Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

CDU in Baden-Württemberg: Grün vor Streit

Von , Stuttgart

Baden-Württembergs CDU-Chef Strobl (l.) und Spitzenkandidat Wolf Zur Großansicht
DPA

Baden-Württembergs CDU-Chef Strobl (l.) und Spitzenkandidat Wolf

Stuttgart weg, auch die anderen großen Städte weg, Rheinschiene weg: In Baden-Württemberg kann sich die CDU nur in den konservativsten Regionen behaupten. Wie soll da ein Bündnis mit den Grünen gelingen?

Im Gewusel des Wahlabends gab es einen Ort, an dem sich Christdemokraten bevorzugt mit der eigenen Niederlage vertraut machten: Im prächtigen Marmorsaal des Stuttgarter Schlosses, unter Putten und Kronleuchtern, hatte die Landtagsverwaltung große Bildschirme aufgebaut, auf denen die Endergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen einliefen.

Vor diesen Bildschirmen verharrten immer wieder einzelne Unionsabgeordnete mit einem Glas Wein in der Hand, um die Zahlen zu kommentieren: die großen Städte? Fest in grüner Hand. Das weitere Stuttgarter Umland? Bis auf die beiden Wahlkreise Backnang und Geislingen alle weg. Die Rheinschiene? Grün.

Selbst einstige schwarze Hochburgen wie Ravensburg oder Villingen-Schwenningen: einfach umgefärbt. "Das gibts doch nicht", sagte ein Abgeordneter.

Die einst erfolgsverwöhnte CDU musste in ihrem Stammland Baden-Württemberg eine historische Niederlage einstecken. Sie fiel mit 27 Prozentpunkten unter die 30-Prozent-Marke und damit hinter die Grünen zurück. Der künftigen CDU-Fraktion werden nur noch 42 Abgeordnete angehören statt wie bisher 60 (Lesen Sie hier die ausführliche Wahlanalyse).

Die Grünen erlangten auch zwei Drittel aller Direktmandate, bisher waren diese weit überwiegend in schwarzer Hand. Dominieren kann die Union nur noch im katholischen Oberschwaben und in der Nord-Ost-Ecke des Bundeslandes.

"Schwerer Tag für die CDU"

Der Hall des Wahlergebnisses reichte bis nach Berlin. Kanzlerin Merkel sprach von einem "schweren Tag für die CDU". Und in der Union brach umgehend Streit darüber los, woran es denn gelegen habe. "Der zentrale Grund ist die Flüchtlingspolitik", so CSU-Chef Horst Seehofer. Andere Politiker verteidigten den Kurs der Kanzlerin, auf eine europäische Lösung zu setzen.

Fotostrecke

7  Bilder
Baden-Württemberg: Gewinner und Verlierer der Wahl
Die CDU im Ländle steht nun vor der Frage, wie es denn weitergehen soll - im Verhältnis zur Kanzlerin und mit dem eigenen Regierungsanspruch. In der ersten Wochenhälfte fallen erste Richtungsentscheidungen: Am Montagabend trifft sich der CDU-Landesvorstand. Am Dienstag will sich Spitzenkandidat Guido Wolf erneut zum Fraktionsvorsitzenden wählen lassen. Am Mittwochnachmittag stehen die ersten Sondierungsgespräche mit den Grünen an.

Nach derzeitiger Sprachregelung setzt die Union bevorzugt auf eine Dreier-Koalition mit SPD und FDP: "Es gibt auch Mehrheiten jenseits der Grünen", sagte Wolf. "Wir wollen den Politikwechsel, wir wollen den Ministerpräsidenten stellen", äußerte sich der baden-württembergische CDU-Chef Thomas Strobl.

Der Anspruch könnte sich aber schnell als Papierforderung erweisen. Denn es ist wenig wahrscheinlich, dass die SPD mithilft, den populären Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aus dem Amt zu wählen und stattdessen dort den Unionspolitiker Wolf zu installieren.

Bleibt als einzige realistische Regierungsoption für die CDU: die Juniorpartnerschaft unter Führung der Grünen. Die Meinungen über Grün-Schwarz sind in der Partei geteilt. Parteichef Strobl, ein Vertreter des städisch-liberalen Flügels, könnte sich das Bündnis wohl vorstellen. Strobl, Fraktionsvize im Bundestag, wäre wohl auch der geeignete Mann, es mit der Rückendeckung Merkels zu orchestrieren.

Doch in der Landtagsfraktion gibt es erhebliche Widerstände. "Niemals" werde man ein Bündnis mit den Grünen eingehen, war am Wahlabend in den Fraktionssälen der CDU zu hören. Weil insbesondere viele Abgeordnete aus den Städten ihr Mandat verloren haben, ist die künftige Landtagsfraktion noch konservativer.

Wortmeldung von Mappus

Der Dissens zwischen den Flügeln begleitet die Südwest-CDU seit Jahren. Er eskalierte, als vor zwölf Jahren Günther Oettinger und Annette Schavan um die Nachfolge von Ministerpräsident Erwin Teufel konkurrierten. Er kam kurz wieder zum Vorschein, als Strobl und Wolf in einer Urwahl 2014 die Spitzenkandidatur unter sich ausmachten. Nun haben viele Unionsmitglieder Sorge, dass auf die Niederlage wieder großes Gezänk folgt.

Einiges wird davon abhängen, wie sich Spitzenkandidat Wolf zu Grün-Schwarz verhält. Vor der Wahl hatte er eine solche Lösung noch ausgeschlossen. Nach seinem Besuch bei Merkel am Montag hörte er sich schon anders an. "Formen der Zusammenarbeit" mit den Grünen seien denkbar, man müsse "alle Möglichkeiten ausloten".

Doch selbst falls Strobl und Wolf an einem Strang ziehen, dürften sie auf Widerstände stoßen. Das ließ sich am Wahlabend an einer unerwarteten Wortmeldung aus Pforzheim ablesen, die für Grün-Schwarz-Anhänger wie eine Drohung klingen musste: Der 2011 abgewählte Ministerpräsident Stefan Mappus riet seinen Parteifreunden via Interview mit der "Pforzheimer Zeitung" von einer Koalition mit den Grünen ab.

Falls sein Kreisverband ihn brauche, stehe er zur Verfügung, so Mappus. "Es lodert in mir, die CDU inhaltlich neu auszurichten."

Merkel im Video: "AfD-Erfolg ist kein Problem für CDU"

Die Wahlanalysen im Überblick

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 203 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ausgerechnet Mappus
mitt_romney 14.03.2016
Der Mann der ist durch sein zwielichtiges Verhalten die CDU komplett an die Wand gefahren hat will nun bei der Neuausrichtung unterstützen? Eher wird der Papst evangelisch.... Aber nicht den Eindruck dass die CDU und mit fünf Jahren Opposition irgendetwas anfangen konnte. Vielleicht dann doch grün rot gelb? In jedem Fall muss die so genannte "Deutschland-Koalition" mit zwei Wahlverlierern verhindert werden.
2.
citi2010 14.03.2016
Krestchmann macht's wie Merkel. Sie hat grüne Politik gekapert, aus reiner Lust an der Macht. Er kapert schwarze Politik, aus reiner Lust an der Macht.
3. Mappus
kp229 14.03.2016
Falls die Union in Ba-Wü der SPD auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit folgen will, gibt es keinen besseren Kandidaten als Mappus. Er holt vielleicht ein paar Stimmen von der AfD zurück, aber wird dann die restlichen wertkonservativen Wähler zu den Grünen treiben.
4.
oidahund 14.03.2016
Ich denke, dass mit Wolf nichts gehen wird. Er hat den Verlust eingefahren und ist viel zu eitel unter einem MP Kretschmann im Kabinet zu sitzen. Vielleicht ginge das mit Strobl. Es sollte nicht heißen, Mappus meldet sich aus dem Untergrund, sondern Mappus droht mit seiner politischen Wiederkehr. Mappus hat den Absturz mit seiner Dampfwalzenpolitik doch erst möglich gemacht. Er hat im Ländle kene Glaubwürdigkeit.
5.
badscooter 14.03.2016
das hat dem land gerade noch gefehlt - eine rückkehr von stefan mappus. ich hoffe, die spd fällt nicht um und verhindert schwarz-rot-gelb. ansonsten kann sie bei den nächsten wahlen einen erneuten einzug in den landtag vergessen. DAS vergessen die wähler niemals. wie kommt der wolf dazu, mit 17% umfragewerten gegen kretschmann mit einer biebtheit von 75% die regierung bilden zu wollen??? also vorsicht, spd. tut euch und uns das nicht an.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: