Bundeswehrwerbung Grüne wittern Deal mit "Bild"-Zeitung

Die Wehrpflicht wird abgeschafft, jetzt fehlt der Bundeswehr der Nachwuchs. Mit einer großen Kampagne will das Verteidigungsministerium nun um junge Soldaten werben - mit einem Schwerpunkt in "Bild", "BamS" und "Bild.de". Die Grünen werfen Guttenberg einen Deal mit der Springer-Presse vor.

DPA

Berlin - Das Verteidigungsministerium will dem drohenden Rekrutenmangel mit einer breit angelegten Werbekampagne für die Bundeswehr begegnen. Das Haus von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) teilte am Donnerstag in Berlin mit, dass die Aktion von März bis Dezember in Fernsehen, Radio, Print- und Onlinemedien laufen soll. So will die Bundeswehr Freiwillige für den Dienst in der Truppe werben, um die Lücken zu schließen, die durch das Ende der Wehrpflicht zu erwarten sind.

Die Kampagne soll in drei Phasen ablaufen und unterschiedliche Schwerpunkte haben, sagte ein Ministeriumssprecher. In der ersten Phase, die in Bayern zum Teil schon angelaufen sei, werde in überregionalen Fernseh- und Radiospots die Bundeswehr als Arbeitgeber vorgestellt. Das Motto: "Bundeswehrreform, Deine Chance."

Die zweite Phase beginnt im April. Dann will das Ministerium speziell über die Laufbahn von Mannschaftsdienstgraden informieren. Ziel ist es, freiwillige Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten für den Dienstantritt am 1. Juli gewinnen zu können. Schwerpunktmedien seien hier im Print- und Onlinebereich.

Dabei würden auf Empfehlung einer Agentur vor allem "Bild", "Bild am Sonntag" und "Bild.de" als Werbemedien genutzt, heißt es. Diese Medien seien für die Zielgruppe geeignet und hätten überregionale Verbreitung, begründete der Sprecher. Darüber hinaus würden aber auch in weiteren Print- und Onlinemedien Anzeigen geschaltet. Diese seien aber noch nicht vertraglich fixiert.

In der dritten Phase von Mai bis Dezember würden sich die Anzeigen auf regionale Verwendungsmöglichkeiten der Freiwilligen konzentrieren. Dafür wolle man sich an Radio-, Print- und Onlinemedien wenden, die eben diesen regionale Aspekt bedienten. Über die Kosten der Kampagne wurde zunächst nichts bekannt.

Trittin sieht "Bild"-Konstante bei Guttenberg

Wegen des besonderen Werbeschwerpunkts auf "Bild", "Bild am Sonntag" und "Bild.de" unterstellte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Donnerstag im Bundestag einen "schmutzigen Deal" mit den Springer-Medien vor. Trittin wittert dahinter System: Es sei eine "Konstante" im politischen Wirken Guttenbergs, immer darauf zu achten, von diesen Medien unterstützt zu werden.

Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen den Medien der " Bild"-Gruppe und Guttenberg ein besonderes. Gerade die "Bild"-Zeitung hat den Verteidigungsminister stets offensiv unterstützt, wenn dieser unter Druck geriet. "Wir finden die GUTT!", titelte das Boulevardblatt kurz vor Weihnachten, als der Minister wegen seines gemeinsamen Besuchs mit seiner Frau Stephanie bei der Truppe in Afghanistan in der Kritik stand.

Auch jetzt, in der Plagiatsaffäre, hält ihm die "Bild" die Treue. An diesem Donnerstag veröffentlichte die Zeitung auf Seite eins das Ergebnis des großen "Guttenberg-Entscheids": 87 Prozent der Leser hätten sich dafür ausgesprochen, dass der Minister im Amt bleibt. Mehr als 260.000 hätten an der kostenpflichtigen Telefon- und Fax-Abstimmung teilgenommen. Die Online-Umfrage auf "Bild.de" ergibt ein völlig anderes Stimmungsbild, hier sind mehr als 50 Prozent für einen Rücktritt Guttenbergs.

Der Sprecher des Medienkonzerns Axel Springer, Tobias Fröhlich, wies am Donnerstag die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Werbekampagne der Bundeswehr strikt zurück. "Die Redaktion hat erst heute aus den Medien von der Anzeigenkampagne erfahren." Anzeigenbereich und Redaktion arbeiteten bei dem Konzern streng getrennt.

"Einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Berichterstattung über Minister zu Guttenberg und den Werbemaßnahmen der Bundeswehr herzustellen ist absurd und lächerlich", sagte Fröhlich. Die von der Bundeswehr beauftragte Agentur sei bereits Ende vergangenen Jahres mit dem Vermarktungsbereich von Axel Springer in Kontakt getreten.

Votes zu Guttenberg

Guttenberg soll zurücktreten* Guttenberg soll bleiben* weiß nicht/egal*
sueddeutsche.de 81 19
FAZ.net 74 26
Tagesspiegel.de 74 26
Spiegel.de 70 25 5
Abendblatt.de 69 31
RTL.de 65 35
Focus.de 64 36
WDR 60 40
Bild.de 55 36
Brigitte.de 55 39 5
Radio Köln 53 39 9
SWR3.de 45 55
Infratest dimap (für "Hart aber fair") 24 72
Bild (Fax-Umfrage) 13 87

Stichprobe am 24.2.2011 um 15 Uhr
* in Prozent

phw/dpa

Forum - Kann Karl-Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister bleiben?
insgesamt 12043 Beiträge
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Seite 1
mischli 19.02.2011
1. Wie dreinst Uwe Barschel
Guttenberg hat gelogen, was seine Augen in den entscheidenden Passagen gestern verraten haben. Ich fühlte mich sehr schnell an Uwe Barschel erinnert und gestern war das 'Ehrenwort' das einzige, was noch gefehlt hat. Und dies an einem Tag mit drei toten deutschen Soldaten in Afghanistan! Jeder weitere Tag im Amt ist eine Schande!
Wertkonservativliberaler 19.02.2011
2. Nein, er muss zurücktreten.
Nein, Guttenberg muss zurücktreten. Er ist als Verteidigungsminister oberster Dienstherr aller Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr und entscheidet über diese bei Dienstvergehen. Er selbst plagiiert seine Doktorarbeit, gibt bei der Abgabe seiner Doktorarbeit vor der Promotionskommission der Uni Bayreuth eine falsche ehrenwörtliche Erklärung ab, bezeichnet nach Bekanntwerden des Plagiats dies als "abstrus" (Mittwoch, 16.02.) und hält an seiner Version nicht getäuscht zu haben weiterhin fest (Freitag, 18.02.). Wie soll so ein Mann von seinen Dienstuntergebenen noch Ernst genommen werden? Und von CDU-Wählern wie mir, die es mit dem "Konservativ-Sein" tatsächlich genau nehmen. Ich will keine "Blender" in Regierungsverantwortung!
gambio 19.02.2011
3. Natürlich nicht
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Wer klaut, lügt, betrügt, fälscht und unterschlägt hat keinen Anspruch auf ein öffentliches Amt.
Gesine Ungefragt, 19.02.2011
4.
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Für mich ist da nur ein Aspekt ausschlaggebend: Guttenberg ist augenblicklich Chef zweier Bundeswehrhochschulen. Das darf er auf keinen Fall bleiben.
mike stevens 19.02.2011
5. Deutsche wollen Guttenberg behalten
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Der Focus ist sagt die Wahrheit voraus, lasst den armen KT im Amt, sonst muss er nen Psychiater, womöglich mit Doktortitel aus Beyreuth, aufsuchen, könnt ihr das vertreten, von was soll er dann Leben, von Luft und Sabine, Hatz4 zahlt bestimmt nicht das Gel zum gleiten auf dem Scheitel.
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