CDU-Generalsekretärin Alles neu macht AKK

Beim Auftakt ihrer Zuhör-Tour wird deutlich: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer will die CDU erneuern - und macht auch vor Gepflogenheiten der Kanzlerin nicht Halt.

Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer auf Zuhör-Tour: 40 Stationen
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Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer auf Zuhör-Tour: 40 Stationen

Aus Konstanz berichtet


Während die SPD noch davon redet, sich zu erneuern, bleibt in der CDU in diesen Tagen nichts wie es war: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer macht alles neu. In den ersten Wochen ihrer Amtszeit hat "AKK" die Parteizentrale umgebaut, zentrale Stellen mit ihren Vertrauten besetzt und dezent dafür gesorgt, dass ihre Rolle in der Parteispitze aufgewertet wird: Im CDU-Bundesvorstand kommt der Bericht der Generalsekretärin neuerdings vor dem der Vorsitzenden Angela Merkel.

Auch bei der "Zuhör-Tour", Kramp-Karrenbauers Erkundungsreise an die Parteibasis für die Entwicklung eines neuen CDU-Grundsatzprogramms, ist alles anders: Keine minutiösen Orgalisten und Ablaufpläne, wie sie die Eventabteilung des Adenauer-Hauses so gerne anlegt, keine Presseakkreditierung, nicht einmal eine Anmeldepflicht für die Mitglieder. Jeder kann einfach kommen? Da raufte sich mancher Referent im Konrad-Adenauer-Haus die Haare.

Die CDU-Zentrale hatte eigentlich business as usual geplant, wollte die Zuhör-Tour so durchziehen wie die "Regionalkonferenzen" von Angela Merkel, nämlich als eine Art Parteibildungswerk in großen Hallen und mit hohen Bühnen, und mit den Mitgliedern als Stichwortgebern für die Parteiprominenz.

Abschied vom Merkel-Stil

Auf ihrer ersten von 40 Stationen in Konstanz am Freitagabend machte Kramp-Karrenbauer deutlich, was sie von diesem Modell hält: "Das hier ist keine Regionalkonferenz. Hier läuft es nicht so, dass Sie kritisieren und wir sagen Ihnen, warum Sie nicht Recht haben." Die etwa 200 Mitglieder der CDU Konstanz lachten verblüfft.

Kramp-Karrenbauer in Konstanz: Smalltalk und Händeschütteln
DPA

Kramp-Karrenbauer in Konstanz: Smalltalk und Händeschütteln

Sie staunten mehrmals an diesem Abend: Erst, als Kramp-Karrenbauer eine halbe Stunde kreuz und quer durch den Saal des Konstanzer Konzils wanderte, Hände schüttelte und Smalltalk machte. Und später, Kramp-Karrenbauer die Wortmeldungen immer wieder mit Gegenfragen konterte: "Ja, doch, ich frage Sie direkt." Etwa 90 Fragen und Wünsche für das Grundsatzprogramm hatten die Mitglieder zuvor eingereicht, und irgendwie gelang es der Generalsekretärin, die Debatte zu steuern - von der Rente mit 63 und der Frage, wie "Leischtung sich wieder lohne kann" über die Frage, was eine Berufsausbildung noch wert ist bis hin zu Fachkräftemangel, Zuwanderung, Integration und Islam.

Immer wieder präsentierte sich Kramp-Karrenbauer als die bodenständige Frau der Basis, deren drei Kinder alle eine Berufsausbildung haben. Sie bezeichnete sich freimütig als "Quotenfrau" oder klagte, "wir trauen uns zum Teil nicht, offen zu diskutieren", was mit dem Islam alles schief läuft.

Ich frage, ich antworte

In Konstanz traf die Generalsekretärin die gesamten Bandbreite der CDU - vom Wirt des Konzils, der die Flüchtlingskrise als "göttliche Fügung" bezeichnet und seine afrikanischen Küchenhilfen unbedingt vor Abschiebung schützen will, über eine Frau, die in ihrem Heimatort Singen mit Sorge immer mehr Frauen mit Kopftuch registriert, bis hin zu dem CDU-Senior, der findet, die Deutschen hätten zu viel Verständnis für die "Mohammedaner".

In diesen Momenten kippte die Zuhör-Tour dann doch zur Erklär-Tour. Hier stellte Kramp-Karrenbauer zwar "Gegenfragen" ("Wenn der Islam nicht zu Deutschland gehört, was ist dann mit den mehr als 4 Millionen Muslimen, die hier friedlich leben?"), beantwortete sie aber dann doch lieber selbst.

Konstanz als Premierenort war eine taktisch geschickte Wahl für die Frau, die zwar nie offen sagt, dass sie Angela Merkel beerben will, die aber in ihrem neuen Amt schon viele Weichen hierfür stellt: Der örtliche CDU-Verband hatte unter dem Schock des schlechten Bundestagswahlergebnisses beim letzten Bundesparteitag den Antrag auf ein neues Grundsatzprogramm gestellt - hier traf "AKK" also Kritiker, aber solche von der konstruktiven Sorte, nicht die "Merkel-muss-weg"-Fraktion. Spätestens bei Kramp-Karrenbauers Stationen in Ostdeutschland könnte es noch viel ungemütlicher werden.



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
Zukunft3.0 28.04.2018
1.
Dass wollen wir doch hoffen, dass die Tour durch den Osten nicht all zu gemütlich wird. Dort wird wenigstens Klartext gesprochen.
hausfeen 28.04.2018
2. Macht sie jetzt ihren Job oder Werbung ...
... in eigener Sache. Eines ist auf jeden Fall klar: Als Hassfigur für den rechten Rand ist sie die perfekte Nachfolgerin von Merkel. .
wahrsager26 28.04.2018
3. Die neue Kanzlerin?
Warten wir ab! Sollte die Dame begriffen haben das dieses Land mit PC geradewegs in den Abgrund läuft,dann wäre ihr sehr zu danken.Nicht zuletzt würde sie unsere Demokratie stärken und in weiterer Ferne Deutschland endlich 'erwachsen ' machen.Wie gesagt: warten wir die Entwicklung ab! Danke
wahrsager26 28.04.2018
4. An hausfeen. Nr2
Nun,Hassfigur? Das wäre doch das kleinste Übel.Vielleicht gewinnt Sie eines Tages Stimmen zurück,von der AfD? Dann müssten auch die Zeitgenossen,die heute jeden anders Denkenden als Nazi bezeichnen,sehen,wie 'Nazis' in fragliche Partei zurückkehren würden! ( Auch irgendwie lustig!) Danke
birdie 28.04.2018
5. Es ist erfreulich zu sehen, dass Frau AKK keine Scheu zeigt ...
ein eigenes Profil zu entwickeln und den Mut hat, dies öffentlich durchzusetzen. Denn sie ist nicht nur sehr intelligent sondern hat ein Fachwissen, das die Kapazitäten von vielen überalterten Granden sowie rebellischen Jungspunden in ihrer Partei deutlich übersteigt. Sie denkt strategisch und argumentiert in kluger Weise diplomatisch. Deshalb Bewunderung für die Bundeskanzlerin, die all das erkannt und sie deswegen berufen hat.
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