Streit um Schlecker-Hilfen: Kanzlerin stellt sich hinter FDP-Manöver
Wegen ihrer Blockade bei der Schlecker-Hilfe muss die FDP harsche Kritik einstecken. Jetzt mischt sich die Kanzlerin ein - und stellt sich demonstrativ an die Seite der Liberalen: Gegen eine Auffanggesellschaft sprechen laut Angela Merkel sehr gute Gründe.
Berlin - Es hagelt Kritik gegen die FDP wegen deren Haltung im Fall Schlecker - doch die Bundeskanzlerin steht an der Seite ihres Koalitionspartners: Angela Merkel (CDU) sieht das Vorgehen der Liberalen positiv, die eine Auffanggesellschaft für die entlassenen Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker verhindert haben.
"Es gibt Gründe für eine Transfergesellschaft und es gibt sehr gute Gründe dagegen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert an diesem Freitag in Berlin. "Eine Transfergesellschaft ist ein Mittel aus einer anderen beschäftigungspolitischen Zeit." Sie gehöre in die Phase der Massenarbeitslosigkeit. "Heute sind wir in einer Zeit kundenorientierter Arbeitsagenturen." Es gebe eine sehr starke Nachfrage nach Arbeitskräften gerade im Dienstleistungssektor.
Am Morgen waren harsche Reaktionen aus der ganzen Republik gegen die FDP-Linie laut geworden. Unter SPIEGEL-ONLINE-Lesern sind die Reaktionen dagegen ausgewogen.
Am Donnerstag war die FDP von CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer sehr heftig dafür kritisiert worden, dass sie eine Auffanggesellschaft für 11.000 von der Entlassung betroffene Schlecker-Mitarbeiter ablehnt. Die Schlecker-Transfergesellschaft war am Donnerstag gescheitert, weil drei Länder mit FDP-Wirtschaftsministerium - Sachsen, Niedersachsen und Bayern - nicht bereit waren, sich an einer Kreditbürgschaft zu beteiligen. Den betroffenen Schlecker-Mitarbeiterinnen droht nun die Arbeitslosigkeit.
FDP-Chef Philipp Rösler hatte am Donnerstag die grün-rote Landesregierung in Stuttgart angegriffen. Sie habe "gegen jeden Hinweis des Bundeswirtschaftsministeriums und der Länderministerien" und gegen "jeden guten Rat" den Versuch unternommen, eine Transfergesellschaft auf den Weg zu bringen. Damit sei vor allem Zeit "verplempert" worden. Die Beschäftigten müssten jetzt schnellstmöglich "Anschlussverwendungen" suchen - eine Äußerung, die Rösler von der Opposition der Vorwurf der sozialen Kälte einbrachte.
Wahrscheinlichkeit einer Wiederbeschäftigung gegeben
Seibert betonte, dass Rösler am Donnerstag in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsminister - und damit als zuständiges Mitglied der Bundesregierung gesprochen habe, als er staatlicher Unterstützung bei der Gründung einer Transfergesellschaft eine Absage erteilte. Mit Blick auf die unterschiedlichen Haltungen von Rösler und Seehofer sagte der Sprecher: "Sie brauchen sich um das Emotionale in der Bundesregierung gar keine Sorgen zu machen. Unterschiedliche Meinungen eines Ministerpräsidenten und Vorsitzenden einer Partei zum Vizekanzler sind ja möglich, kommen vor, müssen nicht gleich zu emotionaler Belastung führen."
Für die Kanzlerin sei es jetzt wichtig, dass der Blick nach vorne gehe und alles getan werde, damit die Menschen rasch neue Arbeit fänden, sagte Seibert. Die heutigen Arbeitsagenturen böten indessen an den individuellen Anforderungen ausgerichtete Unterstützung an. Da sich die arbeitssuchenden ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter bundesweit verteilen, dürfte keine Arbeitsagentur mit der Nachfrage überfordert sein. Daher sei die Wahrscheinlichkeit einer Wiederbeschäftigung gegeben. Ohnehin sei dies aber ein Thema der Bundesländer.
Streit in Bayern
Die Schlecker-Blockade sorgte auch am Freitag weiter für Ärger in der schwarz-gelben Regierungskoalition in Bayern: CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid kritisierte in München, dass die Auffanglösung an einer "ordoliberalen Maximalposition" der FDP gescheitert sei.
Dabei griff Schmid auch den bayerischen FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil an, dem er indirekt vorwarf, nichts für eine konstruktive Lösung getan zu haben. Natürlich wäre es wichtig und richtig gewesen, dass sich alle Bundesländer an einer Lösung beteiligen, sagte Schmid mit Verweis auf einen entsprechenden Beschluss des bayerischen Kabinetts. "Aber statt auf die ablehnende Haltung einiger norddeutscher FDP-Wirtschaftsminister zu verweisen, hätte man auch eindringlich bei seinen Kollegen um Zustimmung werben können."
FDP-Vize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verwahrte sich gegen Kritik am Kurs der Liberalen. Die Bundesjustizministerin mahnte am Freitag: "Wir wollen ordentliche Beschäftigungsverhältnisse für die Schlecker-Beschäftigten und keine Scheinlösungen." Es helfe den Betroffenen nicht, "wenn ihnen aus wahltaktischen Gründen Versprechen gegeben werden". Außerdem könne für eine Drogerie mit 4000 Filialen "nichts anderes gelten als für den Einzelhändler an der Ecke".
heb/fab/dpa/AFP/Reuters/dapd
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