Reaktionen: NRW-CDU kritisiert Röttgens Rauswurf

Die nordrhein-westfälische CDU äußert sich "erschreckt" über das Aus für Norbert Röttgen als Bundesumweltminister. Auch der grüne Ministerpräsident Kretschmann bedauert die Entlassung. Die SPD bezeichnet Röttgens Rauswurf "als Beleg für den maroden Zustand der Regierung Merkel".

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Entlassener Minister Röttgen: "Persönlich ohne Fehl und Tadel"

Berlin - Die NRW-CDU stellt sich hinter den gefeuerten Umweltminister. Der Chef der Düsseldorfer Landtagsfraktion, Karl-Josef Laumann, kritisierte den Rauswurf scharf. "Die heutige Entlassung von Norbert Röttgen erschreckt mich. Ich verstehe nicht, dass Norbert Röttgen bis Sonntagabend 18 Uhr als der hervorragende Umweltminister galt, der er war, und heute entlassen wird", sagte Laumann am Mittwoch in Düsseldorf. Er gilt als einer von zwei möglichen Nachfolgern von Röttgen als NRW-CDU-Landeschef.

Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke. Röttgen habe als Minister einen "hervorragenden Job" gemacht und sei "persönlich ohne Fehl und Tadel", teilte der Röttgen-Vertraute mit. "Deshalb verwundert uns diese Entscheidung schon", fügte er hinzu.

Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, ebenfalls aus NRW, bemängelte die Art und Weise des Rauswurfes. "Ich hätte ihm im Amt eine zweite Chance gegönnt", sagte er "Zeit online". "Ein bisschen mehr Menschlichkeit würde uns ganz gut anstehen." Bosbach zeigte sich von der Entscheidung überrascht. "Das ging mit atemberaubender Geschwindigkeit", sagte er.

Bundestagspräsident Norbert Lammert bedauerte die Entlassung. Die Entscheidung sei für Röttgen, das Ressort und die CDU bedauerlich, sagte der Christdemokrat aus Bochum am Rande eines Jahresempfangs der Thüringer CDU-Landtagsfraktion in Erfurt. "Ich hätte mir eine andere Konstellation gewünscht." Er habe Röttgen hoch angerechnet, dass er direkt nach dem für die CDU dramatischen Wahlergebnis in NRW den Weg für einen personellen Neuanfang des Landesverbandes freigemacht habe.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bescheinigte Röttgen einen leidenschaftlichen Einsatz für die Energiewende. Sie sei sich aber sicher, dass sein designierter Nachfolger Peter Altmaier diesen Kurs fortsetzen werde.

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Norbert Röttgen: Absturz eines Musterschülers
Auch Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann bedauerte das Ausscheiden des Umweltministers. Dieser habe mit dem Land Baden-Württemberg "vertrauensvoll und sachorientiert" zusammengearbeitet. "Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung beim Endlagersuchgesetz, in dieser Frage von nationaler Bedeutung, weiterhin konstruktiv mit uns zusammenarbeitet, und erwarten, dass die Energiewende aktiv gestaltet und kraftvoll vorangetrieben wird", betonte Kretschmann.

Häme kam dagegen von Kretschmanns Berliner Parteikollegen Jürgen Trittin und Renate Künast: "Diese Regierung kann es nicht", sagten die beiden Bundestagsfraktionschefs. Schwarz-Gelb sei in zentralen Feldern der Politik handlungsunfähig - von der Energiewende bis zu Bildung und Haushalt. Von dieser Regierung habe das Land nichts mehr zu erwarten. Ausgerechnet Röttgens Nachfolger Peter Altmaier als einen Neuanfang zu verkaufen, sei ein "schlechter Scherz".

Für SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist Röttgens Entlassung ein "weiterer Beleg für den maroden Zustand der Regierung Merkel". Der Geschasste sei nicht nur als Wahlkämpfer in Nordrhein-Westfalen gescheitert, sondern auch bei der Umsetzung der Energiewende, sagte Nahles in Berlin. "Wie Röttgen nun von den eigenen Leuten weggemobbt wurde, beweist, welches Klima in der sogenannten bürgerlichen Koalition mittlerweile herrscht." Mit dem bisherigen CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier als Nachfolger schicke die Kanzlerin "ihr letztes Aufgebot", so Nahles. "Er ist ihre letzte Patrone im Lauf."

Der SPD-Fraktionsvize und Umweltexperte Ulrich Kelber sagte: "Wir werden nun vermutlich erleben, wie Schwarz-Gelb Röttgen auf billigste Art die Schuld an der total verkorksten Energiepolitik zuschiebt."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann, bezeichnete die Entlassung als "Verzweiflungsakt". Merkel opfere Röttgen, um sich selbst zu schützen. "Norbert Röttgen stand wie kein anderer für Merkels Kurs der gesellschaftlichen Modernisierung der CDU. Dieser ist mit seinem Rausschmiss gescheitert."

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sieht in der Entlassung ein grundsätzliches Zeichen für einen schlechten Zustand der schwarz-gelben Koalition. "In der Bundesregierung ist der Teufel los, da geht es zu wie in einem Tollhaus", sagte Beck in Mainz. Die Regierung sei tief zerrüttet und drohe, handlungsunfähig zu werden, warnte der Ministerpräsident.

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler trägt die Entscheidung von Angela Merkel hingegen voll mit. Die FDP sehe "in der Entscheidung der Bundeskanzlerin" zur Neubesetzung des Ministeramts "eine Fortsetzung der stabilen Zusammenarbeit in der Regierungskoalition".

syd/heb/dpa/dapd

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1.
audumbla 16.05.2012
Die CDU-NRW soll doch froh sein solch eine Negativbesetzung endgültig zum Teufel zu jagen, sie haben Herrn Röttgen ja schliesslich als Kandidaten gewählt. Als Bürger hätte ich dieses Desaster bereits vorher gewettet.
2. Meine Güte
robinson1959 16.05.2012
Zitat von sysopAPDie nordrhein-westfälische CDU äußert sich "erschreckt" über das Aus für Norbert Röttgen als Bundesumweltminister. Auch der grüne Ministerpräsident Kretschmann bedauert die Entlassung. Die SPD bezeichnet Röttgens Rauswurf "als Beleg für den maroden Zustand der Regierung Merkel". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833615,00.html
Ja, erschreckt bin ich auch. Es ist der blanke Hohn eine immer mehr schwächelnder Regierung. Gute Frau Merkel, bald haben Sie keine guten Minister mehr um sich. Mit Leuten, wie Betreuungsgeld-Hinterweltler Seehofer und Altmeier, tun Sie sich keinen Gefallen. Alle jungen, gut ausgebildete Menschen, verschwinden aus Ihrer Regierung. Bald haben auch Sie nur noch einen fast überalterten Haufen.
3. ...
larsberg 16.05.2012
Zitat von sysopAPDie nordrhein-westfälische CDU äußert sich "erschreckt" über das Aus für Norbert Röttgen als Bundesumweltminister. Auch der grüne Ministerpräsident Kretschmann bedauert die Entlassung. Die SPD bezeichnet Röttgens Rauswurf "als Beleg für den maroden Zustand der Regierung Merkel". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833615,00.html
Kommt mir so vor als ob die ATOM Befürworter die Gelegenheit am Schopf ergriffen haben und eine ungeliebten Minister entsorgt haben. Erkundungen neben Gorleben, auch in Süddeutschland, wird es unter dem neuen Minister wohl nicht mehr
4. Wenn Herr Rösler den Mund aufmacht,
yarx 16.05.2012
klappen bei mir die Ohren und Augen zu. Merken die eigentlich gar nicht, wie lächerlich die sich machen?
5. optional
motorholer 16.05.2012
merkel ist fdj - sekretärin für agitation und propaganda gewesen...das hat sie nicht verlernt... dass sie röttgen nicht vor der nrw - wahl gewarnt hat, das ihm bei rückkehr in muttis schoss mangels wahlerfolg in nrw sein amt nicht bleibt, liegt auf einer linie damit...sie rettet ihren hals...sie hat schon so viele weggebissen..jetzt auch rölttgen, der als umweltminister nicht der schlechteste in diesem absurditätenkabinett war....
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