Wahlkampf-Blog

Mama Kiziltepe erklärt die Welt

Szene aus dem Wahlspot: Kiziltepe mit Tochter vor einem Billigklamottenladen Zur Großansicht
Cansel Kiziltepe

Szene aus dem Wahlspot: Kiziltepe mit Tochter vor einem Billigklamottenladen

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Wer gegen Grünen-Promi Ströbele antreten will, muss sich etwas einfallen lassen. SPD-Kandidatin Cansel Kiziltepe dreht mit ihrer 13-jährigen Tochter Wahlwerbespots - und plaudert in bester "Sendung mit der Maus"-Manier über Billiglöhne und Mietpreiswucher.

Noch mehr Gegensatz geht kaum: alt gegen jung, Mann gegen Frau, Promi gegen Unbekannt. Es geht um den Wahlkreis 83 Friedrichshain-Kreuzberg. Seit 2002 hat ihn Hans-Christian Ströbele gepachtet - 74 Jahre alt, Grünen-Urgestein, Alt-Linker. Jetzt will er zum vierten Mal in Folge gewinnen. Und Kiziltepe will das verhindern.

Die 37-Jährige mit türkischen Wurzeln tritt in dem Multikulti-Bezirk für die SPD an. Sie sagt Sätze wie "Ich verkörpere mit meiner Person Kreuzberg" und wirbt mit dem Slogan "Frischer Wind für die Sozialdemokratie - dafür sorgt Cansel Kiziltepe". Nun hat sie ihre neuen Wahlwerbespots erstmals der Presse präsentiert - und damit auch Einblicke in ihr Familienleben.

Denn Kiziltepe steht nicht allein vor der Kamera, sondern mit Ella, 13. Um gegen Polit-Opa Ströbele anzukämpfen, hat die Frische-Wind-Bringerin ihre Tochter eingespannt.

Werbespot der SPD-Bundestagskandidatin Cansel Kiziltepe

Cansel Kiziltepe
Zu sehen sind die beiden in vier Filmchen, die in den kommenden Wochen veröffentlicht werden sollen. In der Küche beim Abwasch, im Flur, vor einem Laden mit Billigklamotten und - besonders hübsch - auf einem roten Wohnzimmersofa mit weißen Punkten: Mama liest den Wirtschaftsteil der "Süddeutschen Zeitung", Ella den Jugend-Bestseller "Die Tribute von Panem" - und nebenbei wird das soziale Mietrecht diskutiert. Die beiden sind so sehr Schauspielerinnen wie Ströbele Jungspund.

Weitere Gesprächsthemen: Teilhabe und Gerechtigkeit, lebensstandardsichernde Renten, Mindestlohn. Worüber man mit seiner 13-Jährigen halt so redet.

"Warum kaufen so viele Leute in so Billigläden ein?", fragt Ella in einem der Spots.

"Ja, weil die so wenig verdienen, dass sie sich nichts anderes leisten können, Ella", antwortet die Politikermama. Um der Tochter dann gleich noch zu erklären, warum es sinnvoll ist, dass die Menschen besser bezahlt werden. Und die schlaue Ella hat das natürlich sofort kapiert:

"Sie könnten öfter ins Café gehen, und, äh, damit würde der Besitzer mehr Geld kriegen und könnte seine Bedienung bezahlen oder sogar neue einstellen. Und, ähm, so hätten mehr Menschen mehr Geld und mehr Arbeit."

"Genau. So ist das, Ella."

Ja, so ist das: Sozialdemokratie im "Sendung mit der Maus"-Stil.

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9 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
oma_kruse 22.08.2013
catcargerry 22.08.2013
inhabitant001 22.08.2013
Coldfinger 22.08.2013
jbg1 23.08.2013
incognito666 24.08.2013
Illoinen 24.08.2013
Illoinen 24.08.2013
fury110 26.08.2013
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