Von der Leyens Bundeswehrpläne: Die Stimmungs-Aufhellerin

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Verteidigungsministerin von der Leyen: "Mit Tagesmüttern arbeiten"

Kinderbetreuung in den Kasernen, Teilzeit für die Truppe. Verteidigungsministerin von der Leyen will die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver machen. Sehr zur Freude der Soldaten, die von der Dauerreform des Militärs genervt sind. Doch jetzt muss von der Leyen auch liefern.

Berlin - Als Familienministerin, später auch an der Spitze des Arbeitsministerium, hat Ursula von der Leyen immer wieder politische Akzente gesetzt. Mal zur Freude ihrer Anhänger in der Union, manchmal auch nicht.

Eines aber konnten ihr Freunde und Gegner in der eigenen Partei nie absprechen: Sie beherrscht das mediale Geschäft. Und in ihrem neuen Amt als Verteidigungsministerin hat von der Leyen das nun einmal mehr unter Beweis gestellt.

"Mein Ziel ist es, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Das wichtigste Thema ist dabei die Vereinbarkeit von Dienst und Familie", versprach die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag". Die Truppe müsse Dienst- und Familienzeiten besser aufeinander abstimmen. "Unsere Soldatinnen und Soldaten lieben ihren Beruf, aber sie möchten auch, dass ihre Ehen halten und sie ein glückliches Familienleben führen." Das sind ganz neue Töne für die Soldaten.

Lob des Bundeswehrverbands

Der Bundeswehrverband, der die Interessen der militärischen und zivilen Mitarbeiter vertritt, begrüßt den Vorstoß entsprechend. Seit Jahren schon moniert der Verband, dass die Truppe in puncto Familienfreundlichkeit nicht attraktiv genug ist - vor allem seit sich auch immer mehr Frauen für den Freiwilligendienst entscheiden. Auch die unter Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) angeschobene und von Thomas de Maizière (CDU) weiter verfolgte Bundeswehrreform hat die Stimmung nicht gerade verbessert.

Da kommt von der Leyens Plan gerade recht. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Oberstleutnant André Wüstner, sagte SPIEGEL ONLINE: "Die Truppe ist frustriert von der Art und Weise, wie die Reform bisher umgesetzt wurde. Es ist gut, dass die Ministerin die Bundeswehr jetzt zu einem der modernsten Arbeitgeber machen will."

Wüstner weiter: "Sie hat die richtigen Themen angesprochen, um die Bundeswehr ins Zeitalter der Freiwilligenarmee zu führen. Das lässt viele Bundeswehrangehörige wieder hoffen." Er sagt aber auch: "Wichtig ist, dass Worten auch Taten folgen - daran wird sie gemessen."

Die familienunfreundlichen Bedingungen in der Bundeswehr sind ein häufiger Kritikpunkt von Soldaten. Im vergangenen Jahr gingen beim Wehrbeauftragten der Bundesregierung, Hellmut Königshaus, so viele Beschwerden ein wie nie zuvor.

Automatische Versetzungen kommen auf den Prüfstand

Nach dem Plan von der Leyens sollen die Armeeangehörigen ganz selbstverständlich Teilzeitmöglichkeiten nutzen können:

  • "Wer etwa in der Familienphase die Option einer Drei- oder Viertagewoche nutzt, muss weiter Karriereperspektiven haben. Ich denke auch an Lebensarbeitszeitkonten, auf die Überstunden eingezahlt werden und von denen Freizeiten abgehoben werden können, sei es für die Betreuung von kleinen Kindern oder alter Eltern."

Auch die häufigen Versetzungen der Soldaten will von der Leyen auf das Notwendige begrenzen:

  • "Karriere bei der Bundeswehr darf im Regelfall nicht bedeuten: immer im Dienst und alle paar Jahre ein Umzug." Da die Lebenspartner der Soldaten häufig selbst berufstätig seien, trügen Versetzungen große Spannungen in die Familien.

Als eine der ersten Maßnahmen plant von der Leyen den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen.

  • "Wir sollten gerade für die Betreuung in Randzeiten sehr viel stärker mit Tagesmüttern arbeiten", sagte die Ministerin. "Denn das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung, und wir haben den großen Vorteil, dass es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt."

Unterstützung, aber auch Skepsis

Beim Koalitionspartner SPD stößt das Vorhaben auf Zustimmung. Der kommende Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Hans-Peter Bartels (SPD), nannte von der Leyens Pläne "richtig und überfällig". Der Leidensdruck bei vielen Soldaten sei sehr hoch, weshalb die Ministerin mit dem Vorstoß offene Türen einrenne, sagte er dem "Tagesspiegel".

Doch woher soll das Geld für den Reformplan kommen? "Die Umsetzung der Maßnahmen wird viel Geld kosten, das bislang nicht im Verteidigungshaushalt zur Verfügung steht", sagte der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner dem "Handelsblatt". Ein flächendeckendes Kita-Angebot würde eine zweistellige Millionensumme erfordern, schätzt der Grünen-Politiker, der auch im Haushaltsausschuss des Bundestags sitzt.

Die Linkspartei-Abgeordnete Inge Höger ging die Ministerin frontal an. Sie nannte die Ankündigungen blanken Hohn: "Es gibt keine Teilzeitkriege und keine familienfreundlichen Militäreinsätze, doch genau solche Auslandseinsätze sind in der Zwischenzeit das Kerngeschäft der Bundeswehr."

Mitarbeit: Christoph Sydow

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insgesamt 177 Beiträge
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1. Kinderbetreung
ediart 12.01.2014
gilt das auch für Kriegswaisen?
2. Wenn ...
maxmehr2008 12.01.2014
.. man das Foto so sieht weiß man, dass Krieg eine immens spaßige Angelegenheit ist :) ... ach heile Welt, ist das schön...
3.
jehudi 12.01.2014
Ist das Satire? Liest sich wie ein Artikel aus dem Postillion...
4. Krieg als Spaß
Mertrager 12.01.2014
Man muß schon ziemlich bescheuert sein, wenn man Jahrtausende Kriegsethik ignoriert und glaubt, das so anpacken zu können. Wieder einmal sind viele Leute im Volk im Kopf weiter als die Regierenden.
5. Kontingent
fatal.justice 12.01.2014
Die Bundeswehr ist wohl weltweit der einzige Arbeitgeber, der mögliche Arbeitnehmer auf Knien anbetteln muss, damit jene einen Arbeitsvertrag unterzeichnen... Eigentlich müsste dieser geldverbrennende institutionelle Haufen menschlicher Quastenflosser endlich aufgelöst werden.
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