CDU-Nachwuchs in Duisburg Jung, wild, betrunken

Mitglieder der Jungen Union gelten gemeinhin als strebsam und brav. Nun soll eine Bildungsreise von CDU-Nachwuchspolitikern aus Duisburg ausgeartet sein. Es geht um viel Alkohol, demolierte Hotelzimmer und zwei junge Frauen.

"Junge Macher": So wirbt die Junge Union gerne für sich
dapd

"Junge Macher": So wirbt die Junge Union gerne für sich

Von Anna Fischhaber


Berlin - Sie sind adrett gekleidet, legen Wert auf moderne Politik und ein wenig Spaß. So bieder stellt sich die Junge Union Duisburg zumindest auf ihrer Homepage vor. Doch was sich die konservativen Nachwuchspolitiker jetzt geleistet haben sollen, hat mit Spaß nicht mehr viel zu tun. Es erinnert eher an die rüpelhaften Eskapaden einer Punkband. Es geht um demolierte Hotelzimmer, Randale und Alkohol am Steuer - und das alles auf einer "Bildungsfahrt" nach Berlin.

Anfang Oktober machte sich eine achtköpfige Reisegruppe der Jungen Union Duisburg auf den Weg in die Hauptstadt. Auf dem Programm standen unter anderem der Besuch des Holocaust-Mahnmals und ein Treffen mit einem CDU-Bundestagsabgeordneten. Nun erheben zwei Teilnehmerinnen schwere Vorwürfe. Sie beschreiben die Reise in einer E-Mail als "Sauftour". Ein Ausstellungsbesuch und eine Stadtrundfahrt seien ausgefallen. Auch dem Mahnmalbesuch konnten die Mitreisenden nichts abgewinnen - zu "langweilig" hätten sie befunden.

Stattdessen sei Alkohol gekauft worden, und die jungen Männer hätten begonnen, im Hotel zu randalieren. Die Mädchen verschanzten sich nach eigener Darstellung in ihrem Zimmer. Ein JUler habe nachts auf der Straße "Jesus Christus" gebrüllt. Eine Angestellte der Berliner Pension Elegia bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass eine Tür eingetreten worden sei, andere Gäste hätten schließlich die Polizei gerufen. "Das bezahle ich nicht, das bezahlt die Partei", soll ein Teilnehmer später gesagt haben. Für die Rückreise kauften sich die Mädchen ein Zugticket, weil der JU-Fahrer zuvor auch alkoholisiert gefahren sein soll.

"So einen Nachwuchs können wir nicht gebrauchen"

Auch der Duisburger JU-Vize nahm an der Berlin-Reise teil. Er hält die Vorwürfe für übertrieben. Nicht die Mitglieder der Jungen Union hätten die Tür beschädigt. Den Mädchen habe man einen Hotelwechsel und die Rückreise in einem anderen Auto angeboten, was sie aber nicht angenommen hätten. Dennoch kündigte er am Donnerstagabend seinen Rücktritt an - "zum Schutz seiner eigenen Person" und um Schaden von der CDU abzuwenden.

Die CDU Duisburg ist nun bemüht, die Wogen zu glätten. Nach der Loveparade-Katastrophe und dem Streit um CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland kann man weitere Skandale nicht gebrauchen. Doch vereinzelt fordern Parteimitglieder eine härtere Gangart : "Belästigung, Gewalt, Alkohol am Steuer, der normale Bürger wird für so etwas bestraft", sagt Alois Fischer, Vorstandsmitglied der CDU Duisburg-Homberg. "So einen Nachwuchs können wir nicht gebrauchen."

Andere Parteikollegen sind zurückhaltender - und setzen auf interne Schlichtung hinter verschlossenen Türen. Am Mittwoch traf sich der Kreisvorstand mit der JU. Die Mädchen waren nicht anwesend, nun soll ein zweites Treffen mit ihnen stattfinden. Geklärt wurde bislang nur, dass die Berlinreise nun doch nicht als "Bildungsfahrt" über öffentliche Gelder abgerechnet wird. Aber auch in den Reihen der Jungen Union Nordrhein-Westfalen wird Kritik laut. Einige Mitglieder können mit dem wilden Ausflug der Parteikollegen nichts anfangen, verkaufen sie sich doch sonst gerne als konservative Macher mit guten Manieren. Sie haben nun ein Landesschiedsgerichtsverfahren beantragt, Juristen prüfen den Sachverhalt.

In Duisburg arbeitet der CDU-Nachwuchs derweil an einem Verhaltenskodex für Reisen der Jungen Union, damit die Bildung künftig wieder im Vordergrund steht.

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