CDU-Führung Mensch Meyer

CDU-Chefin Angela Merkel fahndet nach Führung und Generalsekretär Laurenz Meyer nach dem Menschlichem. Gemeinsam soll das CDU-Konzept "kontrollierte Offensive" bringen.


Die CDU-Bosse: Angela Merkel und Laurenz Meyer
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Die CDU-Bosse: Angela Merkel und Laurenz Meyer

Berlin - "Mitten im Leben", lautet das Leitmotto der CDU. Nach der Plakat-Pleite mit den Schröder-Fotos in der vergangenen Woche fand sich Parteichefin Angela Merkel jedoch mitten im Beben wieder. Jetzt fahndet sie nicht mehr nach dem "Rentenbetrüger" Schröder, sondern nach innerer Führung. Rechtzeitig zum Wiederbeginn der Bundesliga verpasste Merkel der Partei am Montag auf der Präsidiumssitzung in Berlin eine Fußball-Taktik: Kontrollierte Offensive soll Eigentore verhindern und den Gegner unter Druck setzen.

Künftig wolle man einen eher leiseren Weg einschlagen, aber dennoch "klare Angriffe auf die Fehler der Regierung formulieren", erklärte Merkel. Und ihr Generalsekretär Laurenz Meyer lächelte dazu. Der Mann fürs Grobe gab am Montag den Zurückhaltenden und Geläuterten, zumindest vor laufenden Kameras. Bereits am Sonntag hatte er mit seinem Vorschlag eines Fairness-Paktes an die SPD Sympathiepunkte sammeln wollen. "Ich habe manches gelernt in der vergangenen Woche", sagte er am Montag handzahm und menschelte: "Gerade die enge persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Frau Merkel in dieser Zeit hat mich eher gestärkt als geschwächt". Mensch Meyer.

Merkel stellte sich vor ihren Generalsekretär und übernahm die Verantwortung für die Plakat-Panne. "Ich bin nicht der Typ, der dann lange rumnölt und irgendwo Schuldige sucht", erklärte sie. Die Botschaft sollte aber vor allem lauten: Ich führe, in guten wie in schlechten Tagen. Und jetzt sei die Sache erledigt. Fraktionschef Friedrich Merz hingegen hatte die Situation gleich genutzt, um sich zu distanzieren und profilieren. In keiner guten Verfassung sei die Partei, grübelte er öffentlich. Ob Merkel sich von ihm unfair behandelt fühlte und künftig alle Plakate von Merz absegnen lassen muss? Unsinn, wehrt Merkel ab. Interne Abstimmung sei ein ganz normaler Prozess, und die beiden hätten sich "friedfertig verständigt". Und dann sagte sie den bemerkenswerten Satz: "Unsere gemeinsamen Anliegen werden sich in der nächsten Krise beweisen."

"Säbel und Florett"

Bis dahin will die CDU es etwas ruhiger angehen lassen. Die etwas weniger groben Mittel seien "alternativlos, das hat sich in bitterer Weise vergangene Woche gezeigt", so Merkel. Doch dann hätte die Chefin auch an ihrem alten Generalsekretär Ruprecht Polenz festhalten können: Der hatte gehen müssen, weil ihm der Biss fehlte. Und jetzt soll Meyer vorläufig nicht mehr richtig zubeißen dürfen. "Er beherrscht ja Säbel und Florett", verteidigte Merkel ihren General, der in seiner Antrittspressekonferenz mal mit dem Satz aufgefallen war: Merkel könne sich nicht noch einen Missgriff leisten.

Den Mensch Meyer wird sie aber im Auge behalten müssen. Der zeigte sich zwar am Montag handzahm lächelnd. Aber nachdem die Fernsehkameras abgezogen waren, ließ er bei Vertrauten schon wieder den Säbel rasseln: Den SPD-Generalsekretär Müntefering habe er mit seinem Fairness-Pakt doch schön in die Defensive getrieben. Und überhaupt: Er habe auch viel Zustimmung zu dem Plakat gespürt. Vor allem an der Basis im heimischen Nordrhein-Westfalen, betonte Meyer. Ein Hinweis mit doppeltem Boden: Die Westfalen stehen hinter ihm, sagt er damit. Und damit der größte Landesverband der CDU, eine parteiinterne Hausmacht, die Merkel fehlt. Und noch einer kommt aus Nordrhein-Westfalen: Merkel-Konkurrent Friedrich Merz.



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