CDU-Bundestagskandidatur Ex-Grüner Metzger scheitert auch am Bodensee

Der frühere Grünen-Politiker Oswald Metzger ist mit seinen Plänen für eine Rückkehr in den Bundestag erneut gescheitert. Metzger wollte diesmal für die CDU am Bodensee antreten - verlor aber nach einem mehrstündigen Abstimmungskrimi die finale Stichwahl.


Überlingen - Innerhalb von drei Monaten ist der zur CDU gewechselte ehemalige Grünen-Politiker Oswald Metzger zum zweiten Mal mit der Kandidatur für ein Bundestagsmandat gescheitert. Im dritten Wahlgang unterlag der 53-jährige Finanzexperte im baden-württembergischen Wahlkreis Bodensee in der Nacht zum Samstag dem Bürgermeister von Herdwangen-Schönach Lothar Riebsamen. Metzger war erst im April in die Union eingetreten. In einem ersten Anlauf war Metzger im Juli im Wahlkreis Biberach knapp gescheitert.

Ex-Grüner Metzger: "Wer mich wählt, kauft nicht die Katze im Sack"
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Ex-Grüner Metzger: "Wer mich wählt, kauft nicht die Katze im Sack"

In der Stichwahl bekam Metzger nur 327 von 689 gültigen Stimmen. Metzgers Kandidatur hatte innerhalb der Landes-CDU eine heftige Diskussion ausgelöst. Der Wahlkreis war neu gebildet worden.

Metzger hatte noch vor Beginn der Veranstaltung in Überlingen optimistisch gesagt: "Die Chancen sind besser als in Biberach." Bei seiner Vorstellung vor den CDU-Mitgliedern hob er seine Erfahrung im Bundestag hervor. "Die schwierigste Aufgabe auf der politischen Bühne ist, sich Gehör zu verschaffen." Dass er das könne, habe er bewiesen. "Wer mich wählt, kauft nicht die Katze im Sack", warb Metzger.

Kritische Fragen zu Metzgers Loyalität

Metzger saß für die Grünen von 1994 bis 2002 im Bundestag. Ende November 2007 hatte er den Grünen nach mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt, weil er deren Kurs in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr mittragen wollte. Metzger war Anfang Juli in Biberach erst kurz vorher in die CDU eingetreten und hatte sofort seinen Anspruch auf die Bundestagskandidatur erhoben; dies hatte viele Mitglieder verärgert.

Eigentlich hatte Metzger keinen weiteren Versuch starten wollen, auf die politische Bühne in Berlin zurückzukehren. Doch dann war die CDU im Bodenseekreis auf der Suche nach einem Bewerber für die Bundestagswahl, nachdem der Kreisvorsitzende Markus Müller als aussichtsreichster Kandidat seinen Verzicht erklärt hatte. In dem Wahlkreis am Bodensee hat der CDU-Kandidat die Fahrkarte nach Berlin so gut wie sicher.

Dennoch musste sich sich der langjährige Grünen-Bundestagsabgeordnete in Überlingen einige kritische Fragen gefallen lassen. Da Metzger bereits die SPD verlassen hatte und später auch die Grünen, fragte ein CDU-Mitglied, ob man sich auf ihn verlassen könne. Metzger antwortete, er sei ein "treuer und ein Stück weit loyaler" Politiker; das sehe man daran, wie schwer er sich den Abschied von den Grünen nach 20 Jahren gemacht habe. Er wehrte sich vehement gegen den Vorwurf, ein Opportunist zu sein.

Mehrere Mitbewerber hatten den prominenten Konkurrenten indirekt kritisiert. So auch Bürgermeister Riebsamen: "Sachverstand und Fleiß überzeugen mehr als Show." Der 30-jährige Volkswirt Alexander Eschbach sagte, die CDU am Bodensee brauche einen Vertreter im Bundestag, "der nicht spaltet, sondern eint".

amz/dpa/AP



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