Cannabis-Diskussion: Kiffer-Clubs? Nein danke!

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"Weg von der Verteufelung", hin zu legalem Genuss: Die Linke heizt mit ihren Forderungen nach der Entkriminalisierung von Cannabis die Drogen-Debatte neu ein. Sie will Clubs, in denen Kiffer Marihuana anbauen und konsumieren dürfen - und kann damit nicht einmal die Grünen überzeugen.

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Cannabis-Pflanzen: Linke will bundesweit Kiffer-Vereine gründen

Berlin - "Ich träume ja von der Schwarzer-Afghane-Deluxe-Bio-Edition bei Aldi im Sonderangebot", schreibt ein User bei Twitter. Dort hat es das Thema Cannabis in den Trends weit nach oben geschafft und die Gedanken manch eines Kiffers beflügelt.

Allerdings geht diese Aldi-Vorstellung selbst der Linkspartei zu weit, obwohl diese nun sogar Kiffen in Cannabis-Clubs legalisieren will. "Zu kommerziell" findet Frank Tempel, der drogenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, auch Vorschläge etwa der Grünen, "Gras" in Drogenfachgeschäften zu verkaufen.

Tempel hat eine andere Idee: Er will bundesweit Einrichtungen schaffen, um dort "den Eigenanbau delegieren zu können", so wie es in Spanien und Belgien schon länger üblich ist. Wer kiffen will, soll in einen örtlichen Club gehen und sich dort so viel Dope geben lassen, wie er braucht. Der Preis dafür: ein "kostendeckendes" Entgelt, wie es in Tempels vierseitigen Antrag heißt, der am Mittwoch von Experten im Bundestag diskutiert wurde. Gewinne sollen die Clubs nicht machen, so der Linken-Politiker.

Die Einrichtungen sollen als eingetragene Vereine arbeiten - quasi als Hobbygärten, Rauscheffekte inklusive. Wer mag, könne sich im Club noch über den richtigen Anbau von Cannabis und den "verantwortungsvollen Einsatz von Düngemitteln" beraten lassen. Zutritt erhalten nach Tempels Club-Modell nur "namentlich bekannte, volljährige Mitglieder". Und für Konsumenten soll "der Besitz von bis zu 30 Gramm" getrocknetem Cannabis straffrei werden, bisher sind es in den meisten Bundesländern sechs bis 15 Gramm.

Ähnliche Petition des Deutsche Hanfverbands

So will Tempel endlich "weg von der Verteufelung" von Cannabis kommen, das wie Alkohol und Tabak eine "gesellschaftliche Alltagserscheinung" sei, aber eben eine illegale, so der Linken-Politiker. Denn dreieinhalb bis vier Millionen Menschen in Deutschland würden die Droge konsumieren.

Auffällig ist beim Rausch-Konzept der Linken, dass der Deutsche Hanfverband 2010 eine Petition mit ähnlichen Ideen startete, die nach Angaben des Bundestags über 21.000 Menschen unterschrieben. Tempel spricht dagegen von einem "parallelen Vorgang", der Verband aber von einem Linken-Antrag, der "in großen Teilen" auf seiner Initiative basiere.

Immer gleichen Argumente

Mit der Empörung, die sein Cannabis-Club-Vorschlag vor allem in der Union und Teilen der FDP auslöst, hat der Politiker gerechnet. Zu sehr verhärtet seien die Lager der Gegner und Befürworter der Cannabis-Legalisierung. Eine "Aufmunterung zum Drogenkonsum" sei der Linken-Vorschlag und verharmlose "die erhebliche Gefahr, die von diesen Drogen ausgeht", schimpft beispielsweise die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU).

Tatsächlich sind es die immer gleichen Argumente, die Gegner und Befürworter von Cannabis benutzen - und die solche Offensiven provozieren: Die eine Seite wirft der anderen vor, das Suchtpotenzial oder die Wirkung der Droge zu unter- oder zu überschätzen. So war es auch am Mittwoch bei der Experten-Anhörung im Bundestag, die ohne große Überraschungen verlief.

Die Drogen-Legalisierung ist ein Dauer-Themen der Linken. Tempel hatte bereits beim Erfurter Parteitag im Oktober für Aufsehen gesorgt: Er brachte seinen Antrag durch, in dem er die Legalisierung harter Drogen forderte. Anschließend musste Parteichef Klaus Ernst für eine Entschärfung sorgen. Und auch in Nordrhein-Westfalen sorgte die Linke 2009 für Schlagzeilen, als sie im Wahlkampf ein "Recht auf Rausch" und die Freigabe aller Drogen verlangte, allerdings dies nach Protesten wieder unterließ.

Tempel beteuert, selbst nie etwas geraucht zu haben. Er sei Nichtraucher und auch "kein Keksfan". Er habe aber drei Jahre in einer mobilen Rauschgiftbekämpfungsgruppe in Thüringen gearbeitet, sagt der ehemalige Kriminalbeamter. Einen Cannabis-Club besucht habe er nie, gibt er zu. Dies wolle er nur einmal machen, wenn er mal in Spanien "so oder so auf Dienstreise" sei.

"Gebt das Hanf frei"

Eine liberalere Drogenpolitik beanspruchen allerdings auch andere Parteien für sich: Die Grünen sind schon lange für eine Legalisierung von Cannabis, auch die Jungliberalen sprachen sich bereits dafür aus. Vor Jahren sorgte der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele mit seinem Satz: "Gebt das Hanf frei" für Aufregung. Deshalb sagt der grüne Gesundheitspolitiker Harald Terpe, die Linken hätten mit ihrem Antrag nur "einen Akzent" in der Debatte gesetzt. Er betont, als es um die Frage geht, ob die Grünen den Forderungen der Linken nicht sehr nah lägen: "Sie haben sich uns deutlich genähert."

Die von den Linken vorgeschlagenen Cannabis-Clubs lehnt Terpe ab. Sie sind ihm zu "exklusiv", damit habe man es nicht so bei den Grünen: "Es kommt ja auch keiner auf die Idee, Menschen, die Alkohol trinken, zu registrieren." Außerdem fehle es ihm an einem Präventionsansatz.

Auch die SPD lehnt die Idee von Kiffer-Clubs ab. Denn das sei dann eine Anbau-Möglichkeit für Konsumenten, die "keinen Balkon oder Garten haben", sagt die Drogenbeauftragte der SPD-Fraktion, Angelika Graf. Sie verweist auf das Suchtpotenzial von Cannabis und will nur etwas "im Bereich des Eigenkonsums tun." Es müsse bundesweit eine einheitliche Höchstmenge für den straffreien Besitz geben. Unzählige Verfahren würden am Ende eh eingestellt - eine Beobachtung, die auch Linke und Grüne immer wieder anführen.

Merkel enttäuscht Kiffer

Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass es weder Clubs, Shops, noch neue Höchstgrenzen bei Cannabis in dieser Legislaturperiode geben wird, denn die schwarz-gelbe Mehrheit lehnt alle drei Vorschläge ab. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Kiffer schon im November in einem Bürgerinterview auf dem YouTube-Kanal der Bundesregierung enttäuscht, als sie klar machte, mit ihr werde es keine Legalisierung geben. "Wir halten die Nebenwirkungen von Cannabis für so gefährlich, dass man das nicht tun sollte", sagte Merkel.

Ein User bei Twitter stellte die Frage, wo denn die Experten-Anhörung im Bundestag übertragen werde - und gab sich selbst die Antwort: auf dem "Comedy-Kanal".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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1. Fdp
Hamberliner 25.01.2012
Zitat von sysop... Empörung, die sein Cannabis-Club-Vorschlag vor allem in der Union und Teilen der FDP auslöst ... Cannabis-Diskussion: Kiffer-Clubs? Nein danke! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811299,00.html)
Soso. Und die FDP hält sich für liberal.
2. Argumente...
Spreeufer 25.01.2012
Zitat von sysop"Weg von der Verteufelung", hin zu legalem Genuss: Die Linke heizt mit*ihren Forderungen nach der Entkriminalisierung von Cannabis die Drogen-Debatte neu ein. Sie*will Clubs, in denen Kiffer Marihuana anbauen und konsumieren dürfen - und kann damit nicht einmal die Grünen überzeugen. Cannabis-Diskussion: Kiffer-Clubs? Nein danke! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811299,00.html)
...die Argumente für eine Legalisierung sind hinreichend bekannt. Entweder man legalisiert das Kraut und/oder erlaubt Personen Privat bis zu 5 Pflanzen wie in den Niederlanden anzubauen oder man lässt es weiterhin zu, dass kriminelle Organisationen, sei es Großfamilien oder Rocker, den Markt dominieren, daraus Profit schlagen und ihre Macht vergrößern. Dazu noch das Zeug strecken und man es in Kauf nimmt, das Konsumenten evtl. eine Bleivergiftung erleiden. Eine Pflanze zu kriminalisieren ist absolut irrational. Vor allem sollte man endlich auch über den wirtschaftlichen Vorteil von Nutzhanf nachdenken. Diese ist eine gute Alternative zu Baumwolle und sollte auch in der Textilindustrie ausgeweitet werden. Aber klar. Solange alte Kerle ihren Suff weiter fröhnen, darf ich Jugendlicher mich als Krimineller fühlen, weil ich gelegentlich eine Tüte rauchen will. Und man komme mir bitte nicht mit den Nebenwirkungen. Diese sind bei Alkohol wesentlich stärker. Es gibt bereits 1.2 Millionen Alkoholabhängige und der Entzug von Alkohol kann tödlich enden. Das nicht jeder gewisse Substanzen verträgt ist klar. Ich vertrage auch Alkohol nicht sonderlich gut und lasse die Finger davon, dennoch würde ich hier ein Verbot nicht erzwingen wollen. Bitte bisschen mehr Ratio. Ach ja und als letztes: der Kostenfaktor. Anstatt mehrere hunderttausend Strafverfahren und unnötige Aktenarbeit jedes Jahr einzuleiten, sollte man die Gelder an Hand der Besteuerung, entweder in realer effektiver Polizeiarbeit oder in die Aufklärung investieren. Es ist viel Geld in diesem Geschäft.
3.
dent42 25.01.2012
Auf konservativer Seite findet man bei CDU/FDP und SPD natürlich immer die gleichen überholten, unsinnigen und widerlegten Argumente, die man dort schon immer in der Schublade hatte. Selbst in den USA sind seit kurzem mehr als 50% der Bevölkerung für eine Legalisierung von Cannabis, nur hierzulande ist man geistig unbeweglich wie eine deutsche Eiche.
4. Balkon ist ein Grundrecht
Bono Beau 25.01.2012
Zitat von sysopAuch die SPD lehnt die Idee von Kiffer-Clubs ab. Denn das sei dann eine Anbau-Möglichkeit für Konsumenten, die "keinen Balkon oder Garten haben", sagt die Drogenbeauftragte der SPD-Fraktion, Angelika Graf. Sie verweist auf das Suchtpotenzial von Cannabis ...." Cannabis-Diskussion: Kiffer-Clubs? Nein danke! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811299,00.html)
Liebe SPD, sie haben ja recht - wo kämen wir hin, wenn jeder Hansfranz MIT OHNE BALKON UND GARTEN jetzt Marihuana züchten könnte! Kleiner Tipp: ich hatte vor 30 Jahren eine 5-Lampen-Plantage in einem winzigen Zimmer mit Schiebetür zu meinem Bett - war ein gutes Jahr! Aber keinen Balkon! Klar - das ging gar nicht. .... Und dann auch noch das Suchtpotenzial, das gute, alte.... Nichts hab' ich leichter lassen können als die Kifferei - nach dreissig Jahren. Es gibt kein stoffliches Suchtpotential bei Cannabis. Aber Methadon! Doppelt so potent als Heroin, was die stoffliche Sucht angeht. Verschafft aber den Methadonärzten ein wunderbares Einkommen - die Klienten bleiben schön lange. Es ist zum Verzweifeln, wie kenntnissfrei argumentiert wird. Zum Auswandern ist das..... nach Balkonien natürlich.
5. Getretene Hunde,
ronald1952 25.01.2012
Zitat von sysop"Weg von der Verteufelung", hin zu legalem Genuss: Die Linke heizt mit*ihren Forderungen nach der Entkriminalisierung von Cannabis die Drogen-Debatte neu ein. Sie*will Clubs, in denen Kiffer Marihuana anbauen und konsumieren dürfen - und kann damit nicht einmal die Grünen überzeugen. Cannabis-Diskussion: Kiffer-Clubs? Nein danke! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811299,00.html)
da heulen Sie wieder, die Pseudo-Moralisten der Nation.Schon lange hätte man Drogen wie Cannabis freigeben müssen.Die Frage die sich auftut ist, wer Profitiert davon?Ich habe schon von jeder menge Alkohol-Toten und raucher-toten durch Lungenkrebs gehört. Aber noch nie davon, daß jemand an Canabis in Maßen genossen gestorben wäre.Also, wo liegt eigendlich das Problem?Wahrscheinlich ist es vielen lieber,daß diese Menschen Kriminalisert werden und das Cannabis da Illegal sehr teuer kaufen müssen. Wäre es Legal,so würden einige Drogenhändler verschwinden, wenn auch nicht alle. schönen Tag noch.
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