Personalmangel bei der Bundeswehr Verteidigungsministerium will verstärkt auf Reservisten zurückgreifen

Die Bundeswehr soll wachsen, doch sie hat es im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft schwer. Mit einem neuen Gesetz will Ministerin von der Leyen die Armee nun attraktiver machen. Das soll 380 Millionen Euro kosten.

Übung von Soldaten und Reservisten (Archiv)
dpa

Übung von Soldaten und Reservisten (Archiv)


Das Verteidigungsministerium will den Dienst in der Bundeswehr attraktiver machen. Dazu will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein Gesetz im Bundeskabinett vorstellen. Es sehe Änderungen an 30 Regelwerken vor, teilte das Ministerium laut Nachrichtenagentur dpa mit. In den nächsten vier Jahren sollen demnach rund 380 Millionen Euro zusätzlich ausgegeben werden. Der Dienst in der Bundeswehr müsse attraktiver sein, weil die Streitkräfte mit vielen zivilen Arbeitgebern im Wettbewerb um Fachkräfte stünden.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zufolge will CDU-Politikerin von der Leyen den Personalmangel in der Bundeswehr auch durch die stärkere Einbeziehung von Reservisten ausgleichen. In dem Gesetzentwurf heiße es, Reservisten könnten eingesetzt werden, wenn Personallücken nicht anderweitig zu füllen seien und sonst die Funktionsfähigkeit einer Organisationseinheit gefährdet sei.

Ziel sei die "temporäre Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft". Im Schnitt sind laut Bundeswehr rund 15 Prozent der Dienstposten nicht besetzt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Personalgewinnung durch Abschaffung der Wehrpflicht schwieriger geworden ist.

Mehr als 20.000 Soldaten fehlen

Laut Nachrichtenagentur dpa soll der Reservistendienst künftig auch in Teilzeit möglich sein - so könnten Reservisten dies mit einer Teilzeittätigkeit im zivilen Berufsleben kombinieren. "Damit profitieren vor allem Dienststellen, die temporär und flexibel mit Personalengpässen umgehen müssen". Als Beispiel wurde genannt, wenn Personal wegen Elternzeit oder Lehrgängen abwesend ist.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verwies darauf, dass Soldaten im Ernstfall alles für ihr Land gäben. "Das Mindeste, das wir diesen Männern und Frauen schulden, ist, dass sie in ihrem schwierigen Dienst gut abgesichert sind", teilte sie mit. "Unsere Soldaten stehen für Demokratie und Freiheit ein. Dafür verdienen sie Wertschätzung, die sich nicht nur, aber auch in handfesten finanziellen Vorteilen ausdrücken darf."

Ursula von der Leyen
DPA

Ursula von der Leyen

Die Bundeswehr soll von derzeit etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2025 auf 203.000 Soldaten wachsen. Fraglich ist langfristig, wie die Bundeswehr neue Posten angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels besetzen will. Die Zahl der neu angeworbenen Bundeswehrsoldaten ist nach Angaben des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels von Ende Januar auf einen historischen Tiefstand gesunken.

Das "Gesetz zur nachhaltigen Stärkung der personellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr" sieht nach Angaben des Verteidigungsministeriums einen erweiterten Schutz im Auslandseinsatz vor. Geplant ist zudem eine Verbesserung für im Einsatz geschädigte Soldaten: Die Bundeswehr soll künftig die Kosten übernehmen, wenn Familienangehörige in die Therapie einbezogen werden möchten.

Eine verstärkte Berufsförderung soll Soldaten nach Dienstende den Schritt ins zivile Arbeitsleben erleichtern. Freiwillig Wehrdienstleistende sollen einen höheren Sold bekommen - die Bundeswehr will damit einen finanziellen Anreiz setzen, sich für einen längeren Zeitraum zu verpflichten.

apr/dpa/AFP



insgesamt 54 Beiträge
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jayjayjayjay 27.02.2019
1. Dachte Wehrpflicht wäre abgeschafft
Was meint die Dame denn, wer die Mehrheit der Reservisten ausmacht?
whgreiner 27.02.2019
2. Reservisten einziehen
Jetzt sollen es also mal wieder die Männer richten: von Reservistinnen habe ich bisher nichts gehört... Und dass die Bundeswehr jetzt schon mitten im Frieden (abgesehen von ein paar so unnötigen wie unsinnigen Auslandseinsätzen) Reservisten braucht, um den stinknormalen Routinebetrieb aufrecht zu erhalten, spricht Bände über ihren Zustand. Reservisten sind für den Verteidigungsnotstand da, Frau von der Leyen, nicht für den Notstand unfähiger Führung in Friedenszeiten!
m.d._b 27.02.2019
3.
VDL legt leider ihren Fokus sehr einseitig auf die Soldaten. Es sorgt für eine gewisse Unzufriedenheit wenn der langjährige Verwaltungsangestellte (vgl mittlerer Dienst) weniger Geld verdient als ein junger Manschaftsdienstgrad (einfacher Dienst). Auch hier sollten die zivilen Dienstposten für Tarifbeschäftigte attraktiver werden. Sonst entsteht der nächste Fachkräfte Mängel.
willhelm.schmitz 27.02.2019
4. Was?
Was sollen die Reservisten bei der Bundeswehr? Mit nicht schwimmenden Schiffen fahren? Mit nicht vorhandenen Panzern fahren? Mit nicht fliegenden Flugzeugen fliegen, oder gar mit nicht treffenden Gewehren schiessen? Ach, ich weis es.... die sollen mit den Unternehmensberatern und Consultants reden, damit diese Konzepte zur Reorganisation der Bundeswehr einreichen und dafür Millionen einsacken können.... Und natürlich sich bei Presseterminen weise nickend neben die Uschi stellen.....
Semmelbroesel 27.02.2019
5. ..und schon wieder..
..verlangt die Dame 380 Millionen zusätzlicher Steuergelder. War doch in etwas die gleiche Summe, die sie für weitere Beraterleistungen veranschlagt hatte. Irgendwie auch eine komische Idee, die sie da auf den Tisch bringt, Halbtagskräfte bei der Bundeswehr, den Rest des Tages dann beim normalen Arbeitgeber. Ich fürchte, die Gute hat jetzt vollends den Verstand verloren.
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