Cannabis für Schwerkranke CSU-Politikerin Hasselfeldt schwenkt um

Die CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt ist von ihrem strikten Nein zum Cannabis-Konsum für Schwerkranke abgerückt. Für Schmerzpatienten hält sie die Einnahme der Droge nun doch für erwägenswert.

CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt: Ihr Nein zum Hanf revidiert
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CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt: Ihr Nein zum Hanf revidiert


Berlin - Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, hat ihr Nein zum Cannabis-Konsum für Schwerkranke revidiert. Grundsätzlich sei sie für das Verbot der Cannabis-Einnahme - zur Behandlung von Schmerzpatienten sei dies aber doch überlegenswert, sagte Hasselfeldt am Dienstag in Berlin.

Sie hatte sich in der Vergangenheit strikt dagegen ausgesprochen. Nun sagte die CSU-Politikerin, in manchen Fällen sei die Droge geeignet, die Lage der Betroffenen zu verbessern. Ob Cannabis für Schwerkranke zur Kassenleistung gemacht werden sollte - wie es die Drogenbeauftragte der Regierung, die CSU-Politikerin Marlene Mortler, vorschlägt -, müssten zunächst die Fachgremien bewerten, sagte Hasselfeldt.

Auch der Politik-Plattform Abgeordnetenwatch hatte die CSU-Politikerin einst ausführlicher erklärt, warum sie eine Öffnung der Drogenpolitik ablehnt. "Für mich kommt eine Legalisierung von Cannabis nicht in Betracht", schrieb sie dort vor etwa einem Jahr.

Hasselfeldt machte damals deutlich, dass sie auch im medizinischen Bereich Hanfkonsum ablehne. "Trotz der Tatsache, dass viele Kulturen im Verlauf der Geschichte Cannabis als Heilpflanze eingesetzt haben, halte ich eine Liberalisierung aufgrund heutiger medizinischer Erkenntnisse drogenpolitisch für nicht verantwortungsvoll."

Am Dienstag erklärte Hasselfeldt, ihre Haltung habe sich geändert. Sie habe sich im Laufe des vergangenen Jahres "überzeugen lassen", dass es Ausnahmen für Schmerzpatienten geben könne.

Gesetz könnte noch 2015 kommen

In Deutschland ist der Anbau und Besitz von Hanf illegal. Derzeit können chronisch kranke Schmerzpatienten, die Cannabis zur Linderung brauchen, aufgrund der geltenden Gesetzeslage ins Visier von Ermittlern geraten. Die Cannabis-Präparate in den Apotheken sind teuer. Die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Nun könnte die Bundesregierung schwerkranken Schmerzpatienten den Cannabis-Konsum zu Therapiezwecken erleichtern. Noch 2015 solle ein Gesetz dazu vorgelegt werden. Mortler zufolge sollen die Krankenkassen für die betreffenden Patienten künftig die Kosten übernehmen.

Die Drogenbeauftragte Mortler hatte in der Zeitung "Die Welt" gesagt: "Mein Ziel ist, dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können." Eine generelle Freigabe von Hanf lehnt Mortler ab.

Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen, bei Rheuma und gegen spastische Lähmungen und Krämpfe bei Multipler Sklerose eingesetzt. Die Kassen zahlen bislang nur in Einzelfällen, etwa bei MS-Patienten. In der Regel müssen Patienten für das Cannabis monatlich mehrere Hundert Euro zahlen.

Das Verwaltungsgericht Köln hatte im vergangenen Juli drei Schmerzpatienten den privaten Cannabis-Anbau zu Therapiezwecken gestattet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ler/amz/dpa/AFP



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heinz.murken 03.02.2015
1. im Lauf des Jahres überzeugt
so lang ist das Jahr doch noch gar nicht! Aber ich gehe mal davon aus, daß Frau Hasselfeldt das letzte Jahr meinte. Ansonsten hätte ein kurzer Monat ausgereicht ihre strikte Ablehnung zu erschüttern
BettyB. 03.02.2015
2. Klar doch...
Für Hasselfeldt ist es besser, Menschen auch in hohem Alter an starken Schmerzen leiden zu lassen, als sie durch eine Abhängigkeit zu gefährden. Deshalb kein Cannabis, kein Morphium, ja am besten auch keine anderen Schmerzmittel. Hasselfeldt weiß warum...
jandokar 03.02.2015
3. Sie wird älter
Ich bin zwar nur indirekt betroffen, habe aber die gesetzliche Regelung schon immer als menschenverachtend empfunden. Nun stelle ich hier die Vermutung auf, dass Frau Hasselfeldt, die ja auch älter wird, hofft, vielleicht selbst von der Regelung zu profitieren?
freddled_gruntbuggly 03.02.2015
4.
Auch C-Betonköpfe scheinen Argumenten zugänglich zu sein. Ich bin fassungslos.
herr_grün 03.02.2015
5. Fähnchen im Wind
"Hasselfeldt schwenkt um" – herrliche Überschrift, denn umschwenken kann die Frau gut. Heute hü, morgen hott. Wie damals bei Wulff, als sie im Dezember 2011 ein Ende der öffentlichen Diskussion um das Amt des Bundespräsidenten forderte, Anfang Januar 2012 dann aber plötzlich in derselben Sache das Hohelied auf die Pressefreiheit anstimmte und die Vorbildfunktion von Politikern beschwörte. Eine Kehrtwende um 180 Grad, deren Zustandekommen sie auf Abgeordnetenwatch übrigens nicht erklären wollte. Mehr dazu hier: https://researchandreport.wordpress.com/2012/01/04/kehrtwende-um-180-grad-gerda-hasselfeldt-und-die-affare-wulff/
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