G36-Sondermission Bundeswehrsoldaten bekommen Nachhilfe am Problemgewehr

Das G36 lässt Ursula von der Leyen keine Ruhe. Nun schickt die Verteidigungsministerin einen General auf eine Sondermission zu den Bundeswehrsoldaten im Ausland: Er soll sie über die Tücken des Sturmgewehrs aufklären.

Verteidigungsministerin von der Leyen: Einer ihrer Generäle auf Kontrolltour von Asien bis nach Afrika
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Verteidigungsministerin von der Leyen: Einer ihrer Generäle auf Kontrolltour von Asien bis nach Afrika

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geht wegen der Präzisionsprobleme des Sturmgewehrs G36 lieber auf Nummer sicher: Sie ordnete Nachhilfestunden zum Gebrauch der Problemwaffe für die Bundeswehrsoldaten im Ausland an. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE schickte sie den Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann auf eine Kontrolltour durch die Einsatzgebiete - unter anderem nach Afghanistan, Mali und Somalia.

An den Einsatzorten der Bundeswehr soll der erfahrene Kommandeur der Infanterieschule Hammelburg mit einem kleinen Team von Schießausbildern und Munitionsexperten die Soldaten schulen. Mit der Entsendung des Offiziers will von der Leyen sicherstellen, dass die Soldaten ausreichend über die Probleme bei der Waffe des deutschen Herstellers Heckler & Koch im Bilde sind.

Nach einer umfangreichen Prüfung, die bei heiß geschossenen Waffen massive Präzisionsmängel ergab, hatte von der Leyen kürzlich die Ausmusterung oder eine Umrüstung der Waffe befohlen. Im Ministerium wird bereits geprüft, ob die Soldaten im Auslandseinsatz kurzfristig mit einer neuen Waffe ausgerüstet werden müssen.

General Hagemann soll an den Einsatzorten prüfen, dass jede Einheit über ausreichend Alternativwaffen wie das schwerere Sturmgewehr G3 verfügt. Schon vor Wochen hatte Generalinspekteuer Volker Wieker angeordnet, dass die deutschen Truppen für mögliche Gefechte mit einem sogenannten Waffen-Mix ausgestattet werden, um im Notfall weiter verteidigungsfähig zu sein.

Dauerfeuer nur gegen "überlegenen Feind"

Besonders in Afghanistan, Mali und Somalia erweist sich das G36 als anfällig, da sich Gewehrlauf und Visier bei starken Schwankungen der Außentemperatur verziehen und die Waffe deswegen oft neu justiert werden muss. Wiekers Weisung ist eine deutliche Warnung. "Nach dem Schießen im schnellen Einzelfeuer oder in kurzen Feuerstößen", schrieb der oberste Soldat der Bundeswehr, "ist ein präzises Bekämpfen von Zielen vorübergehend nicht mehr möglich".

Auch könne "eine Änderung der Umgebungstemperatur von 15 bis 20 Grad Celsius" Verluste bei der Präzision von bis zu zehn Zentimeter in alle Richtungen bewirken, heißt es in dem als Verschlusssache eingestuften Papier. Zwar bezeichnete Wieker das umstrittene G36 grundsätzlich als "betriebssicher". Dennoch riet er allen Soldaten, Dauerfeuer nur gegen einen "überraschend auftretenden und zahlenmäßig überlegenen Feind im Nahkampf" einzusetzen.

Mit der Nachhilfetour will von der Leyen sicherstellen, dass alle Soldaten die Handlungsanweisungen kennen und diese im Einsatz befolgt werden. Zwar drohen derzeit in keinem der Gebiete tägliche Gefechte. Für die Ministerin aber wäre es ein politischer Albtraum, wenn es doch zu einem Feuerkampf kommen würde - und sich herausstellt, dass die Soldaten nicht eingehend genug über das G36 unterrichtet wurden.

Als Berater der Soldaten soll Hagemann auch klären, heißt es im Verteidigungsministerium, ob es doch Hinweise auf Probleme mit dem G36 während des Einsatzes gibt. Bisher sind solche Klagen nicht bekannt: Bei einer eingerichteten Hotline meldeten sich lediglich rund 30 Anrufer, die jedoch keine neuen Erkenntnisse hatten oder sich nur genauer über die Probleme des G36 informieren wollten. Der General soll nun im Ausland prüfen, ob die Soldaten verunsichert sind.

Hagemanns Bericht soll auch zur Überprüfung benutzt werden, ob die Bundeswehr zeitnah eine Ersatzwaffe für das G36 für die Auslandsmissionen benötigt.


Zusammengefasst: Das Bundeswehr-Sturmgewehr G36, dessen Präzision in der Kritik steht, bereitet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen weiterhin Probleme. Um den Einsatz des Gewehrs im Ausland vorerst zu garantieren, reist Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann von Afghanistan nach Somalia, um Einsatzkräfte am G36 zu schulen.

insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 17.06.2015
1. Lach...
...so einen Mumpitz kann sich auch nur die BW leisten. Als ob die Soldaten nicht mit ihrem Gewehr umgehen können...oder etwa doch nicht?...wenn das stimmen würde kann man doch einfach die ganze Truppe entlassen und Milliarden an Geld sparen...ein Soldat der noch nicht mal mit seinem Gewehr schießen kann, taugt nichts...und ist total überflüssig.
tomxxx 17.06.2015
2. Das ist ja wohl ein Witz, oder?
Die Soldaten schulen? Die Frage ist doch, ob die Generäle geschult sind bzw. die Verteidigungspolitiker. Wenn das G36 so funktioniert, dann ist das so, d.h. aber auch, dass deutsche Soldaten im Einsatz in kürzester Zeit Luftunterstützung anfordern können müssen. Oder wollten das die Damen und Herren im Bundestag nicht wahrhaben (weil sowas nach Krieg aussieht)?
Leser161 17.06.2015
3. Ah
Da könnte man gleich ein ganzes Bildungspaket schnüren: - Man kann mit einem Panzer über Autos fahren. Gut fürs Material ist das aber nicht. - Man kann mit Kampfstiefeln durch Wasser laufen laufen. Gut fürs Material ist das aber nicht. - Man kann mit einem Sturmgewehr ballern wie Rambo. Gut fürs Material ist das aber nicht. - usw. Bleibt mir weg mit Politshow.
geando 17.06.2015
4. Problemlösung auf deutsche Behörden-Art
Das ist "Problemlösung" auf deutsche Behörden-Art. "Die Soldaten wurden umfassend über den neuen Umgang mit der Waffe instruiert". Damit geht die Verantwortung für Probleme im Einsatz von der Behörde auf den einzelnen Soldaten oder dessen Vorgesetzte über. Glückwunsch, Frau von der Leyen. So sichert man sich ab.
Dr. Kloebener 17.06.2015
5. Schießausbildung
Nach meiner Auffassung geht es bei dem Verhalten des Gewehr nicht allein um das Produkt an sich, sondern auch darum, wie es eingesetzt wird. Wenn die Soldaten ständig mit Dauerfeuer arbeiten, wie es uns ja im TV ständig vorgemacht wird, wird auch die beste Waffe früher oder später abweichende Streukreise bekommen. Insofern ist es richtig, den Fachmann für Schießausbildung zu entsenden.
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