegnerische Ziele" angesetzt werden. Solche Angriffe seien geeignet, die Kampfkraft der Bundeswehr "signifikant zu erweitern".

Das Strategiepapier gehört zur Vorbereitung auf das neue Weißbuch der Bundeswehr: Darin soll gemeinsam mit allen anderen wichtigen Ministerien die sicherheits- und außenpolitische Ausrichtung der Truppe festgelegt werden.

Von der Leyen plant mit der unter Verschluss gehaltenen Strategie erkennbar eine Führungsrolle der Bundeswehr bei der "gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge" im Cyberraum. Die Bundeswehr soll im Zuge des Heimatschutzes für "die Verteidigung gegen Cyberangriffe, die einen bewaffneten Angriff auf Deutschland darstellen", zuständig sein. Konkret genannt werden Attacken auf sogenannte kritische Infrastruktur wie das Kommunikations- oder Verkehrsnetz. In einem solchen Fall soll der Einsatz der Streitkräfte möglich sein.

Von der Leyen will aber noch weiter gehen: Weil Einsätze der Bundeswehr bei der Cyberabwehr unterhalb eines massiven Angriffs bisher nicht vorgesehen sind, müsse dieses Problem mit den anderen Ressorts "prioritär" gelöst werden. Möglicherweise könnten Reservesoldaten aus der IT-Wirtschaft "in hoheitlichem Auftrag" zur Unterstützung im Cybernotfall herangezogen werden.

Spätestens seit der erfolgreichen Hackerattacke auf das Intranet des Bundestags ist deutlich geworden, dass Deutschland für Cyberattacken nicht ausreichend gerüstet ist. Die Ministerin, bisher hauptsächlich mit der maroden Ausrüstung ihrer Truppe beschäftigt, hat damit ein Projekt, das aktuell und sehr modern wirkt.

Zunächst aber muss von der Leyen in ihrem Ressort umorganisieren, bisher sind die IT-Fähigkeiten innerhalb der Truppe verteilt: Eines der Zentren für den Cyberkrieg ist in Euskirchen stationiert. Dort überwachen 40 Experten des "Computer Emergency Response Teams", kurz CERTBw genannt, die Infrastruktur der Truppe, suchen nach Schadsoftware wie Viren oder Trojanern. Angreifen aber dürfen sie bisher nicht, sie wehren Attacken nur ab.

"Bündelung und Fokussierung unserer Aktivitäten"

In der Tomburg-Kaserne in Rheinbach (ebenfalls in Nordrhein-Westfalen) experimentiert die Einheit "Computer Netzwerke Operationen" (CNO) mit rund 60 Soldaten auch an offensiven Attacken im Netz, bisher aber nur in Laborsituationen.

Von der Leyen will die Aufgaben der Truppe nun zentralisieren. Ende Juni informierte Staatssekretärin Katrin Suder alle Abteilungsleiter, dass die Unternehmensberatung Accenture eine Diagnose der Fähigkeiten und Ressourcen erstellen wird, Interviews und Workshops sind bereits geplant. Die "Bündelung und Fokussierung unserer Aktivitäten" sei nötig, sagt Suder, um die Cyber-Abwehr der Truppe sicherzustellen.

Wie wichtig der Ministerin das Thema ist, zeigte sich schon bei Dienstreisen in diesem Jahr: Sowohl bei einer Visite im Baltikum als auch in Indien ging es auffällig oft um die neue Front im Netz. Ihre Sommerreise durch die Standorte ist ähnlich fokussiert: Gleich am ersten Tag der Reise besucht sie die Computerspezialisten in Euskirchen, danach geht es weiter zur Geheimtruppe KSA.

Zusammenfassung: Das Thema Cyberkrieg wird für Ministerin von der Leyen immer wichtiger. Sie will die Bundeswehr verstärkt in den Hightech-Krieg gegen Computerviren einbinden. Erste Pläne sind in einem Geheimpapier beschrieben.

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insgesamt 65 Beiträge
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    Seite 1    
1. Offensive Einsätze....
Semmelbroesel 10.07.2015
...so etwas wie Stopp-Schilder aufstellen? Da kennt sie sich aus, wie keine Zweite.
2. besser spät als nie
pevoraal 10.07.2015
vieleicht wird dann auch endlich die unseelige Privatvergabe des EDV - Bereiches rückgängig gemacht. Wir brauchen IT Experten in Uniform die uneingeschränkt verfügbar sind. Wieder eine Entscheidung die diese Dame richtig trifft. Was die Herren Verteidigungsminister in der Vergangenheit abgeliefert haben war ja wohl mehr als fragwürdig
3.
iconoclasm 10.07.2015
Die Frau Ministerin sollte lieber mal dafür sorgen das das physische Material zur Landesverteidigung reicht bevor man weitere Medienwirksame Schlachtfelder betritt.
4. Hauptsache Schlagzeilen ...
dialogischen 10.07.2015
... für die Fürstin der großen Sprüche - ohne je irgendetwas mit Hand und Fuß hinbekommen zu haben. Ihren Wählern scheint es zu genügen.
5.
pennywise 10.07.2015
Zitat von Semmelbroesel...so etwas wie Stopp-Schilder aufstellen? Da kennt sie sich aus, wie keine Zweite.
*rofl Stimmt, da war doch mal was.
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