Regierung in der Kritik Bundeswehrhubschrauber haben schwere technische Mängel

Nach den Problemen mit dem Sturmgewehr G36 werden nun auch Mängel beim Bundeswehrhubschrauber NH90 bekannt: SPIEGEL-Informationen zufolge ist der Einsatz des Helikopters bei einigen Missionen unmöglich. Grünen-Spitzenkandidat Trittin spricht von einem Skandal.

Transporthubschrauber NH90 der Bundeswehr: Mängel bei Funk, Navigation und Software
DPA

Transporthubschrauber NH90 der Bundeswehr: Mängel bei Funk, Navigation und Software


Berlin - Die Regierung gerät wegen technischer Probleme beim Bundeswehrhubschrauber NH90 in die Kritik: "Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung den Soldaten in Afghanistan immer noch nicht funktionsfähige Helikopter zum Verletztentransport zur Verfügung stellt", sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin. Der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels beklagt ein nicht funktionierendes "Prestigeprojekt".

Konkret geht es um Mängel des Transporthubschraubers bei Funk, Navigation und Software. Diese machen den Einsatz des Fluggeräts bei einigen Missionen unmöglich. Im Juni hatte das Geschwader in Masar-i-Scharif in einem Sachstandsbericht an das Einsatzführungskommando über die Probleme geklagt. Bis heute konnten diese nicht gelöst werden.

Insbesondere seien die Maschinen nicht mit Funkgeräten ausgerüstet, die verschlüsselte Kommunikation erlaubten. Solche Hubschrauber könnten aber nur eingeschränkt verwendet werden, schreibt das Einsatzgeschwader in dem Bericht.

Der NH90 soll vermehrt verwundete Soldaten retten, wenn die USA die Zahl ihrer Hubschrauber wie geplant reduzieren. Die Auslieferung der vier stationierten NH90-Hubschrauber hatte sich wegen technischer Probleme mehrfach verzögert. Bereits im Frühjahr hatte es Diskussionen um den modifiziert auch als Marinehubschrauber einsetzbaren NH90 gegeben, der bei den Seestreitkräften wegen begrenzter Fähigkeiten umstritten ist.

Probleme mit Gewehr G36

Nicht nur mit dem Hubschrauber, auch mit ihren Gewehren und Pistolen, die in Afghanistan im Einsatz sind, hat die Bundeswehr offenbar gravierende Probleme. Wie der SPIEGEL berichtete, attestiert die Bundeswehr dem Sturmgewehr G36 "erhebliche Mängel". Als Reaktion auf diesen Bericht wollen Mitglieder des Verteidigungsausschusses nun die Verantwortlichen aus dem Ministerium sowie Manager des Herstellers Heckler & Koch befragen.

SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sagte dem SPIEGEL: "Wir werden das Thema Handfeuerwaffen gleich in der ersten Sitzung des Verteidigungsausschusses auf die Tagesordnung setzen und Vertreter der Industrie und des Beschaffungsamts vorladen."

Die Politiker fühlen sich von der Regierung getäuscht. Im Januar dieses Jahres, als negative Testergebnisse zum G36 schon lange vorlagen, antwortete das Ministerium auf kritische Fragen von Parlamentariern noch, es gebe keine "unvorhersehbaren Eigenschaften und Effekte" beim G36. Dabei hatte ein Gutachten aus dem Sommer 2012 ernsthafte Probleme mit der Waffe beschrieben. "Das Ministerium sieht der Wirklichkeit nicht ins Auge, sondern redet die Probleme weg", sagte Arnold dem SPIEGEL.

Das Verteidigungsministerium sowie der Hersteller Heckler & Koch behaupten dagegen, das Gewehr erfülle seinen Einsatzzweck. Nur bei "nicht vorhergesehenem Dauerbeschuss" reduziere sich die Treffgenauigkeit. Das Verteidigungsministerium erklärte im SPIEGEL, dass auch für dieses Jahr vertraglich vereinbart sei, weitere 3770 G36-Gewehre zu beschaffen. Sie kosten 18,4 Millionen Euro.

Auch bei der Standardpistole P8, bei der bestimmte Bundeswehrmunition gefährlich hohen Gasdruck erzeugt, wollen die Politiker nachsetzen. Schon im Jahr 2006 hatte ein Beamter des Verteidigungsministeriums seine Vorgesetzten auf die gefährliche Munition aufmerksam gemacht.

Im Jahr 2011 wurde privaten Wachleuten der Gebrauch der Munition DM51 vom Verteidigungsministerium untersagt. Nicht so den deutschen Soldaten, die weiterhin mit den umstrittenen Patronen schießen. "Es kann nicht sein, dass diese Gefährdung noch immer nicht abgestellt ist", sagt der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour.

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insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
xxbigj 20.09.2013
1. optional
Und das wie vielte Themenfeld ist das jetzt wo die Regierung versagt hat??Ich kann nicht mehr mitzählen..
belzeebub1988 20.09.2013
2. ah
trittin meldet sich mal wieder...selber nie gedient und nur gegen das militär am hetzen. .nur wenn es ihm passt benutzt er unsere soldaten als wahlkampfthema ..und wenn der herr trittin mal n aua hat geht er ja bevorzugt ins bw krankenhaus.....
EchoRomeo 20.09.2013
3. Trittin spicht von einem Skandal?
Hat der überhaupt einen Plan was ein Skandal ist? Bevor er das Wirt wieder einmal in die Runde spuckt, sollte er wenigstens seine Damenriege fragen, ob er nicht besser Nuhrs Rat folgen sollte.
DMenakker 20.09.2013
4.
Technische Mängel an Militärgerät sind ein Skandal, über Pedo-Stories zu berichten aber moralischer Missbrauch. Schöne neue grüne Welt.
roedaelefanten 20.09.2013
5. Überall
wird einem doch nur noch 'Schrott' angeboten wie z.B. in der Unterhaltungselektronik. Warum soll das beim Militär anders sein?
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