Bundeswehr-Video Rassistische Sprüche bei Schießübung - Ausbilder versetzt

Totenkopf-Affäre, Folterspiele - nun ein rassistisches Trainingsvideo: Erneut gerät die Bundeswehr in Verruf. In einem Film, der im Internet kursiert, befiehlt ein Ausbilder einem Wehrdienstleistenden, er solle beim Feuern an "Afroamerikaner" denken und "Motherfucker" rufen.


Berlin - Das Video mit dem Titel "Bundeswehr Motherfucker" ist auf dem Videoportal myvideo.de zu finden. Es zeigt einen Ausbilder und einen Schützen am Maschinengewehr im Gebüsch. Der Soldat ist erkennbar ein Anfänger, er fragt, wo er das Gewehr anfassen soll. Zuerst gibt der Ausbilder den Befehl, der Soldat solle sich auf einen Flugplatz versetzen. Zwei Terroristen versuchten, ein Flugzeug zu kapern, er solle zwei Feuerstöße abgeben. Der Soldat feuert, der Vorgesetzte ist zufrieden: "Gut, Funker. Die Terroristen sind tot".

Dann schickt der Ausbilder den Soldaten auf einen Trip in die Bronx. "Ein schwarzer Van hält vor Ihnen. Drei Afroamerikaner steigen aus und beleidigen Ihre Mutter aufs Gröbste". Vor jedem Schuss wolle er ein deutliches "Motherfucker" hören, ruft der Ausbilder. Die Idee amüsiert den Soldaten, er muss lachen. "Motherfucker", Feuer, "Motherfucker", Feuer - immer lauter brüllt der Schütze, angespornt von seinem Vorgesetzten.

Entdeckt wurde das Video heute von Stern.de. Der Vorfall hat sich dem Nachrichtenportal zufolge bereits im Juli 2006 in einer Kaserne im schleswig-holsteinischen Rendsburg zugetragen. Ein Kasernensprecher bestätigte gegenüber stern.de, dass das Video echt sei. Soldaten hätten Filmchen untereinander ausgetauscht, einer habe im Januar Meldung erstattet. Der Ausbilder sei bereits versetzt worden.

Der Vorfall reiht sich ein in eine immer längere werdende Liste von Skandalen in der Bundeswehr. In Münster stehen derzeit mehrere Ausbilder vor Gericht, denen die Misshandlung von Rekruten vorgeworfen wird. Sie sollen an nachgestellten Geiselnahmen in der Kaserne Coesfeld beteiligt gewesen sein. Dabei wurden die Wehrpflichtigen laut Anklage mit Wasser bespritzt, geschlagen, getreten und mit Stromstößen gequält. Es handelt sich um einen der größten Strafprozesse in der Geschichte der Bundeswehr.

Zuvor hatte bereits die Totenkopf-Affäre den guten Ruf der Bundeswehr nachhaltig beschädigt. 2003 und 2004 hatten deutsche Soldaten in Afghanistan mit Totenköpfen posiert und sich dabei gegenseitig fotografiert. Nachdem die Fotos an die Öffentlichkeit gelangt waren, hatte Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung gesagt: "Wer sich so verhält, hat keinen Platz in der Bundeswehr". Doch entlassen wurde keiner der Beteiligten, es gab lediglich Disziplinarverfahren.

cvo/rtr



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