Hamburg 2020 Aygül Özkan soll CDU-Spitzenkandidatin werden - trotz schwerer Krankheit

Aygül Özkan soll die Hamburger CDU als Spitzenkandidatin in die Bürgerschaftswahlen 2020 führen. Nun ist die 46-Jährige schwer erkrankt - die Parteispitze hält an ihr fest.

Aygül Özkan (Archiv)
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Aygül Özkan (Archiv)


Aygül Özkan war die erste muslimische Ministerin in Deutschland. Drei Jahre lang, von 2010 bis 2013, war sie in Niedersachsen verantwortlich für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration. Am Sonntag hat die Hamburger CDU-Führung verkündet, dass die 46-Jährige bei der Bürgerschaftswahl 2020 als Spitzenkandidatin antreten soll. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Özkan schwer erkrankt ist.

Die Hamburger CDU will dennoch an der Personalie festhalten, wie Fraktionschef André Trepoll und Landesverbandschef Roland Heintze erklärten. "Wir machen etwas, was in der hektischen Politik sonst unmöglich scheint, wir atmen durch und nehmen uns die Zeit, die Aygül Özkan braucht", sagte Trepoll. In rund einem halben Jahr soll klar sein, ob die Wunschkandidatin die Aufgabe antreten kann.

Özkan wurde 1971 in Hamburg geboren. Vater und Mutter waren in den Sechzigerjahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Nach ihrem Abitur studierte sie Jura. 2004 wurde sie Mitglied in der CDU und zog vier Jahre später in die Hamburgische Bürgerschaft ein. Sie wurde Fraktionssprecherin für Wirtschaft und Industrie sowie stellvertretende CDU-Landesvorsitzende.

2010 holte sie der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff in sein Kabinett. Als Ministerin in Niedersachsen erklärte sie, gegen Kruzifixe an staatlichen Schulen zu sein, damit löste sie einen Streit in der Union aus.

Nach der Wahlniederlage der niedersächsischen CDU 2013 schied sie zunächst aus dem Landtag aus, rückte später aber für den ausgeschiedenen David McAllister nach. Im Juli 2014 gab sie ihr Mandat jedoch auf, um in die Privatwirtschaft zu wechseln: Sie wurde Geschäftsführerin der DB-Tochtergesellschaft Kredit Service in Berlin. Diesen Job müsste sie aufgeben, wenn sie für die CDU in Hamburg antreten sollte.

Özkan soll die CDU aus der Krise führen

Zunächst bleibt offen, ob Özkan nach ihrer hoffentlichen Genesung tatsächlich kandidiert. In einer schriftlichen Erklärung zeigte sie sich geehrt, dass die CDU-Spitze sie um die Kandidatur gebeten habe. "Diese tolle Herausforderung, Hamburgs Erste Bürgermeisterin zu werden, kann ich im Moment aus persönlichen Gründen leider nicht annehmen", teilte die verheiratete Mutter eines Sohnes mit.

Özkan hatte die Hamburger CDU-Spitze am vergangenen Donnerstag über ihre Erkrankung informiert, offenbar einen Tag, nachdem sie selbst die Diagnose erhalten hatte.

Die CDU hatte bei der Bürgerschaftswahl 2015 nur 15,9 Prozent geholt - ein Minus von 6,0 Prozentpunkten. Im Anschluss an die Wahl sortierte sich die Partei neu. Zuletzt wurde bereits spekuliert, dass weder Heintze noch Trepoll bei der Wahl 2020 antreten wollen.

dop



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