Berlin - Es ist eine der grundlegendsten Veränderungen in der Geschichte der Bundeswehr: Das Kabinett hat die Aussetzung der 1957 eingeführten Wehrpflicht beschlossen - damit entfällt auch die Musterung. Der Schritt erfolgt jetzt sogar noch schneller als ursprünglich geplant: Bereits ab dem 1. März 2011 wird kein Wehrpflichtiger mehr gegen sein Willen zum Dienst bei der Bundeswehr eingezogen. Das sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Mittwoch im Bundestag. Ursprünglich war die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 geplant.
Die im Grundgesetz verankerte allgemeine Wehrpflicht bleibt jedoch grundsätzlich erhalten. Im Spannungs- oder Verteidigungsfall kommt die Pflicht zum Wehrdienst automatisch wieder.
Das Kabinett stellte auch die Weichen für eine drastische Verkleinerung der Truppe von rund 240.000 auf bis zu 185.000 Soldaten und brachte die nötigen Gesetzesänderungen auf den Weg. Der freiwillige Wehrdienst dauert zwischen zwölf und 23 Monaten. Neu ist eine sechsmonatige Probezeit, in der beide Seiten das Dienstverhältnis wieder kündigen können. Geplant sind bis zu 15.000 Freiwillige in den Streitkräften.
Anstelle des Zivildienstes soll es außerdem künftig einen Bundesfreiwilligendienst geben. Die Regierung will rund 35.000 Männern und Frauen pro Jahr die Möglichkeit zur gemeinnützigen Arbeit bieten. Der Dienst steht Männern und Frauen jeden Alters nach Abschluss des neunten Schuljahres offen. Der Einsatz soll in der Regel 12 Monate dauern, mindestens 6 und höchstens 24 Monate. Grundsätzlich ist eine Arbeit in Vollzeit vorgesehen, für Freiwillige über 27 Jahre ist aber auch Teilzeitarbeit von mindestens 20 Wochenstunden möglich.
Der Bund fördert die Freiwilligendienste künftig mit 350 Millionen Euro pro Jahr, davon 50 Millionen Euro aus der bisherigen Förderung der Jugendfreiwilligendienste und 300 Millionen Euro aus den Mitteln, die bislang für den Zivildienst zur Verfügung stehen.
Die Koalitionsrunde hatte bereits am vergangenen Donnerstag die Vorschläge von Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) für die Wehrreform gebilligt.
Offen ist, wann die Zahl von 185.000 Soldaten erreicht wird. Nach SPIEGEL-Informationen herrscht in der Regierung völlige Ratlosigkeit darüber, wie der Umbau der Bundeswehr und das damit verknüpfte Sparziel in Einklang gebracht werden sollen.
anr/dpa/dpapd
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