SPD-Kandidat Steinbrück: Merkels kleine Sticheleien

Von , Wilhelmshaven

Einfach ignorieren - so lautet bisher die Strategie Angela Merkels in der Auseinandersetzung mit Peer Steinbrück. Der Linie bleibt sie auch bei der CDU-Vorstandsklausur treu. Und doch lässt sie wissen, dass ihr das unglückliche Auftreten ihres SPD-Herausforderers durchaus gefällt.

Merkel auf CDU-Klausurtagung: "Ich kümmere mich um mein Agieren" Zur Großansicht
dapd

Merkel auf CDU-Klausurtagung: "Ich kümmere mich um mein Agieren"

Sie nimmt seinen Namen einfach nicht in den Mund. Nicht, wenn es im Bundestag zum direkten Rededuell kommt. Nicht, wenn die eigenen Anhänger im Wahlkampf mal eine Attacke gegen die Konkurrenz erwarten. Angela Merkel sagt einfach nichts zu Peer Steinbrück. Sie ignoriert ihren Herausforderer von der SPD einfach. Bisher ist sie mit dieser Strategie gut gefahren: Ihre Umfragewerte und jene der CDU steigen, die Sozialdemokraten machen kaum Boden gut.

Also bleibt die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende auch am Samstagmittag dabei, als sie nach der traditionellen Jahresauftaktklausur des Bundesvorstands ihrer Partei in Wilhelmshaven vor die Presse tritt. Und dennoch setzt sie - ohne viele Worte zu verlieren oder gar seinen Namen zu nennen - eine erste, kleine Spitze gegen Steinbrück.

Als ein Reporter wissen will, ob sie mit dem zurzeit eher unglücklichen Agieren des SPD-Spitzenkandidaten zufrieden ist, lächelt Merkel süffisant und sagt dann: "Ehrlich gesagt, ich kümmere mich um mein Agieren. Damit bin ich ganz zufrieden. Den Rest kommentieren andere." Was man wohl getrost so verstehen darf, dass ihr die Kommentare der "anderen" durchaus gefallen. Nach einer kurzen Pause schiebt die CDU-Chefin noch hinterher: "Im Allgemeinen sage ich, was ich denke."

Auch diesen Satz darf Steinbrück als Seitenhieb verstehen. Im "Tagesspiegel am Sonntag" hat der SPD-Mann nämlich gerade noch einmal in Sachen Kanzlergehalt nachgelegt und seine viel diskutierten Aussagen bekräftigt, dass er den deutschen Regierungschef im Vergleich zu anderen Berufen für unterbezahlt hält. "Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat", betont Steinbrück da und verspricht, auch in Zukunft nicht nur laut auszusprechen, was opportun erscheine. "Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage."

Gleichwohl räumt der Sozialdemokrat ein, dass seine Äußerung bei Geringverdienern missverstanden werden könnte. "Natürlich kann man davon gut leben." Vor allem aus der Perspektive einer alleinerziehenden Frau mit tausend Euro monatlich. Den Schluss, er selbst wünsche sich ein höheres Einkommen, wenn er Kanzler werden sollte, wehrt Steinbrück entschieden ab. "Das ist wirklich Unfug." Wem die Entlohnung nicht reiche, der sollte sich nicht bewerben. In diesem Sinne hatte sich zuletzt auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geäußert.

Steinbrück hatte kurz vor dem Jahreswechsel in einem Interview beklagt, dass nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen mehr verdiene als der Kanzler. Für seine Beschwerde erntete der 65-Jährige viel Spott - auch aus den eigenen Reihen.

Mit Material von dapd

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Unfair
TheBear 05.01.2013
Zitat von sysopEinfach ignorieren - so lautet bisher die Strategie Angela Merkels in der Auseinandersetzung mit Peer Steinbrück. Der Linie bleibt sie auch bei der CDU-Vorstandsklausur treu. Und doch lässt sie wissen, dass ihr das unglückliche Auftreten ihres SPD-Herausforderers durchaus gefällt. ...merkel-stichelt-gegen-steinbrueck...
Eigentlich unfair, dass Merkel gegen Steinbrück stichelt. Ist doch wohl ein von der CDU eingeschleusster und bezahlter(!) V-Mann. Da er gute Arbeit leistet, sollte sie nicht so gemein zu ihm sein.
2. Merkel und Steinbrück sind für die kommende Wahlperiode
haaf 05.01.2013
ungeeignet. Denn Sie haben das Schuldenloch mit herbeigeführt durch Übernahme von Euro-garantien für Schulden konkurser Euroländer und durch die Übernahme von Bankenverlusten der ersten Bankenrettung. Jährliche Belastung der ersten Bankenrettung ca 10 Mrd € jährlich. Jetzt werden noch Euro-Garantien fällig, was über kurz oder lang die Pleite auch der BRD bedeutet. Deshalb braucht es dringend die Wahlalternative 2013. Infomieren Sie sich unter: www.wa2013.de - über die Alternative zu Steinbrück und Merkel. Es ist auch eine Alternative zu Grün, FDP, ...
3. Noch hat Frau Merkel nicht gewonnen da kann ihre Frau Baumann
luxus64 05.01.2013
Beate auch nicht helfen denn die bleibt ja immer im Hintergrund. Lasst erst einmal den Steinbrück richtig auftauen dann kann die Merkeln auch nicht mehr punkten. Die freut sich zu früh jetzt schon gewonnen zu haben. Auch Merkel fällt jämmerlich auf die Sch---e oder wie sagte mal Pufalla zu einem FDP-Politiker " Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen". Kommt Zeit kommt Rat bis zum 201.01.2013 vergehen noch viele Minuten und Stunden wo die SPD punkten wird.
4. hahaha
Willi Wacker 05.01.2013
Zitat von luxus64Beate auch nicht helfen denn die bleibt ja immer im Hintergrund. Lasst erst einmal den Steinbrück richtig auftauen dann kann die Merkeln auch nicht mehr punkten. ... Kommt Zeit kommt Rat bis zum 201.01.2013 vergehen noch viele Minuten und Stunden wo die SPD punkten wird.
heute richtig gelacht :)) Ein bis zwei Wochen gebe ich Sb, aber dann wird er wieder beweisen wollen, welch überlegene Intelligenz in ihm tobt. Und er wird sich wieder an seiner Formulierungskunst ergötzen wollen. Was würde er wohl von sich geben, wenn man ihn nach den Antisemitismusvorwürfen gegen Augstein befragte...?
5. Hochmut kommt vor dem Fall
schillerfocke 05.01.2013
und so sicher wie das Amen in der Kirche, das für Merkel ein Fremdwort ist, wird die Hochnäsige richtig tief in der Sch... paddeln. Das wird nicht nur ein Augenschmaus für dieses Land.
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