Verjüngung der CDU Die U50-Reserve

Die CDU muss jünger werden, fordern Angela Merkels Kritiker. Dabei haben sie vor allem das künftige Kabinett im Blick. In den Ländern hat sich dagegen schon einiges getan.

Angela Merkel und Daniel Günther (im Mai 2017)
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Angela Merkel und Daniel Günther (im Mai 2017)

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Angela Merkel war mal die Jüngste im Kabinett. Im Januar 1991 wurde sie Bundesministerin für Frauen und Jugend, berufen vom damaligen Kanzler Helmut Kohl. 36 Jahre alt war Merkel, als ihre politische Karriere mit dem Regierungsamt an Fahrt gewann. Mit 45 übernahm sie den CDU-Vorsitz.

Lang, lang ist's her.

Inzwischen führt Merkel die Partei seit 18 Jahren, seit zwölf Jahren ist sie Kanzlerin. Das Nesthäkchen unter den christdemokratischen Bundesministern ist heute Hermann Gröhe - er ist 57. Volker Kauder, der 68-jährige Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, macht den Job seit 2005.

Da wundert es nicht, dass in der CDU die Rufe nach einer Verjüngung der Spitze immer lauter werden. "Wir brauchen neue und frische Gesichter", fordert der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak. "Frische Köpfe" verlangt auch Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung. Es müsse eine Verjüngung geben, mahnt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther.

Günther selbst ist ein gutes Beispiel, wie die Erneuerung aussehen kann. Denn in den Ländern hat sich schon einiges getan in der Union, das wird beim Blick auf die müden Gesichter des Berliner Politikbetriebs in diesen Tagen oft vergessen.

Jüngster Ministerpräsident im Saarland

44 Jahre ist Günther, er gehört zu einer überschaubaren Riege junger CDU-Regierungschefs, die irgendwann vielleicht auch in die Bundespolitik streben. Vor ein paar Wochen hat Michael Kretschmer, 42, die Regierungsgeschäfte in Sachsen übernommen. Im Saarland wird an die Stelle von Annegret Kramp-Karrenbauer, die als CDU-Generalsekretärin nach Berlin wechselt, ein Mann namens Tobias Hans rücken. Er wäre mit 40 Jahren der jüngste Ministerpräsident in Deutschland.

Und auch dort, wo die CDU nicht regiert, sitzen vielerorts Vertreter der Generation U50. Die meisten sind einer breiteren Öffentlichkeit bisher nicht bekannt:

Nun lässt sich natürlich darüber streiten, ob jemand mit 40 oder 46 noch zu den ganz Jungen gehört. Immerhin ist Sebastian Kurz, der Bundeskanzler des Nachbarlandes Österreich, mit 31 noch eine ganze Ecke jünger.

Allerdings liegt das Durchschnittsalter der CDU-Mitgliedschaft bei etwa 60 Jahren. Der engste Führungszirkel aus der Parteichefin, ihren fünf Stellvertretern und der künftigen Generalsekretärin kommt auf einen Schnitt von etwa 54 Jahren. Von den übrigen gewählten Mitgliedern aus Präsidium und Vorstand sind fast 80 Prozent älter als 50. Insofern kann die Garde aus den Ländern getrost unter Nachwuchs verbucht werden.

Wo sind die Frauen?

Allerdings: Unter den christdemokratischen Hoffnungsträgern aus den Ländern ist nur eine Frau. Julia Klöckner, die Landeschefin aus Rheinland-Pfalz, Jahrgang 1972, ist bereits stellvertretende Bundesvorsitzende. Sie ist populär in der Partei und galt schon mal als Kanzlerinnen-Kronprinzessin - zwei Wahlniederlagen haben sie jedoch zurückgeworfen. Nun könnte sie ins nächste Merkel-Kabinett aufrücken und so Teil der Erneuerung werden.

Das war es dann aber auch schon mit der weiblichen Verjüngung in der allerersten Reihe. Dass Merkel die bisherige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Generalsekretärin machen will, hat zwar viele positiv überrascht. Mit 55 ist sie aber auch zwölf Jahre älter als ihr Vorgänger Peter Tauber.

Für die Ministermannschaft gehandelt werden aus der Riege der unter 50-Jährigen ansonsten noch Helge Braun, 45, und Jens Spahn, 37. Vor allem auf Spahn richten sich derzeit die Blicke, wenn von der Neuaufstellung der Partei die Rede ist. Er gilt als Hoffnung all derer, denen die Merkel-CDU zu sozialdemokratisch geworden ist.

Es darf allerdings bezweifelt werden, dass die öffentliche Aufmerksamkeit, die Spahn bisweilen zuteil wird, auch dem Grad der Unterstützung in der Partei entspricht. Keineswegs wartet die CDU geschlossen darauf, dass Spahn irgendwann Kurs aufs Kanzleramt nimmt.

Neben ihm bleibt also genügend Raum für die jungen Kräfte aus den Ländern, sich in den kommenden Jahren für die Nach-Merkel-Ära zu empfehlen. Daniel Günther kannte vor etwa einem Jahr außerhalb Schleswig-Holsteins fast niemand. Inzwischen zählt er sich schon selbstbewusst zur "Führungsreserve" der Union.



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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
miriam_rosenstern 22.02.2018
1. Kosmetischer Formalismus
Was bedeutet "Jugend" in einer Partei, die nichts mehr fürchtet als Dynamik und jegliches Heute und Morgen mit Verwaltungstechniken vernichtet? Nichts weiter als ein kosmetischer Formalismus durch numerische Altersangabe. Jugend gab es dort noch nie.
mullertomas989 22.02.2018
2. In Hamburg...
... braucht die CDU noch mehr interessante Personen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Hamburg Andre Trepoll zum Bürgermeister wählen würde... Er macht das, was ein Oppositionspolitiker tun muss, aber als Regierungschef werden ihn ganz sicher die meisten nicht wollen....
Mister Stone 22.02.2018
3.
Alter (max 50), Geschlecht (w) und Bundeslandzugehörigkeit ("neue" Bundesländer) beweisen Tauglichkeit und Befähigung, Deutschland zu regieren. Vita, Bildung, fachliche Qualifikation und berufliche Erfahrung sollten keine Rolle spielen dürfen.
Beccaria 22.02.2018
4. Das Alter ist nicht entscheidend
wichtiger ist die Lebenserfahrung, was auch die beruflichen Erfahrungen in anderen Feldern als der Politik mit einschließt. Und wenn ich mir die Lebensläufe der vorgestellten Personen anschaue, meist Berufspolitiker. Dann wird es weiter so gehen wie bisher, riesige Stäbe in den Parlamenten, 1 Milliarde Steuergelder pro Jahr für die Stiftungen der pol. Parteien. Dass ich als Steuerzahler künftig für die sog. Stresemannstiftung der AfD zahlen muss, macht mich sprachlos.
Wolfgang Heubach 22.02.2018
5. Alles nur oberflächliche politische Kosmetik
Mit Frau Merkel wird es keinerlei Erneuerung der CDU geben. Bestenfalls oberflächliche politische Kosmetik. So wird auch Frau Kramp-Karrenbauer nichts zu melden haben. Wie es geht, hat Frau Merkel in der heutigen Bundestagsdebatte zum EU-Gipfel unter Beweis gestellt: Allgemeine Floskeln, dürre Worte, inhaltsleer. Wie immer. Nichts Konkretes. Schwammig.
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