Mängel bei der Bundeswehr Wehrbeauftragter warnt vor weiteren Auslandseinsätzen

Verteidigungsministerin von der Leyen fordert eine stärkere Beteiligung der Bundeswehr an internationalen Einsätzen. Doch der Wehrbeauftragte Königshaus warnt: Mit der derzeitigen Ausstattung sei das nicht machbar.

FDP-Politiker Königshaus: "Eine nicht hinnehmbare Überlastung für das verantwortliche Personal"
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FDP-Politiker Königshaus: "Eine nicht hinnehmbare Überlastung für das verantwortliche Personal"


Berlin - Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, fordert Konsequenzen aus der Pannenserie bei der Bundeswehr. "Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind mit der derzeitigen Ausstattung nicht weiter ausweitbar", sagte Königshaus im Bundestag.

Für eine Flugstunde mit dem Marine-Hubschrauber "Sea King" habe sich der durchschnittliche Instandhaltungsaufwand beispielsweise von 50 auf mittlerweile 120 Stunden erhöht. "Dies stellt eine nicht hinnehmbare Überlastung für das verantwortliche Personal dar", kritisierte der FDP-Politiker.

Dem RBB hatte Königshaus zuvor gesagt, dass die Bundeswehr in manchen Bereichen durchaus leistungsfähig sei. Aber beim Lufttransport oder beim Sanitätsdienst "haben wir einen derartigen Belastungsfaktor erreicht, dass wir nicht mehr zur Regeneration, und zwar übrigens auch des Personals in der Lage sind", so der Liberale.

Immer neue Mängel bei der Bundeswehr

Einerseits seien die Soldaten komplett überlastet, andererseits könne das Gerät kaum noch gewartet werden, kritisierte Königshaus weiter. Problematisch sei auch, dass die Mittel für die Beschaffung von Ersatzteilen deutlich heruntergefahren worden seien. Auch die Waffen der Bundeswehr seien inzwischen häufig überaltert.

Seit Wochen liegen regelmäßig neue Sachstände über Mängel in der Truppe auf dem Schreibtisch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Mal sind es nicht einsatzbereite "Eurofighter", mal haben die uralten Marinehubschrauber Risse. Und immer wieder gibt es Probleme, weil die ebenfalls betagten "Transall"-Flieger mit den Bedingungen in den Einsatzgebieten überfordert sind.

Bundeswehr - Einsatzbereitschaft der Waffensysteme (Auszug)

Waffensystem Gesamtbestand verfügbar einsatzbereit
Hubschrauber "Tiger" 31* 10 10
Hubschrauber 90 33* 8 8
Hubschrauber "Sea King" 21 15 3
Hubschrauber "Sea Lynx" 22 18 4
Hubschrauber CH 53 83 43 16
Flugzeug "Eurofighter" 109 74 42
Flugzeug "Tornado" 89 66 38
Korvette K130 5 2 2
U-Boot U212 4 1 1
Fregatten 11 8 7
Panzer "Marder" 406 280 280
Panzer "Boxer" 180 70 70

Gesamtbestand = alle angeschafften Einheiten
verfügbar = in Betrieb inkl. Systeme in Wartung/Instandsetzung
einsatzbereit = sofort für Einsatz/Übung/Ausbildung bereit

*inklusive Vorserienmodelle
Quelle: Bundeswehr

syd/dpa

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Seite 1
lonicerus 25.09.2014
1. Bei aller Liebe...
...wir geben heute so viel für unsere Verteidigung aus wie noch nie zuvor - mehr als 30 Mrd. Euro im Jahr, Tendenz steigend. Das ist sogar mehr als zu Zeiten des Kalten Krieges und da hatten wir bspw. noch ein Vielfaches an Kampfpanzern und sonstigem Gerät. In welchen dunklen Kanälen verschwindet denn all das Geld?
Nabob 25.09.2014
2. Welches Ministerium führt von der Leyen?
Warum ist sie nicht darüber informiert, mit welcher einsatzfähigen Ausstattung die Bundeswehr antreten könnte; das muss sie doch wissen, bevor sie sich in Großspurigkeit ohne substantielle Wissensgrundlagen ergeht. Sie wollte diese Tätigkeit mit Ausstiegsandrohungen ggü. der Merkel, so dass de Mazaire den Platz räumen musste. Damit hat sie auch für die Vergangenheitsfehler die volle Verantwortung übernommen; der kann sie sich jetzt nicht wie eine Angestellte einer Hotel-Reception entziehen. Was geschah mit dem Verteidigungsetat um ca. 30 Mrd EURO per anno der letzten Jahre, Frau von der Leyen?
herzblutdemokrat 25.09.2014
3. ???
Also sind gut 50% der aufgeführten Waffensysteme nicht einsatzfähig geschweige denn verfügbar? Gut das wir in Zentral Europa leben. Hypothetische Feinde müssen ja erst durch die anderen Staaten durch.
patrick6 25.09.2014
4. Absolut meine Meinung...
Zitat von lonicerus...wir geben heute so viel für unsere Verteidigung aus wie noch nie zuvor - mehr als 30 Mrd. Euro im Jahr, Tendenz steigend. Das ist sogar mehr als zu Zeiten des Kalten Krieges und da hatten wir bspw. noch ein Vielfaches an Kampfpanzern und sonstigem Gerät. In welchen dunklen Kanälen verschwindet denn all das Geld?
...und ich gehe auch noch weiter: Es wird definitiv Geld zweckentfremdet bzw. veruntreut. Es kann nicht angehen, dass dermassen viele Mrd. einfach sinnlos versickern. Es MUSS gewährleistet sein, dass wir eine funktionierende Armee/Luftwaffe/Marine haben. So ein paar Jäger90 (ach ja, Eurofighter, schuldigung) und Fregatten ohne Hubschrauber, eine Handvoll Panzer, kaputte, olle Transportflugzeuge... Man ist einfach sprachlos. Das KANN es nicht sein! Wie soll das denn weitergehen? Das ist ja nicht nur peinlich, das ist auch gefährlich.
loriot93 25.09.2014
5. Wo sind sie hin?
ich vermute, dass die Ministerien die Kohle hin und her schaufeln, immer dann wenn ein Ressor einen Überschuss erwirtschaftet wird der Sack schnell zugemacht. So wie geschildert können wir die Bundeswehr nirgend hinschicken. Wenn Frau vL Fernseher auf den Stuben der Instantsetzung der Flugzeuge und Hubschrauber vorzieht, dann hat sie noch nicht begriffen für was sie eigentlich zuständig ist. Es ist erschütternd und nur noch peinlich!
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