Bush in Berlin Wasserwerfereinsatz gegen Demonstranten

Nach einer gewaltfreien Demonstration von rund 20.000 Teilnehmern gegen die Politik von US-Präsident Bush kam es am späten Mittwochabend in Berlin zu Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten. Mit Wasserwerfern trieb die Polizei Teilnehmer auseinander. Daraufhin gingen mehrere Schaufenster zu Bruch.

Von Holger Kulick


Als die Demonstration noch friedlich verlief....
DPA

Als die Demonstration noch friedlich verlief....

Berlin - Die zumeist jugendlichen Teilnehmer hatten sich zuvor geweigert, auf Anordnung der Polizei den Bereich des Berliner Lustgartens zu verlassen. Dort hatten sie sich weitgehend friedlich zu Füßen des Berliner Doms niedergelassen und zum Teil getrommelt. Das wertete die Polizei in Durchsagen als "Ordnungswidrigkeit von elementarer Bedeutung für die Allgemeinheit". Ursprünglich war hier bis 24Uhr eine Veranstaltung mit dem Motto "Bush-Trommeln für den Frieden" angemeldet. Ohne die Mitternachtsstunde abzuwarten, trieben die Beamten die Teilnehmer in Richtung Alexanderplatz ab, wo vereinzelte Schaufenster eines Kaufhauses und mehrerer Geschäfte zu Bruch gingen. Krawalle, wie es sie etwa am 1. Mai gegeben hatte, blieben aber aus.

Zuvor hatten sich etwa 20.000 Menschen zu Protestaktionen gegen die Militärpolitik der USA beteiligt. Zeitweise gab es Rangeleien mit der Polizei, vereinzelt wurden Steine und Flaschen auf die Beamten geschleudert, die den Weg Richtung Brandenburger Tor lückenlos blockierten. Eine kleine Gruppe Autonomer entzündete eine amerikanische Flagge. Von den den eingesetzten Polizeikräften wurde auch die Bewegungsfreiheit von akkreditierten Journalisten erheblich eingeschränkt. Ein Reporter von SPIEGEL TV wurde durch Schläge eines Polizisten leicht an der Schläfe verletzt.

Bush seit 20.12 Uhr in Berlin

Bush war um 20.12 Uhr mit der Präsidentenmaschine "Air Force One" auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel gelandet und dann durch den Stadtteil Moabit zum Brandenburger Tor gefahren. Dort wurde er von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßt, der ihm kurz den ehemaligen Verlauf der Mauer erläuterte.

An diesem Donnerstag will Bush eine Grundsatzrede vor dem Bundestag halten. Laut Außenminister Colin Powell sollen bei Bushs Gesprächen mit dem Bundeskanzler auch die Staaten angesprochen werden, die Massenvernichtungsmittel herstellen. Ganz sicher gehöre auch der Irak dazu, meinte Powell nach seiner Landung auf dem Flughafen Tegel. Bis zu Bushs Weiterflug am Nachmittag nach Moskau bleiben große Teile der Innenstadt von Berlin-Mitte für Passanten gesperrt - in einem Ausmaß, wie es das wiedervereinigte Berlin noch nicht erlebt hat. Sogar der S-Bahnverkehr am zentralen Bahnhof Friedrichstraße wurde am Abend eingestellt.

Lesen Sie hierzu auch eine ausführliche Reportage.



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