CDU-Panne: Brutto, netto, Merkel

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Gleich in zwei Interviews hat Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel diese Woche Brutto und Netto verwechselt. Die SPD freut sich. Finanzminister Hans Eichel sprach ihr sofort die Finanzkompetenz ab. Dabei haben auch die Genossen ein Rechenproblem.

Angela Merkel: "Maßlos überfordert"
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Angela Merkel: "Maßlos überfordert"

Berlin - Mit der Mathematik haben es die wenigsten Politiker. Der ehemalige Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) blamierte sich einst, als er nicht wusste, wie viele Nullen eine Billion hat. SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping brachte im Wahlkampf im März 1994 Brutto und Netto durcheinander und lieferte der Union so die Vorlage, seine Wirtschaftskompetenz anzuzweifeln.

Dass allerdings auch die promovierte Physikerin Angela Merkel beim Rechnen ins Rutschen kommt, erstaunt denn doch. Zweimal bereits warf die Kanzlerkandidatin der Union diese Woche Brutto und Netto durcheinander.

Zunächst unterlief ihr der Fehler im ARD-Interview am vergangenen Sonntag. Da sagte Merkel, die Bruttolöhne würden um ein Prozent sinken, wenn man die Sozialbeiträge um ein Prozent senke. Das ist falsch. Was sie meinte, ist: Der Nettolohn steigt. Der Versprecher wurde im Abdruck des Interviews auf der CDU-Homepage klammheimlich verbessert.

Damit nicht genug: In einem Interview in der neuen "Bunten", die am Donnerstag erscheint, macht sie den gleichen Fehler noch einmal. Zum Absenken der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erklärt Merkel: "Das bedeutet für die Arbeitnehmer ein Prozent mehr Bruttolohn".

Für Scharping hatte die Brutto-Netto-Verwechslung damals erhebliche Folgen. Sein Rivale Kohl nutzte den Patzer im Wahlkampf weidlich aus. Vollends zum Gespött wurde Scharping zwei Jahre später, als er im Bundestag über Löhne in Mexiko dozierte und die Aussage wagte, ein mexikanischer Arbeitnehmer habe nach Abzug der Steuern mehr in der Tasche als ein deutscher - prozentual gesehen. "Brutto, Netto, Mexiko", jubilierte damals die Union, wann immer die Sprache auf den glücklosen SPD-Oppositionsführer kam.

SPD-Aufkleber: "Das Leben ist komplizierter als ein Physiklabor"

SPD-Aufkleber: "Das Leben ist komplizierter als ein Physiklabor"

Dieser Tradition eingedenk frohlocken nun die Wahlkämpfer bei der SPD und wittern eine Chance, "Brutto-Netto-Merkel" zu beschädigen. "Frau Merkel kann ohne Aufpasser keine Interviews geben", höhnt Generalsekretär Klaus Uwe Benneter. "Deutlich wird: Frau Merkel hat Schwierigkeiten, brutto und netto zu unterscheiden. Das Leben ist komplizierter als ein Physiklabor."

Finanzminister Hans Eichel zweifelt an Merkels Kompetenz. "Gleich zwei eklatante Patzer in einer Woche lassen kein gutes Urteil über die zukünftige Finanzpolitik", sagte der SPD-Politiker. Das zeige, dass Merkel in Haushaltsfragen "maßlos überfordert" sei.

Dabei sitzen die Genossen im Glashaus. Ihre Wahlkampf-Plakate, Flyer und Aufkleber gegen die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 18 Prozent enthalten nämlich einen Rechenfehler. So heißt es auf einem Aufkleber: "Ich koste zwei Prozent mehr".

Damit stellen auch die Sozialdemokraten mangelnde Mathematikkenntnisse unter Beweis. Wenn die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht wird, steigt der Gesamtpreis des Produkts nicht um zwei Prozent, sondern nur um 1,7 Prozent. Ein Produkt, das jetzt zehn Euro plus 1,60 Euro Mehrwertsteuer kostet, würde nach der Steuererhöhung zehn Euro plus 1,80 Mehrwertsteuer kosten. Der Unterschied zwischen 11,60 und 11,80 Euro beträgt aber nur 1,7 Prozent.

Richtig müsste es auf den Plakaten also heißen: Alles wird 1,7 Prozent teurer. Das ist nur nicht so plakativ.

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