Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

"Wald der Erinnerung": Bundeswehr weiht neue Soldaten-Gedenkstätte ein

Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr bei Potsdam: Ein Ehrenhain der Gedenkstätte Zur Großansicht
DPA

Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr bei Potsdam: Ein Ehrenhain der Gedenkstätte

Bundespräsident Gauck und Verteidigungsministerin von der Leyen haben in Brandenburg eine neue Gedenkstätte der Bundeswehr eröffnet. Sie soll an die mehr als hundert Soldaten erinnern, die bei Auslandseinsätzen getötet wurden.

Geltow/Berlin - Auf einem Kasernengelände im brandenburgischen Schwielowsee bei Potsdam hat die Bundeswehr eine neue Gedenkstätte für im Dienst gestorbene Soldaten eingeweiht. Bundespräsident Joachim Gauck und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen legten im Beisein der etwa 650 Gäste - darunter auch Innenminister Thomas de Maizière - einen Kranz nieder.

Der sogenannte Wald der Erinnerung solle ein "Ort der Besinnung" sein, sagte von der Leyen. "Wir müssen uns immer wieder die Tragweite unserer Entscheidungen vor Augen führen. Der Soldat oder die Soldatin hat nicht die Wahl. Sie müssen gehen." Zwar könne kein Denkmal "je ein Trost sein für den Verlust geliebter Menschen". Wichtig sei aber, "dass wir nicht vergessen".

Gewidmet ist der Ort letztlich allen mehr als 3200 im Bundeswehrdienst verstorbenen Soldaten und zivilen Beschäftigten. Gestaltung und Lage tragen aber vor allem den Auslandseinsätzen der Truppe Rechnung. In der Henning-von-Tresckow-Kaserne sitzt das Einsatzführungskommando, das die Auslandseinsätze plant und leitet.

"Für viele Hinterbliebene ein besonderer Tag"

Kritik gab es im Vorfeld am abgelegenen Ort der Gedenkstätte gut 30 Kilometer Luftlinie vom Zentrum Berlins entfernt. So sagte der frühere Wehrbeauftragte Reinhold Robbe der "Bild"-Zeitung, der Standort sei "beschämend" und stehe für eine "verfehlte Gedenkkultur in Deutschland". Kriegsopfer würden weit weg von Berlin "versteckt".

Von der Leyen wies die Kritik zurück. "Schmerz und Trauer brauchen auch Geborgenheit", sagte sie bei der Einweihungsfeier, an der auch zahlreiche Hinterbliebene teilnahmen. Das Konzept des "Walds der Erinnerung" folge deren Wünschen. Es sei "gut, verschiedene Formen und verschiedene Orte des Gedenkens zu finden", sagte von der Leyen.

"Heute ist für viele Hinterbliebene ein besonderer Tag", sagte Tanja Menz, die ihren ältesten Sohn Konstantin verloren hat. Mit zwei Kameraden kam er im Februar 2011 bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben. "Auf kleinem Ort können wir hier eine weite Reise unternehmen", sagte sie.

Fünf Ehrenhaine zum Totengedenken

Der Bundeswehrverband erklärte, der "Wald der Erinnerung" sei "ein erster und richtiger Schritt". Zugleich forderte der Vorsitzende André Wüstner, der Bundestag solle frühere Überlegungen zu einem weiteren Gedenkort in Parlamentsnähe wieder aufnehmen, um "die notwendige Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft zu verbessern".

Bereits im Fall des im Jahr 2009 eingeweihten Ehrenmals für alle im Dienst gestorbenen Angehörigen der Parlamentsarmee auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums in Berlin hatte es Kritik an der Ortswahl gegeben. In Schwielowsee können Besucher nun tagsüber zum Kasernentor kommen, müssen dort aber ihren Ausweis hinterlegen und werden begleitet.

Auf sieben Stelen entlang eines etwa 150 Meter langen Wegs sind in dem Wald die Namen der bei Auslandseinsätzen gestorbenen Bundeswehrsoldaten zu lesen, insgesamt 104 seit dem Jahr 1992. Von ihnen wurden 37 in Gefechten getötet, davon wiederum 35 in Afghanistan.

Auf Lichtungen wurden fünf Ehrenhaine zum Totengedenken aus Bosnien und Afghanistan, darunter Kundus, rekonstruiert. Die Haine aus Prizren im Kosovo und dem afghanischen Masar-i-Scharif, wo die Bundeswehr noch im Einsatz ist, sollen folgen. Für im inländischen Dienst gestorbene Bundeswehrangehörige können an Bäumen Plaketten angebracht werden. Die Kosten für die Gedenkstätte lagen laut Bundeswehr bei knapp zwei Millionen Euro.

wit/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wenn wir uns nicht in die Poitik fremder Länder
NAL 15.11.2014
einmischen würden, wäre so eine Institution unnötig. Wir sollten zurück zur Politik der Nichteinmischung. Letztendlich haben die Einsätze die Länder nur weiter destabilisiert — oder war dass das Ziel. Ein Minister hat mal davon gesprochen, das wir unsere Rohstoffinteressen verteidigen und wurde dafür gefeuert.
2. Gute Ausrüstung und bessere Ehrung
Siegfried 15.11.2014
Die deutschen Soldaten im Auslandseinsatz, vor allem die in Afghanistan, waren lange Zeit schlecht ausgerüstet und sind es teilweise heute noch. Das ist eine der Hauptursachen für die Verluste. Lange gab es keine gepanzerten Fahrzeuge und schwere Waffen vor Ort. Auch heute werden z.B. kaum Panzer, wie der Leopard 2, eingesetzt, obwohl damit die BW eine der weltbesten Waffensysteme der Welt besitzt. Aber das"Bedrohungspotenzial" sei für Afghanen dann zu hoch. Also opfert man lieber Soldaten. Die Ehrenhaine sind als solche eigentlich nicht schlecht. Jedoch, weil recht abgelegen, werden sie von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Soll das sein möglicherweise so sein?
3. lediglich ein Kommentar (bisher) zu diesem Ehrenmal !
paulsen2012 15.11.2014
Hätte mir an dieser Stelle mehr fundierte Kommentare, wie den von @ NAL gewünscht. Die schlichte Gedenkstätte an einem stillen Ort in der Natur und nicht im Zentrum von Menschen, Verkehr etc.,also das Gegenteil von manch anderem monströsen "Denkmal" neuerer Zeit in Berlin, halte ich im Sinne der Hinterbliebenen und Trauernden für richtig. Allerdings scheinen mir die etlichen, merk- würdigen Holzkreuze etwas deplaziert. Als ehem. Soldat müßte ich mir vor Ort ein genaueres Urteil bilden.
4. Auch diese Gedenkstätte - vielleicht gerade diese-....
josho 15.11.2014
....sollte an die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges erinnern. In diesem Jahr jährt sich der 1. Weltkrieg zum einhundersten Mal. Kann mir jemand erklären, wofür die Männer dort - gleich welcher Nation - gestorben sind?
5. Nicht angemessen !
ecbert 15.11.2014
Ein Ehrenmal für im Ausland gestorbene Bundeswehrsoldaten muss am Bundestag stehen, schließlich wurden sie von dort in den Tod geschickt. Aber das Vergessen von für Deutschland gestorbene Soldaten hat leider Tradition. Wer besucht schon Gräber der für Deutschland gefallenen Soldaten ? Wer für Deutschland sein Leben gibt wird umgehend vergessen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: