Castor-Transport Demonstranten rüsten für Straßenblockade

Spannung im Wendland: Wann kommt der Castor auf die Straße? Nachdem der Zug mit der strahlenden Fracht in Dannenberg eingetroffen ist, rüsten sich Atomkraftgegner für den Widerstand auf den letzten 20 Kilometern - das Katz-und-Maus-Spiel könnte noch bis Dienstagabend dauern.


Gorleben - Die Anti-Atomkraft-Aktivisten sind euphorisch. Selten ist es ihnen gelungen, einen Castor-Transport so lange aufzuhalten. Selten sind so viele Menschen dabei gewesen wie dieses Mal im Wendland. "Ich hoffe, wir haben Geschichte geschrieben", sagt eine Frau nach der Nacht der Blockade - und das Kräftemessen zwischen der Polizei und den Protestierenden ist noch nicht beendet. Jetzt geht es auf der Straße statt auf der Schiene weiter.

Einen halben Tag lang hatten die Aktivisten am Sonntag die Bahngleise zwischen Lüneburg und Dannenberg besetzt. Wegen der Blockade in der Nähe von Harlingen kam der Castor-Zug stundenlang nicht weiter - bis sich die Polizei nach Mitternacht zur Räumung entschloss. Der weitgehend friedliche Einsatz dauerte die ganze Nacht. Viele der weit mehr als tausend Protestierenden kamen in Polizeigewahrsam, damit der Zug am Morgen mit seiner strahlenden Fracht in die Lkw-Verladestation Dannenberg durchfahren konnte. Gegen 9.30 Uhr kam er dort an, fast 68 Stunden nach dem Start in der Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Frankreich.

Jetzt sollen die elf Castor-Behälter dort auf Tieflader umgeladen und dann ins Zwischenlager Gorleben gebracht werden. Es gibt zwei Routen dorthin, beide sind je etwa 20 Kilometer lang. Eine durchgehende Sicherung der gesamten Strecke ist der Polizei kaum möglich. Die Südroute ist von Dannenberg bis kurz vor dem Zwischenlager frei. Die Polizei kontrolliert dort Fahrzeuge einzeln, auch von Journalisten und Politikern.

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Castor-Transport: Demonstranten rüsten sich für weitere Blockaden
Beide Seiten haben jetzt mehrere Stunden Zeit, um sich für den letzten Teil der Route zu rüsten - nach Angaben des Zwischenlagerbetreibers Brennelementlager Gorleben (BLG) sind für das Umladen in Dannenberg etwa 15 Stunden vorgesehen. Weil neben zehn deutschen Castor-Behältern auch ein französischer TN-85-Behälter in das Zwischenlager gebracht werde, müsse man den Kran der Umladestation in Dannenberg zwischendrin umrüsten, sagte ein Sprecher. Außerdem müsse die Strahlung der Behälter neu ausgemessen werden.

Vor dem Zwischenlager Gorleben harren mehr als tausend Castor-Gegner aus. Sie haben schon in der vergangenen Nacht auf der Straße geschlafen - dabei wird der Transport frühestens in der kommenden Nacht in Gorleben erwartet.

Außerdem haben sich Landwirte mit ihren Traktoren für den Widerstand gerüstet. Die Mitglieder der "bäuerlichen Notgemeinschaft" aus dem Wendland stehen bereit, könnten über Felder an die Strecke fahren und dort die Fahrt des Castor-Transports abermals stören. Sie sind schon bei vergangenen Transporten durch aufwendige Aktionen aufgefallen.

Viele Aktivisten, die in der Nacht bei der Schienenblockade waren, sind nach 20 Stunden Protest übermüdet, hungrig, durchgefroren. Aber auch viele Polizisten sind am Ende ihrer Kräfte - einige waren 30 Stunden ununterbrochen im Einsatz.

Mittlerweile seien 20.000 Polizisten im Wendland, um den Castor-Transport durchzuziehen, sagte Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizei-Gewerkschaft. 1300 Kräfte seien schon nachgefordert worden, damit könnten bundesweit nur noch 1500 Polizisten zusätzlich eingesetzt werden.

Der Zug war am Freitagnachmittag im Nordwesten Frankreichs gestartet. Der Atommüll stammt aus der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague, wo abgebrannte Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken wiederaufbereitet werden. Den dabei anfallenden hochradioaktiven Müll muss Deutschland zurücknehmen.

mhe/anr/dpa/dapd



Forum - Castor-Transport - wie viel Protest darf's denn sein?
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Gluteusmaximus 02.11.2010
1. Fruchtloses Unterfangen mit Kultstatus?
Zitat von sysopSitzblockaden, Gleisbett abtragen, an Gleise ketten: Der Castor rückt an, die Gegner drohen mit hartem Widerstand. Doch wo liegen die Grenzen des Protests?
Die Grenzen sind doch schon lange erreicht. Wer nun glaubt, die Transporte würden, selbst bei einer "Ausweitung" dieser Aktionen, zu einem Einlagerungsstop führen, dem kann es nicht ernsthaft um die Sache gehen. Alle derartigen "Proteste" werden im Sande verlaufen. Für die "Demonstranten", die angesprochen wurden, geht es vielmehr um den Spaßfaktor, quasi ein Mega-Event, welches in der linksautonomen Szene Kultstatus erreicht hat. Hier scheint der oympische Gedanke ("dagegen sein ist alles") im Vordergrund zu stehen.
Robert Rostock, 02.11.2010
2.
Zitat von sysopSitzblockaden, Gleisbett abtragen, an Gleise ketten: Der Castor rückt an, die Gegner drohen mit hartem Widerstand. Doch wo liegen die Grenzen des Protests?
Wenn Bahnstrecken sabotiert werden, ist die Grenze weit überschritten. Gestern wurde in Berlin ein Brandanschlag auf Signalanlagen des S-Bahn-Innenringes verübt, zu dem sich Atomkraftgegner bekannten. (http://www.tagesspiegel.de/berlin/s-bahn-soll-am-mittwoch-auf-dem-ring-wieder-planmaessig-fahren/1972970.html;jsessionid=2E441265B993B10A09490DE969C6A324) Auf dieser Strecke wird mit 99,99%iger Sicherheit niemals ein Castor rollen. Leiden tun unter den Folgen nicht die pösen Atomiker, sondern Hunderttausende Berliner. Und in der Szene und im Internet wird zum "Schottern" aufgerufen, sprich zur Sabotage von Bahnstrecken durch Abgraben des Gleisschotters. Dass damit das Entgleisen von Reisezügen und somit auch der Tod völlig Unbeteiligter in Kauf genommen wird, scheint den Aktivisten egal zu sein. Eine Distanzierung von solchen Aktionen habe ich noch nicht gehört.
GyrosPita 02.11.2010
3. Ich gebe keinen Titel mehr an
Zitat von Robert RostockWenn Bahnstrecken sabotiert werden, ist die Grenze weit überschritten. Gestern wurde in Berlin ein Brandanschlag auf Signalanlagen des S-Bahn-Innenringes verübt, zu dem sich Atomkraftgegner bekannten. (http://www.tagesspiegel.de/berlin/s-bahn-soll-am-mittwoch-auf-dem-ring-wieder-planmaessig-fahren/1972970.html;jsessionid=2E441265B993B10A09490DE969C6A324) Auf dieser Strecke wird mit 99,99%iger Sicherheit niemals ein Castor rollen. Leiden tun unter den Folgen nicht die pösen Atomiker, sondern Hunderttausende Berliner. Und in der Szene und im Internet wird zum "Schottern" aufgerufen, sprich zur Sabotage von Bahnstrecken durch Abgraben des Gleisschotters. Dass damit das Entgleisen von Reisezügen und somit auch der Tod völlig Unbeteiligter in Kauf genommen wird, scheint den Aktivisten egal zu sein. Eine Distanzierung von solchen Aktionen habe ich noch nicht gehört.
In anderen Ländern werden vor solchen Anlässen Schnellgerichte eingeführt, um solche Verbrecher zeitnah aburteilen zu können. Das würde hier auch den einen oder anderen abschrecken, wenn einer von diesen selbstgerechten Weltverbesserern noch am gleichen Tag wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienen/Straßenverkehr ein oder zwei Jährchen ohne Bewährung bekommen würde...
Eutighofer 02.11.2010
4. pseudo-religiöser Wahn
Es werden sich genug finden, die die angekündigten Sachbeschädigungen und Sabotageaktionen in Gorleben entschuldigen und verharmlosen. Mir graut vor Menschen, die im vermeintlichen Dienst einer höheren Sache das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Der ökologische Fundamentalismus einiger fanatischer Castorgegner ist dem religiösen Wahn anderer Fundamentalisten nicht mehr fern.
rehabilitant 02.11.2010
5. Reaktion
Zitat von EutighoferEs werden sich genug finden, die die angekündigten Sachbeschädigungen und Sabotageaktionen in Gorleben entschuldigen und verharmlosen. Mir graut vor Menschen, die im vermeintlichen Dienst einer höheren Sache das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Der ökologische Fundamentalismus einiger fanatischer Castorgegner ist dem religiösen Wahn anderer Fundamentalisten nicht mehr fern.
Schwachsinnige politische Entscheidungen ziehen gelegentlich schwachsinnige Aktionen der Betroffenen nach sich.
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