Castor-Transport Gegner rüsten zum Widerstand auf der letzten Etappe

Der Castor-Zug hat Niedersachsen erreicht. Im Wendland stehen die Gegner zum Empfang bereit. Tausende werden zu einer Großdemonstration erwartet, die sogenannten Schotterer und Gleisblockierer wappnen sich - ebenso die Polizei.

dapd

Aus dem Wendland berichtet


Der Spuk ist nach 60 Minuten vorbei. Das letzte Rücklicht verschwindet hinter einer Kurve, kurz zuckt Blaulicht durch die Böschung. Dann ist die Polizei genauso schnell aus Metzingen verschwunden, wie sie Freitagnacht gegen 23.30 Uhr plötzlich in dem winzigen Ort, zwölf Kilometer vor Dannenberg, aufgetaucht war. Zurück bleiben Trümmer auf der Straße und eine Menge tropfnasser, aufgebrachter Castor-Gegner.

Sie haben nahe Metzingen ihr Widerstandscamp auf einem Bauernhof aufgeschlagen. Darum wurde der Ort schon vor der Ankunft des Castor-Transports zum Krisenherd. Bereits am Donnerstag gab es Scharmützel zwischen Polizei und Demonstranten, auch am Freitagabend flogen wieder Steine in Richtung der Wasserwerfer. Bei einer Vorbereitungsaktion griffen radikale Aktivisten am Vormittag ein Polizeifahrzeug an. Mit Molotow-Cocktails, sagen die einen. Schlimmstenfalls mit bengalischen Feuern, beteuern die anderen. Egal wer recht hat: Hier zeigt sich die hässliche Seite des Atomprotests. Und das bisweilen unangemessen harte Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Dabei dauert es noch Stunden, bis der Castor-Zug im Wendland anrollt. Immerhin ist er schon in Niedersachsen. Am frühen Samstagmorgen überquerte der Zug mit dem Atommüll die hessisch-niedersächsische Landesgrenze. Im Laufe des Tages wird die hochradioaktive Fracht an der Verladestation Dannenberg im Wendland erwartet. Dort wollen am Samstagmittag Tausende Menschen protestieren. Ab Dannenberg geht der Transport auf der Straße weiter. Das Ziel der Castor-Behälter ist das Zwischenlager in Gorleben.

Kernkraft-Befürworter sieht man im Wendland kaum

Während in Metzingen die Stimmung angespannt ist, geht es 30 Kilometer weiter - immer den Schildern Richtung Gorleben nach - bislang deutlich entspannter zu. In Gusborn trifft sich am Freitagabend der halbe Ort zu "Rock gegen Castor". Vor dem Gasthof wärmen sich Männer und Frauen in dicken Jacken am Feuer. Aus den Boxen wummert gitarrenlastige Musik, als die Band Madsen gespielt wird, singt eine Gruppe junger Frauen lauthals mit. "Die Gruppe kommt aus dem Wendland, der ehemalige Bassist wohnt ein Dorf weiter", erklärt der stellvertretende Bürgermeister Wilhelm Struck die Begeisterung.

Gut zehn Minuten Autofahrt sind es von Gorleben nach Gusborn. Die Transportstrecke des Castors führt mitten durch das Dorf, schon jetzt beäugen Dutzende Polizisten das Treiben vor der Kneipe misstrauisch. "Früher war das Dorf gespalten, was die Atomtransporte angeht", erzählt Struck. "Ich bin seit 1977 im Widerstand, oft hat man mich von den Höfen verjagt, wenn ich Unterschriften sammeln wollte", sagt er und nimmt noch einen Schluck Bier. Heute müsse man die Kernkraft-Befürworter suchen.

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Atommüll-Zug: Widerstand gegen den Castor-Transport
Am Samstag werde über Gusborn eine ganz besondere Stimmung liegen, sagt Elisabeth. Ihren Nachnamen will sie lieber nicht nennen. Aber über die Castor-Transporte spricht sie gern. "Das ganze Dorf ist auf den Beinen, wenn es losgeht." Dass es das vorerst letzte Mal sein wird, dass Castoren durch Gusborn rollen, wird den Widerstand nicht mindern, da ist sie sich sicher: "Alle sind bei der Demo dabei, die Jüngeren gehen danach noch an die Strecke."

Vor dem Ortsausgang steht schon am Freitagabend eine Gruppe bayerischer Polizisten bereit, um genau das zu verhindern. Aus München kommen sie, und sie werden noch die ganze Nacht hier ausharren, erzählt einer der Beamten. Wenn er seine Taschenlampe ausmacht, ist es stockfinster. Die Einheit ist an der Zufahrt zu einem Waldweg postiert, in der ganzen Gegend stehen Polizisten an solchen neuralgischen Punkten. 19.000 Beamte werden den Transport im Wendland sichern - so viele wie im vergangenen Jahr, als mehr als 50.000 Atomkraftgegner dem Castor entgegenstanden.

Kampf gegen einen übermächtigen Gegner

Die Polizisten werden allerhand zu tun bekommen. In Hitzacker, ganz nah an der Schienenstrecke des Castor-Transports, übt die Protestgruppe "Widersetzen" an diesem Abend die Verhaltensregeln für das Gleisbett. "Wie komme ich am besten an die Schienen? Wie lasse ich mich wegtragen? Was sind meine Rechte, was darf die Polizei? Solche Fragen werden heute geklärt", sagt der Sprecher der Bewegung. Ab Samstag gelte dann der Ernstfall.

Und auch die Schotterer im Schlepptau von Hanna Spiegel und Luka Köppen haben ihre Vorbereitungen beinahe abgeschlossen. Irgendwo in den Wäldern des Wendlands werden sie in den kommenden Tagen an die Gleise stürmen - und Tausende Castor-Gegner mit ihnen. Zusammen wollen sie Steine aus dem Gleisbett entfernen und die Weiterfahrt Zugs so um Stunden verzögern.

Angst vor der Auseinandersetzung mit der Polizei haben sie nicht. "Schlimmer als 2010 kann es kaum werden", sagt Spiegel. Damals seien die Beamten rabiat vorgegangen, große Mengen an Reizgas seien versprüht worden. "Uns ist klar, dass wir gegen einen übermächtigen Gegner kämpfen. Aber das wird uns nicht aufhalten. Wir rechnen mit Tausenden Unterstützern und sind gut organisiert."

Minutiös planen lässt sich das Protestwochenende im Wendland nicht. Es ist nicht einmal klar, wann genau die Castor-Behälter in Dannenberg von der Schiene auf die Straße umgeladen werden sollen. Kaum hatte der Zug am Samstagmorgen Niedersachsen erreicht, musste er nahe Friedland stoppen. Gegnern gelang es, die Gleise zu blockieren. Rund hundert Widerständler sollen es laut der Online-Seite Castorticker auf die Schienen geschafft haben.

Sturmtief über Norddeutschland erwartet

Auch auf dem Weg durch Hessen musste der Zug immer wieder anhalten. In Haßloch in der Pfalz war es einem Demonstranten sogar gelungen, den stehenden Zug zu besteigen, ein Transparent hochzuhalten und dann unerkannt zu verschwinden.

In Niedersachsen müssen sich die Organisatoren des Castor-Transports auch noch auf Wetterkapriolen einstellen. Weil ein Sturmtief über Norddeutschland angekündigt ist, blieb zunächst unklar, ob die Behälter überhaupt noch am Wochenende in Dannenberg von der Schiene auf die Straße verladen werden können.

Rund 90 Stunden dauerte im vergangenen Jahr der Transport von der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich bis nach Gorleben. Das Ziel der Gegner: Diesmal soll es noch länger dauern. Für die Widerständler wäre das bei der vorerst letzten Castor-Fahrt durch das Wendland ein wichtiges Signal.



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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
Giraffenzebra 26.11.2011
1. Nur mal so zum Lesen
Interessanter Hintergrund-Bericht zu enorm erhöhten Neutronenstrahlungs-Dosen rund um Castor-Transporte und die oberirdischen Zwischenlager .... nur mal so zum Lesen: http://www.stern.de/politik/deutschland/strahlen-phaenomen-skyshine-ueber-dem-castor-lager-1755129.html MfG
muster.schieber 26.11.2011
2. Castorticker
Der im Beitrag angesprochene und zitierte "Castorticker" findet sich unter www.castorticker.de. Eine recht ansehnliche und gut gemachte Web 2.0-Anwendung. Ganz im Gegensatz übrigens zur Kerntechnischen Gesellschaft, also eines Players der Gegenseite. Deren Website (www.ktg.org) ist seit Beginn des Transportes offensichtlich nicht mehr erreichbar...
ash26e 26.11.2011
3. Wann müssen
Zitat von sysopDer Castor-Zug hat Niedersachsen erreicht. Im Wendland stehen die Gegner zum Empfang bereit. Tausende werden zu einer Großdemonstration erwartet, die sogenannten Schotterer und Gleisblockierer wappnen sich - ebenso die Polizei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,800053,00.html
endlich diese Kasperle für die Kosten dises "Klamauks"aufkommen? Es geht doch nicht zusammen: den Bundespräsidenten mit Eiern bewerfen 600 € -Eisenbahngeleise kaputtmachen -0,0 €. Andere Menschen damit nötigen: 0;0€.Aber bei Rot über die Ampel fahren: Fahrverbot mit allen beruflichen Konsequenzen! Das was im Wendland abgeht ist doch schon lange keine Demonstration sondern nackte Gewalt! Ich fordere : Schluß mit diesem ,für die Verursacher und Veranstalter folgenlosen Theater!
MasterOfDisaster 26.11.2011
4. Verständnisproblem
Ich komm da einfach nicht mit. Warum wird demonstriert, der Atommüll ist da, der verschwindet auch durch noch so viele Demos nicht. Und viele Leute machen sich Sorgen, dass der Castor strahlt. Warum geht man dann direkt an den Zug oder verhindert seine Weiterfahrt noch durch Schottern? Damit er länger außerhalb der "schützenden" Stahlbetonmauern strahlt? Ich finde es auch nicht toll, dass radioaktiver Müll durch die Gegend gefahren wird (hier in der Pfalz ist er ja auch vorbei), aber diesen Aufstand jedes Mal finde ich kurios. Irgendwo haben wir uns den Dreck selber zuzuschreiben: Jahrelang haben wir munter Atomstrom genutzt und nach dem Prinzip gelebt, der Strom kommt aus der Steckdose. Das ist halt die Quittung der Annehmlichkeiten...
J4cky 26.11.2011
5. ...
Zitat von GiraffenzebraInteressanter Hintergrund-Bericht zu enorm erhöhten Neutronenstrahlungs-Dosen rund um Castor-Transporte und die oberirdischen Zwischenlager .... nur mal so zum Lesen: http://www.stern.de/politik/deutschland/strahlen-phaenomen-skyshine-ueber-dem-castor-lager-1755129.html MfG
Ein Grund mehr, das Zeug unter die Erde zu bringen. Bis wir allerdings auch nur ein Lager auf Zeit, sagen wir mal 500 Jahre, hätten dauert es sicher noch ewig. Deutschland ist politisch zerstritten. Selbst wenn wir nun Deutschlandweit nach einem neuen Standort suchen, sobald einer gefunden sein würde, wäre der Protest eben dort wiederzufinden. Das Spielchen beginnt von neuem.
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