Von Philipp Wittrock, Wilhelmshaven
Sie nimmt seinen Namen einfach nicht in den Mund. Nicht, wenn es im Bundestag zum direkten Rededuell kommt. Nicht, wenn die eigenen Anhänger im Wahlkampf mal eine Attacke gegen die Konkurrenz erwarten. Angela Merkel sagt einfach nichts zu Peer Steinbrück. Sie ignoriert ihren Herausforderer von der SPD einfach. Bisher ist sie mit dieser Strategie gut gefahren: Ihre Umfragewerte und jene der CDU steigen, die Sozialdemokraten machen kaum Boden gut.
Also bleibt die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende auch am Samstagmittag dabei, als sie nach der traditionellen Jahresauftaktklausur des Bundesvorstands ihrer Partei in Wilhelmshaven vor die Presse tritt. Und dennoch setzt sie - ohne viele Worte zu verlieren oder gar seinen Namen zu nennen - eine erste, kleine Spitze gegen Steinbrück.
Als ein Reporter wissen will, ob sie mit dem zurzeit eher unglücklichen Agieren des SPD-Spitzenkandidaten zufrieden ist, lächelt Merkel süffisant und sagt dann: "Ehrlich gesagt, ich kümmere mich um mein Agieren. Damit bin ich ganz zufrieden. Den Rest kommentieren andere." Was man wohl getrost so verstehen darf, dass ihr die Kommentare der "anderen" durchaus gefallen. Nach einer kurzen Pause schiebt die CDU-Chefin noch hinterher: "Im Allgemeinen sage ich, was ich denke."
Auch diesen Satz darf Steinbrück als Seitenhieb verstehen. Im "Tagesspiegel am Sonntag" hat der SPD-Mann nämlich gerade noch einmal in Sachen Kanzlergehalt nachgelegt und seine viel diskutierten Aussagen bekräftigt, dass er den deutschen Regierungschef im Vergleich zu anderen Berufen für unterbezahlt hält. "Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat", betont Steinbrück da und verspricht, auch in Zukunft nicht nur laut auszusprechen, was opportun erscheine. "Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage."
Gleichwohl räumt der Sozialdemokrat ein, dass seine Äußerung bei Geringverdienern missverstanden werden könnte. "Natürlich kann man davon gut leben." Vor allem aus der Perspektive einer alleinerziehenden Frau mit tausend Euro monatlich. Den Schluss, er selbst wünsche sich ein höheres Einkommen, wenn er Kanzler werden sollte, wehrt Steinbrück entschieden ab. "Das ist wirklich Unfug." Wem die Entlohnung nicht reiche, der sollte sich nicht bewerben. In diesem Sinne hatte sich zuletzt auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geäußert.
Steinbrück hatte kurz vor dem Jahreswechsel in einem Interview beklagt, dass nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen mehr verdiene als der Kanzler. Für seine Beschwerde erntete der 65-Jährige viel Spott - auch aus den eigenen Reihen.
Mit Material von dapd
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