Wahl des CDU/CSU-Fraktionschefs Dieser Mann fordert Kauder heraus

Die Unionsfraktion im Bundestag wählt einen neuen Vorsitzenden. Zum ersten Mal muss sich Volker Kauder einem Kontrahenten stellen. Die beiden Kandidaten im Vergleich.

Kauder und Brinkhaus im Bundestag
imago/ Jens Jeske

Kauder und Brinkhaus im Bundestag


Die Wahl wird auch ein Gradmesser für den Rückhalt von Kanzlerin Angela Merkel in der Berliner Unionsfraktion: Die entscheidet heute, ob Volker Kauder, Vertrauter der Kanzlerin, auf dem Vorsitzenden-Posten bleibt - oder ob Ralph Brinkhaus das Amt künftig innehat.

Was macht die beiden Kandidaten aus - und was unterscheidet sie? Ein Überblick:

  • Volker Kauder - Merkels Vertrauter
FELIPE TRUEBA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

So lange Angela Merkel schon das Land regiert, hält Kauder die Bundestagsfraktion der Union zusammen. Finanz- und Griechenlandkrise, der Atomausstieg, das Rumoren durch den starken Flüchtlingszuzug: Kauder hat immer wieder schwierige Lagen bewältigen und Mehrheiten für Merkel organisieren müssen. Seit 13 Jahren führt der Baden-Württemberger die Abgeordneten der Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU, so lange wie niemand zuvor.

Seit 1990 ist Kauder Mitglied des Bundestags. Von 1991 bis 2005 war er Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, von 2002 bis 2005 Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion unter der Vorsitzenden Angela Merkel. Als sie 2005 in das Kanzleramt einzog, wurde Kauder Fraktionschef. Ihr Verhältnis gilt als vertrauensvoll. Kauder ist kein Mann der lauten Töne, gilt als loyal, zuhörend.

Zuletzt hatte er zunehmend den Unmut in der Fraktion zu spüren bekommen, der sich dort auch gegen die Kanzlerin aufgestaut hatte. Im Asylstreit mit der CSU kam es im Sommer zu getrennten Sitzungen der Abgeordneten der Schwesterparteien - ein Novum.

Nach der Bundestagswahl 2013, als die Union fast die absolute Mehrheit geholt hatte, wurde Kauder noch mit 97,4 Prozent im Amt bestätigt, sein bislang bestes Ergebnis. Aber schon bei der Wahl im vergangenen Jahr gab es für den Fraktionschef nur noch eine Zustimmung von 77,3 Prozent - ohne Gegenkandidaten.

  • Ralph Brinkhaus - Exponent des Aufbruchs
DPA

Dieses Mal gibt es einen Herausforderer: Ralph Brinkhaus. Sein Programm: Nach 13 Jahren Kauder brauche es neue Köpfe, Aufbruch, frischen Wind. "Ich kandidiere für neuen Schwung in der Fraktion, nicht gegen die Kanzlerin", betont er. Der Ausgang der Wahl wird ein Indiz dafür sein, wie groß der Unmut ist.

Brinkhaus hat sich als Finanz- und Haushaltspolitiker profiliert. In die CDU kam er schon zu Schulzeiten über die Junge Union. "Wir können die Gräben in der Gesellschaft nicht mit Haushaltsmitteln zuschütten", sagt er. Anders als Kauder, der sich anfangs niemals mit AfD-Politikern in eine Talkshow setzen wollte, will Brinkhaus verstärkt "mit jenen ins Gespräch kommen, die sich von uns abgewandt haben". Auch im Mittelstand gebe es immer mehr Protestwähler, "um die wir uns stärker als bisher kümmern müssen", so Brinkhaus.

vks/dpa



insgesamt 20 Beiträge
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dirkcoe 25.09.2018
1. Kauders Ablösung ist überfällig
Der Union würde es sehr gut tun wenn Käufer heute abgelöst wird. Er steht wie Merkel für 13 Jahre Regierungs Koma und sicher nicht derjenige, der an diesem Koma noch etwas ändert. Er war immer ein braver Handlanger von Merkel - aber mehr eben auch nicht.
Wulf Eisenschwert 25.09.2018
2. Alter Wein
in neuen Schläuchen. Hätte, müßte , sollte, mehr fällt dem nicht ein. Na hast die AfD freuts
man 25.09.2018
3. Es wäre wünschenswert,
wenn Herr Brinkhaus gewählt wird. Es könnte der Weg sein sich endlich auf die Nachfolge von Merkel zu konzentrieren und ihre Hausmacht zu durchbrechen. Ein längst überfälliges Unterfangen.
skeptikerjörg 25.09.2018
4. Könnte ich mir vorstellen
Brinkhaus wir Fraktionsvorsitzender und Kauder wird Kanzlerkandidat der CDU. Dass er sowohl Regierung wie auch vermitteln, verhandeln kann, hat er in allen politischen Funktionen bewiesen. Und dass er Kanzler könnte als Spahn, Laschet und die CDU "Kronprinzessinnen" ist meine Überzeugung. Und mit einem akzeptablen Nachfolgekandidaten könnte Angela Merkel sogar zum Ausstieg nach der Hälfte der Legislaturperiode bereit sein. Zumindest eine Überlegung wert.
Zottelbär 25.09.2018
5. Signal für Umsteuerung
Ralph Brinkhaus wäre als Vertreter der Mitte gut für diesen schwierigen Job geeignet. Er schreckt weder den linken noch den rechten CDU-Flügel ab. Verbale Ausfälle wie bei Herrn Kauder („In Europa wird wieder Deutsch gesprochen“) würde man von ihm kaum hören. Zusammen u. a. mit seinem Fraktionskollegen aus dem Nachbarwahlkreis, Carsten Linnemann, ließe sich Einiges umsteuern, nicht nur in der Steuerpolitik.
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