Panne bei Rekrutensuche: Bundeswehr schickt Werbebroschüre an Kinder

Rekruten der Bundeswehr (Archivbild): "Gute Karrierechancen in verschiedenen Berufsfeldern" Zur Großansicht
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Rekruten der Bundeswehr (Archivbild): "Gute Karrierechancen in verschiedenen Berufsfeldern"

Die Empfänger werden die Werbung wohl erst in einigen Jahren verstehen: Die Bundeswehr hat etwa 1000 Kindern in Ostholstein eine Broschüre geschickt, um ihnen die Arbeit bei der Truppe schmackhaft zu machen. Die Meldebehörde räumte den Fehler ein - eine Panne, die nicht zum ersten Mal passierte.

Hamburg - Auf der Homepage der Bundeswehr findet sich ein Reiter namens "Karriere". Dort heißt es: "Die Bundeswehr bietet jungen Menschen viele interessante 'Arbeitsplätze' und persönliche Herausforderungen." Um Jugendliche für sich zu begeistern, gibt die Bundeswehr Millionen aus. Denn seitdem die Wehrpflicht am 1. Juli 2011 weggefallen ist, sind die Rekruten knapp.

Jetzt hat es die Truppe sogar bei den ganz Jungen versucht - versehentlich: In Ostholstein bekamen etwa 1000 Kinder Post von der Bundeswehr. Darin wird ihnen eine Karriere "in verschiedenen Berufsfeldern" bei der Truppe schmackhaft gemacht. Wie die "Lübecker Nachrichten" am Sonntag berichteten, sind einige der angeworbenen Kinder allerdings erst wenige Wochen alt.

Das Personal-Management der Bundeswehr in Köln sprach gegenüber der Zeitung von einer "sehr unangenehmen Geschichte" und kündigte an, sich bei den betroffenen Familien zu entschuldigen. Ursache sei ein Versehen der zuständigen Meldebehörde. Von dort seien Adressen der Einwohner unter 17 Jahren an die Bundeswehr übermittelt worden, nicht jene der Jugendlichen ab 17 Jahren. Das räumte der zuständige Büroleiter des Amtes in Lensahn ein und sprach selbst von einem "dummen Fehler."

Es ist nicht die erste peinliche Panne dieser Art: Im Dezember 2011 hatte die Bundeswehr mehr als 2000 Kindern und Jugendlichen aus Eutin im Kreis Ostholstein Broschüren sowie einen Bewerbungsbogen geschickt. Damals hatte ebenfalls ein Fehler der entsprechenden Meldebehörde zu dem Fauxpas geführt.

Vor kurzem war die Jugendarbeit der Bundeswehr in einer Studie von Freiburger Medienwissenschaftlern in die Kritik geraten: Die Forscher warfen der Bundeswehr vor, Jugendliche mit falschen Stilmitteln zu umwerben. "Die Bundeswehr versucht, vor allem über Emotionen und kaum über Argumente an die Jugend anzudocken", sagte einer der Studienautoren. Anstatt aus Krisengebieten zu berichten, setze man auf ein überwiegend positives Image mit viel Freizeitspaß und Action.

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Studie: Wie die Bundeswehr Jugendliche lockt

cib/AFP

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insgesamt 103 Beiträge
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1. Wirklich ein Versehen?
donadoni 24.03.2013
Deutschland baut offenbar einen neuen "Volkssturm II" auf. Für Jugendliche hat dieses Land ohnehin keine Verwendung außer Arbeitslosigkeit, Generation Praktikum und Aufstockerjobs. Und bei den Rentnen türmt sich das Probleme der Rentnerschwämme. Da kommt der Einsatz bei der Bundeswehr gerade recht. Da ist dann allen geholfen, wenn denn auch mal wirklich scharf geschossen werden sollte. Platzpatronen bringen alleine auch keine Lösung.
2.
asdf01 24.03.2013
Zitat von sysopDie Empfänger werden die Werbung wohl erst in einigen Jahren verstehen: Die Bundeswehr hat etwa 1000 Kindern in Ostholstein eine Broschüre geschickt, um ihnen die Arbeit bei der Truppe schmackhaft zu machen. Die Meldebehörde räumte den Fehler ein - eine Panne, die nicht zum ersten Mal passierte. Bundeswehr verschickt versehentlich Kindern Werbepost - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-verschickt-versehentlich-kindern-werbepost-a-890648.html)
Her sollte in erster Linie die Handhabung von persönlichen Daten durch die Meldeämtern angeprangert werden, das ist der eigentliche Skandal. Mal wieder wurde Daten ungeprüft und fahrlässig rausgegeben und das ist noch positiv formuliert... Da freut ich mich doch, wie "sicher" meine Daten bei den behörden sind...
3. Adressenhandel
anniusverus1532 24.03.2013
Sollte verboten werden, wenn alle den Datenschutz so hoch hängen.
4. Na und?
markus-f 24.03.2013
Ist doch nichts passiert.. Drüber schmunzeln und fertig. Da einen "Volkssturm II" (@donadoni) zu sehen, ist schon leicht paranoid. Und die Studie irgendwelcher Medienwissenschaftler aus Freiburg - wen kümmert's.
5. Propaganda
Björn Borg 24.03.2013
Das ist - wie so Vieles bei der Truppe heute - pervers. Man bereit die Jugend systematisch auf den nächsten Krieg vor.
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