Debatte über Tötung auf Verlangen CDU-Generalsekretär will aktive Sterbehilfe verhindern

Die Debatte um ein Verbot der aktiven Sterbehilfe nimmt an Fahrt auf, die Debatte geht quer durch alle Parteien. Der neue CDU-Generalsekretär Peter Tauber spricht sich gegen Lockerungen aus - er wolle aktiver Sterbehilfe einen Riegel vorschieben.

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CDU-Generalsekretär Tauber: "Aktiver Sterbehilfe einen Riegel vorschieben"
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CDU-Generalsekretär Tauber: "Aktiver Sterbehilfe einen Riegel vorschieben"


Berlin - Es ist ein brisantes Thema: weil es jeden Menschen betreffen kann, weil es ethische und moralische Fragen aufwirft - gerade in Deutschland vor dem Hintergrund der NS-Zeit mit ihrem Mordprogramm an Behinderten, dem sogenannten Euthanasieprogramm. Schon lange wird in Deutschland über eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe debattiert, bald soll das Thema auch im Bundestag eine Rolle spielen. Über ein Verbot gewerbsmäßiger Sterbehilfe in Deutschland wird voraussichtlich nach großer Debatte ohne Fraktionszwang entschieden. Wann, das ist noch offen.

Aber Debatte hat begonnen. Nach einer heute veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit sind mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland für Sterbehilfe. Bei einer schweren Erkrankung möchten 70 Prozent der Befragten die Möglichkeit haben, etwa auf ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung zurückzugreifen, 22 Prozent der Befragten lehnen dies laut der Forsa-Umfrage unter 1005 Befragten für sich ab.

Der designierte CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat sich nun positioniert - wie manche andere Politiker auch. "Diese Umfrage zeigt: Es ist ein sensibles Thema, das sehr viele Menschen beschäftigt. Und deshalb ist es richtig, dass wir dazu im Bundestag eine breite Debatte führen", sagte er am Donnerstag SPIEGEL ONLINE. Die ganze Gesellschaft sei aber dazu aufgefordert.

Und was ist seine Haltung? "Ich persönlich möchte aktiver Sterbehilfe einen Riegel vorschieben. Der Spruch 'Mein Tod gehört mir' mag zunächst plausibel klingen. Wie will man aber eine Grenze ziehen, damit der Tod nicht plötzlich in den Händen von Angehörigen, Ärzten oder Krankenkassen liegt? Wir sollten es gar nicht so weit kommen lassen, sondern viel stärker über Alternativen wie Palliativmedizin oder die Hospizbewegung sprechen. Außerdem muss man stärker über die Möglichkeiten der Patientenverfügung informieren", so der CDU-Politiker.

Müntefering dagegen, Kubicki dafür

Aktive Sterbehilfe - also Tötung auf Verlangen - ist in Deutschland bereits verboten, Beihilfe zum Suizid dagegen nicht. Wer einem Todkranken beispielsweise Gift nur besorgt, macht sich also nicht strafbar. Innerhalb der EU ist Sterbehilfe in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg erlaubt.

Ähnlich wie Tauber hatte sich diese Woche auch der Fraktionsgeschäftsführer der Union im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, geäußert. "Es macht Sinn, eher an der Hand eines Menschen als durch die Hand eines Menschen zu sterben", brachte er seine persönliche Haltung zu dem Thema auf eine Formel.

Im Streit um ein Verbot gibt es keine Parteigrenzen. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering (SPD) - der nicht mehr dem Bundestag angehört - hatte kürzlich gegen die aktive Sterbehilfe plädiert: "Mein Tod gehört mir - da mache ich doch ein Fragezeichen dahinter." Die Diskussion um eine aktive Sterbehilfe bewertete der ehemalige Arbeitsminister als hochgefährlich. Mit der Patientenverfügung habe man schon heute erheblichen Einfluss darauf, in welchem Maße um das eigene Leben gekämpft werde. Auch Palliativmedizin und Hospizdienste böten Hilfe: "Diesen Weg sollten wir gehen."

Müntefering hatte sich 2007 eine Zeitlang aus der Politik zurückgezogen, um seiner krebskranken Frau beizustehen, die 2008 starb. "Sterben gehört zum Leben mit dazu - es ist verdammt schwer; wenn man es erlebt hat, weiß man es." Aber es sei sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen von großer Bedeutung, diesen Weg miteinander zu gehen.

Anders als Müntefering argumentiert der FDP-Vize Wolfgang Kubicki. "Es ist für mich von zentraler Bedeutung, dass Menschen das Recht haben, ihrem Leben unter Umständen selbstbestimmt ein Ende zu setzen", sagte der Liberale der Tageszeitung "Die Welt". Der Staat dürfe sich nicht anmaßen, den Bürgern eine solche Selbstbestimmung durch ein Gesetz kategorisch zu verbieten. Als Grund für seine Haltung nannte Kubicki auch eine persönliche Erfahrung: "Seit ich mitansehen musste, wie mein Bruder an seinem apallischen Syndrom langsam und qualvoll sterben musste, bin ich fest davon überzeugt, dass wir in Deutschland bestimmte Formen des begleiteten Suizids weiterhin erlauben sollten."

Kubicki verwies auf einen Gesetzentwurf der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), wonach kommerzielle Suizid-Begleitung verboten werden, andere Formen der Beihilfe zur Selbsttötung aber straffrei bleiben sollen. Der Vorstoß war in der vergangenen Legislaturperiode aber von der Union nicht mitgetragen worden.

Mit dpa



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insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
Der-Gande 16.01.2014
1. Sterbehilfe
Kann das nicht vielleicht der Betroffene entscheiden, wann und wie er geholfen werden möchte?
bumminrum 16.01.2014
2. Vorschriften und Weltanschauungen
von Politikern, welche anderen Menschen aufgezwungen werden, sind bei diesem persönlichen Thema absolut deplatziert. Wenn diese Herren keine Hilfe möchten können sie diese ja auch ablehnen. Umgekehrt gilt das nicht, da ist es eine reine weltanschauliche Bevormundung. Das sind dann auch die gleichen Leute, welche sinnlose Kampfeinsätze, wie in Afghanistan, mit toten Soldaten massiv befürworten.
Herr Hold 16.01.2014
3. Tja
Zitat von sysopDPADie Debatte um ein Verbot der aktiven Sterbehilfe nimmt an Fahrt auf, die Debatte geht quer durch alle Parteien. Der neue CDU-Generalsekretär Peter Tauber spricht sich gegen Lockerungen aus - er wolle aktiver Sterbehilfe einen Riegel vorschieben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-generalsekretaer-tauber-ist-gegen-aktive-sterbehilfe-a-943901.html
Das interessiert nur leider wenige was der Herr Tauber will. Und das ist auch gut so.
rvdf11974 16.01.2014
4. 70 Prozent!
Mein Gott wie weltfremd kann man nur sein? CDU halt...
gog-magog 16.01.2014
5.
Zitat von Der-GandeKann das nicht vielleicht der Betroffene entscheiden, wann und wie er geholfen werden möchte?
Das wäre menschlich. Aber Menschlichkeit suchen Sie in unserer Parteipolitik vergeblich.
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