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19. Juni 2013, 06:05 Uhr

Werber für Merkels Wahlkampf

Ex-SPD-Mann soll die CDU entstauben

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Der Werber Lutz Meyer soll die CDU für den Wahlkampf flottmachen. Einst führte er mit der SPD-"Kampa" Gerhard Schröder zum Sieg, nun arbeitet er für Angela Merkel. Seine Mission: die Kanzlerin zur Anführerin der letzten Volkspartei zu stilisieren.

Seit einigen Wochen hat Angela Merkel einen neuen Lieblingsplatz. Der langweilige Besprechungsraum in der Berliner Parteizentrale hat sich in eine Art Lounge verwandelt. Im "Deutschlandzimmer" stehen jetzt gemütliche Sessel und ein großer Tisch mit Stühlen aus allen 16 Bundesländern, an den Wänden hängen Postkarten.

Das neue "coole" Wohnzimmer im Konrad-Adenauer-Haus hat ein Mann gestaltet, dem Angela Merkel viel zutraut. Lutz Meyer, Chef der Berliner Werbeagentur Blumberry, soll im Auftrag der Parteivorsitzenden nicht nur die Wahlkampagne entwerfen; sein Mandat geht weit darüber hinaus: Meyer soll aus der angestaubten CDU eine schlagkräftige, modern wirkende Organisation machen.

Der Werber ist ein Mann mit ausgewiesener Expertise. Meyer hat sein Handwerk bei einem Profi gelernt. Er war 2002 die rechte Hand von Matthias Machnig, dem Erfinder der legendären SPD-"Kampa", die 1998 in erster Auflage als letzter Schrei modernen Wahlkampfs nach amerikanischem Vorbild galt.

Die Berufung Meyers ist das Ergebnis von Merkels neuestem Raubzug. Ob Mindestlohn oder Mietpreisbremse - bislang hat sie nur die Themen des politischen Gegners übernommen. Jetzt bedient sie sich auch noch beim Personal.

Neuer Look für alte Ideen

Eine gewisse Wendigkeit in weltanschaulichen Fragen gilt in der Merkel-CDU als Pluspunkt. Meyer verfügt in diesem Punkt über die nötige Qualifikation. Der langjährige Sozialdemokrat hat sein Parteibuch 2005 zurückgegeben.

Mit 15 Jahren Verspätung ist der amerikanische Wahlkampf damit auch in der CDU angekommen, Meyer soll aus der CDU-Zentrale so etwas wie eine Kampa für Konservative machen. "Wir wissen, dass Meyer kein Christdemokrat ist", sagen Merkels Vertraute, "die entscheidende Frage ist aber: Bringt er was Neues?"

Ganz wohl ist der Partei bei so viel Beliebigkeit nicht. Wer sich bei Blumberry um einen Termin mit dem Chef bemüht, bekommt umgehend einen Rückruf aus der CDU-Pressestelle. Beim Hintergrundgespräch mit Meyer sitzen sicherheitshalber zwei CDU-Leute mit im Raum.

Dabei wird Meyers Kampagne kaum für Überraschungen sorgen. Die CDU soll im Wahlkampf zur letzten überlebenden Volkspartei stilisiert werden. Über allem schwebt Merkel. In ihrem Wahlprogramm verspricht sie jedem etwas: mehr Geld für Kinder, für Rentnerinnen, für Straßen. Es sind alte Ideen ohne Kraft, Meyer soll sie im verschärften CDU-Orange möglichst grell bewerben.

Events statt Parteiveranstaltungen

Im Adenauer-Haus gefällt das nicht allen. Allein dass Blumberry den Auftrag für die CDU-Kampagne bekommen hat, empfinden altgediente Apparatschiks als Kampfansage. "Die Auswahl der Agentur ist ein Misstrauensvotum gegen das Adenauer-Haus", sagt einer von ihnen.

Für treue Parteisoldaten ist die CDU ein Stück Heimat, für Männer wie Meyer ist sie eine Marke. Wie Waschmittel, Fischstäbchen - oder die SPD. Und so hat sich Meyer nach der Neugestaltung des Besprechungszimmers an den Internetauftritt der Partei gemacht. Was nicht ins moderne Design passte, wurde flink verbannt, darunter große Teile des Online-Archivs mit alten Beschlüssen.

Seitdem findet man auf der Website zwar leichter zur Facebook-Seite der Parteichefin, Inhalte allerdings sind zweitrangig. "Eine Botschaft des Tages statt 40 Themen", ist Meyers Devise.

Auch die Parteiveranstaltungen sollen fluffiger werden. Wenn die Union am kommenden Montag ihr Wahlprogramm präsentiert, wird es keinen langweiligen Parteitag mehr geben. Stattdessen findet ein durchinszeniertes Event in den ehemaligen Opernwerkstätten in Berlin-Mitte statt. Dort, wo sonst gern Modenschauen abgehalten werden.

Meyer verhalf bereits Gerhard Schröder zum Wahlsieg

Die Minister von der Leyen, Schäuble und Aigner sollen Programmhäppchen servieren, während sich CSU-Chef Horst Seehofer und Angela Merkel als harmonisches Paar inszenieren werden.

Merkel blickt mit Wohlgefallen auf Meyers kleine Revolution. Berührungsängste mit SPD-Leuten kannte sie ohnehin nie. In der Zeit der Großen Koalition fasste sie schnell Vertrauen zu Vizeregierungssprecher Thomas Steg, einem Sozialdemokraten. Und in der Finanzkrise griff sie auf das Fachwissen von Jörg Asmussen zurück. Der SPD-Mann durfte Staatssekretär im CDU-Finanzministerium bleiben.

Meyer weiß, was von ihm gefordert wird. Der letzte Bundeskanzler, dem er beim Wahlsieg geholfen hat, hieß Gerhard Schröder. Doch schon jetzt hat der frühere Sozialdemokrat die wichtigste Regel im Merkel-Universum verinnerlicht: unbedingte Loyalität.

Merkel "wägt ab und trifft die richtige Entscheidung", lobte er seine Auftraggeberin vergangene Woche bei einem Kongress in Berlin. "Mit der Kanzlerin zusammenzuarbeiten", flötete der Werber, "macht ausgesprochen Spaß."

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes konnte der Eindruck entstehen, Lutz Meyer sei bei der SPD-Wahlkampagne im Jahr 1998 eine tragende Rolle zugekommen. Dem war nicht so. Meyer war zwar Mitarbeiter, jedoch nicht in führender Funktion. Zur rechten Hand des damaligen SPD-Bundesgeschäftsführers Matthias Machnig wurde er dann erst hin zur SPD-Kampagne 2002.

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