Cannabis-Konsum Polizeigewerkschaft will Kiffer in Ruhe lassen

Wenn die Polizei Kiffer erwischt, muss sie einschreiten. Dabei werden Verfahren wegen Besitzes geringer Mengen Cannabis meist eingestellt. Der Chef der Polizeigewerkschaft fordert nun ein Umdenken.

Kiffer-Freund (Symbolbild): Verfahren wegen geringer Mengen Cannabis werden oft eingestellt
AP/dpa

Kiffer-Freund (Symbolbild): Verfahren wegen geringer Mengen Cannabis werden oft eingestellt


München - Tausende Polizisten werden nach Einschätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft falsch eingesetzt und teilweise "schlicht verheizt". Gewerkschaftschef Rainer Wendt fordert vom Gesetzgeber, die Polizei von verzichtbarer Arbeit zu befreien. Dadurch ließen sich "auf einen Schlag mehrere Tausend Stellen" schaffen, und zwar ohne zusätzliche Kosten, schrieb er in einem Gastbeitrag für den "Focus".

Der Gewerkschafter wandte sich unter anderem gegen die Verfolgung von Konsumenten geringer Cannabis-Mengen. Polizisten müssten diese Personen nach geltendem Recht anzeigen, Staatsanwälte stellten die Verfahren aber routinemäßig ein. "Es wäre besser, den Konsum geringer Mengen von Cannabis nicht mehr verfolgen zu müssen - um sinnlose Bürokratie zu vermeiden."

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Als Beispiel für die Verschwendung von Arbeitszeit nannte Wendt außerdem die Regelungen zur Haftung von Autobesitzern. Wer als Pkw-Halter nach einer Ordnungswidrigkeit behaupte, er sei nicht gefahren, löse "umfangreiche Ermittlungen" aus. Bundesweit seien statistisch gesehen 2000 Beamte nur damit beschäftigt, in solchen Fällen den Fahrer zu ermitteln. Wendt empfahl, die Regelungen europäischer Nachbarländer zu übernehmen: "Der Halter sagt, wer gefahren ist, oder er zahlt das Bußgeld."

ore/dpa

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Botox 23.11.2014
1. Die Polizei will....
Karlsruhe hat auch schon in die Richtung geurteilt, die Wissenschaft sagt es schon lange und in beim Wähler gibt es ne breite mehrheit.Warum wird es nicht endlich Legalisiert?!!
blowup 23.11.2014
2. Begrüßenswert
Das wäre wirklich sinnvoll. Denn dann würde ggf. auch die unsägliche und ungerechte Praxis aufhören, Kiffer mit Führerscheinentzug und MPU zu bestrafen, selbst dann, wenn sie gar nicht unter Cannabis-Einfluss Auto gefahren sind.
diego666 23.11.2014
3.
Jetzt geht es doch schnell.Wenn sogar Wendt den Weg einschlägt, ich meine, wirklich Wendt, das Paradebeispiel eines regelversessenen Polizeistaatsbefürworters, was soll denn sonst passieren ausser einer baldigen Legalisierung.Rechtsexperten sprechen inzwischen von der Verfassungswidrigkeit des Verbots.In Berlin, wo es eh liberaler zugeht, wird der erste Coffeeshop erlaubt.Eher konservative Wirtschaftszeitungen wie der Economist fordern die Legalisierung und erklären den Krieg gegen Drogen für verloren.Die Jugendorganisationen der meisten Parteien sind für Legalisierung, die meisten linken Parteien auch.Legalisiert endlich und schafft ein kontrolliertes Milieu.
Freidenker10 23.11.2014
4.
Die treibende Kraft hinter dem Cannabisverbot ( USA ) legalisieren es mittlerweile. Wenn sich jetzt selbst die Polizei für eine defacto Freigabe kleiner Mengen ausspricht warum hingt die Politik so dermaßen hinterher?Die konservativen CDU Wähler von einst gibt es doch auch nicht mehr, also worauf Warten? Gegen harte Strafen beim Fahren unter Cannabis hat doch auch keiner was, aber ein Feierabendtütchen auf dem Sofa, was geht das den Staat an? Das Problem ist doch der Erwerb in irgendwelchen finsteren Ecken und wenn der wegfällt wärs doch gut!
mongolord 23.11.2014
5. Endlich legalisieren
Wäre ein längst überfälliger Schritt. Normal verkaufen und Steuern erheben. Dann kann man passend dazu noch ne Null Promille Grenze für Fahren unter Alkohol einführen und entsprechende Regelung auch für Fahren unter THC Einfluss.
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