Auslandseinsätze: Bundeswehr verlängert Drohnen-Mietvertrag mit Israel

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Drohnen: Hightech-Spione auf dem Vormarsch Fotos
REUTERS

Seit Monaten tobt in der Regierung ein erbitterter Streit über den Kauf von Drohnen - am Ende hat der Verteidigungsminister die heikle Entscheidung verschoben. Stattdessen verlängert die Bundeswehr nun einen Leihvertrag für eine unbewaffnete Drohne aus Israel.

Berlin - Die Bundeswehr setzt für die gefährliche Auslandsmission in Afghanistan auch in Zukunft auf die unbewaffnete Drohne vom Typ "Heron". In einer Unterrichtung für den Verteidigungsausschuss berichtete Staatssekretär Thomas Kossendey, der Mietvertrag für die israelische Aufklärungsdrohne solle bis April 2015 verlängert werden. Das System leiste für die Bundeswehr "einen wesentlichen und nahezu unverzichtbaren Beitrag zu den Operationen" in dem Krisenland.

Kossendey führt die Vor- aber auch die Nachteile des israelischen Drohnensystems aus. Demnach glänze es durch eine hohe Zuverlässigkeit und sei für die Überwachung von Patrouillen und Gefechten aber auch bei Zugriffen von Spezialeinheiten nicht mehr wegzudenken. Allerdings, so die Erfahrung aus den Einsätzen, erfülle die "Heron"-Drohne "nicht alle operationellen Forderungen" bei der Kommunikation mit dem Bodenpersonal und der Sensorik.

Der Mietvertrag ist verlängert - allerdings wollen Verteidigungsminister Thomas de Maizière und die Luftwaffe seit längerem Kampfdrohnen anschaffen. Ursprünglich hatte de Maizière eine Entscheidung für das Frühjahr angekündigt. Aus politischen Gründen ist diese Entscheidung aber verschoben worden.

Denn seit der Ankündigung ist in Deutschland eine hitzige Debatte entbrannt. Vertreter der Koalitionsfraktionen und des Bundeswehrverbands hatten sich gegen eine schnelle Entscheidung gestemmt. Auch in der Bevölkerung sind die Flugobjekte umstritten.

Neue Kampfdrohnen dringend gesucht

Die Luftwaffe drängt aber weiter darauf, bewaffnete Drohnen zu kaufen. Sie prüft, welches Modell für Deutschland in Frage käme. Erst kürzlich ließ sich deshalb Luftwaffeninspekteur Karl Müllner in Israel das neue "Heron"-Modell inklusive Bewaffnung vorführen. In den USA haben die Deutschen ebenfalls angefragt, bisher aber keine positive Antwort bekommen.

Die Vereinigten Staaten setzen Fluggeräte vom Modell "Predator" oder "Reaper" für gezielte Tötungen von Terrorverdächtigen ein. Zwar gelten die Lenkwaffen tatsächlich als präzise und punktgenau einsetzbar. Dennoch kommt es beim ortsfernen Drohneneinsatz aus der Kommandozentrale immer wieder zu zivilen Opfern im Zielgebiet.

Die Bundeswehr meldet dagegen Probleme bei einem anderen Projekt, der Entwicklung der Aufklärungsdrohne "Euro Hawk". Zwar sei ein Erprobungsmodell von der riesigen unbewaffneten Drohne im Januar zum ersten Mal geflogen, so ein Sachstandsbericht vom Montag, allerdings werde die Weiterführung des Millionenprojekts mittlerweile "kritisch geprüft". Die Drohne mit einer Spannweite von 40 Metern ist für die Überwachung von Krisenzonen ausgelegt.

Bereits seit Monaten gibt es Probleme bei der möglichen Zulassung der Riesendrohne, bisher konnte man nur eine vorläufige Verkehrzulassung für 15 Erprobungsflüge bekommen. Im Ministerium ist man sicher, dass eine richtige Zulassung für den Betrieb erhebliche Mehrkosten und viele Monate Zeit kosten würde. Deswegen wird erwogen, das ganze Projekt zu beenden.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Es ist doch JEDES mal das Gleiche ...
coyote38 22.04.2013
Egal, bei welchem Online-Magazin: Die Hoffnung auf einen rüstungs- oder sicherheitspolitisch fundierten Artikel wird mit der Lektüre enttäuscht. Die von der US-Luftwaffe verwendete "Reaper" IST eine "Predator B MQ-9". Insofern werden keine "Fluggeräte vom Typ Predator ODER Reaper eingesetzt, weil es sich hier um den gleichen Drohnentyp handelt. Die Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" muss auch nicht "entwickelt" werden, weil es sich hier um den "Global Hawk" des amerikanischen Herstellers Northrop Grumman handelt, der - wiederum bei der US-Luftwaffe - bereits seit JAHREN im Einsatz ist. Der einzige Unterschied zwischen beiden Modellen ist die Sensorik. Die stammt beim "Euro Hawk" von Siemens und wird lediglich in Manching eingerüstet.
2. Gleiches Recht für alle!
General_Turgidson 22.04.2013
Soso, einfach mal verschieben, es ist ja nicht so als ob derzeit deutsche Soldaten auf Befehl der Laienschauspieler in Regierung und Parlament an einem der schlimmsten Orte der Welt ohne jede Luftunterstützung im Einsatz sind. Den Damen und Herren, die derartig menschenverachtende Entscheidungen treffen gehören die bequemen Panzerluxuslimousinen weggenommen, und die Personenschützer!!! Dann bekommen sie vielleicht einen Einblick darin, was sie der Truppe seit vielen Jahren zumuten, indem sie lächerliche Rules of Engagement und Ausrüstungumfang ähnlich dem im April 1945 nach Gutsherrenart für ausreichend halten. Die Drohnen sind der einzige Ersatz für eine ordentliche flächendeckende Luft- und Luftnahunterstützung rund um die Uhr.
3. optional
spon-facebook-1425926487 22.04.2013
Bei einer unbewaffneten Drohne, die alle hundert Jahre mehr zufällig als absichtlich über den eigenen Krisenpunkt dahin schwebt halte ich den Begriff einer "Luftunterstützung" doch für etwas hoch gegriffen. Ich bin gegen Krieg und gegen jedes Töten, aber wenn es aus welchem Grund auch immer unbedingt sein muss, sollte man die Leute, die für die Entscheidung dann den Kopf hinhalten sollen, wenigstens eine vernünftige Unterstützung zukommen lassen. Wenn man daran denkt dass sie in Afghanistan anfangs nicht mal leichte Panzer hatten- einfach lächerlich. Klar, so kann man auch Kriege führen, insbesondere wenn das Heer selbst in Friedenszeiten 1 Million Mann stark ist, da zählt das Leben des Einzelnen wohl nicht so viel. Aber hier werden auf dem Rücken der eigenen Leute alberne Spielchen um Macht und Einfluss geführt, das ist völlig undiskutabel.
4. Wir müssen uns mal die Entwicklung und den Umbau der Bundeswehr anschauen...
yael.schlichting 22.04.2013
Als ich als zwischen 1987 und 1988 bei der Bundeswehr dienst tat, waren dort 495.000 aktive Soldaten. Heute sind's noch rund 188.000 aktive Soldaten. Damals war die Welt trotz kalten Krieges halbwegs sicher. Heute haben wir eine unzahl Konflikte, die gegnerischen Kombatanten scheren sich rein gar nichts um's Kriegsrecht, sondern die töten und metzeln was immer in Reichweite gerät. Und wenn dann ein Deutscher Soldat stirbt, ist das Geschrei groß. Ich hab' auch keine Patentlösung, aber für mich ist das Argument der US-Streitkräfte stichhaltig: *Drohnen haben keine Mutter.* Und daher verstehe ich die Diskussion in Deutschland auch nicht.
5.
stefan.p1 22.04.2013
Zitat von yael.schlichtingAls ich als zwischen 1987 und 1988 bei der Bundeswehr dienst tat, waren dort 495.000 aktive Soldaten. Heute sind's noch rund 188.000 aktive Soldaten. Damals war die Welt trotz kalten Krieges halbwegs sicher. Heute haben wir eine unzahl Konflikte, die gegnerischen Kombatanten scheren sich rein gar nichts um's Kriegsrecht, sondern die töten und metzeln was immer in Reichweite gerät. Und wenn dann ein Deutscher Soldat stirbt, ist das Geschrei groß. Ich hab' auch keine Patentlösung, aber für mich ist das Argument der US-Streitkräfte stichhaltig: *Drohnen haben keine Mutter.* Und daher verstehe ich die Diskussion in Deutschland auch nicht.
und was ich nicht verstehe was die bundeswehr überhaubt in afganistan oder in mali zu suchen hat! die bundeswehr verursacht riesige milliarden kosten und ist absolut überflüssig,unnütz und nur zur selbstdarstellung von unterbemittelten politikern gut die gerne beim großen spiel (uno) mitspielen wollen. einfach nur arm!
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