CDU-Parteitag Kramp-Karrenbauer und Merz müssen in die Stichwahl

Hochspannung beim Kampf um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin: Im ersten Wahlgang bekam keiner der drei Kandidaten die erforderliche Mehrheit. Jens Spahn ist aus dem Rennen.

Die Kandidaten Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn
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Die Kandidaten Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn


Im Machtkampf um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel als CDU-Vorsitzende kommt es auf dem Parteitag in Hamburg zu einer Stichwahl. Im ersten Wahlgang schaffte am Freitag niemand von den drei Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit.

Annegret Kramp-Karrenbauer erhielt 450 der 999 abgegebenen, gültigen Stimmen, Friedrich Merz 392 und Jens Spahn 157. Nötig war die Mehrheit von 500 Stimmen. Auf Kramp-Karrenbauer entfielen damit 45 Prozent , auf Merz 39,24 und auf Spahn 15,72 Prozent.

Es ist das erste Mal in der CDU-Geschichte, dass es zu einer Stichwahl um den Parteivorsitz kommt. Angela Merkel hatte sich nach 18 Jahren nicht mehr für die Wahl zu Verfügung gestellt.

Der zweite Wahlgang hat bereits begonnen.

Kramp-Karrenbauer hatte die CDU in ihrer Bewerbungsrede zu mehr Mut und Selbstbewusstsein aufgerufen. Die Partei dürfe nicht Schwarzmalern hinterherlaufen, sondern müsse mutig auch gegen den Zeitgeist Kurs halten, rief die frühere saarländische Ministerpräsidentin den Teilnehmern des CDU-Parteitags in Hamburg zu. Merz sagte: "Ohne klare Positionen bekommen wir keine besseren Wahlergebnisse." Spahn sagte, Deutschland sollte "Digitalweltmeister" werden und endlich wieder in der Lage sein, Brücken rechtzeitig zu sanieren und funktionstüchtige Flughäfen zu bauen.

Merkel rief ihre Parteifreunde in ihrer letzten Rede als Vorsitzende zur Geschlossenheit auf. Sie sagte, die CDU könne auch in Zeiten von Polarisierung und AfD gute Ergebnisse erringen, "wenn wir geschlossen und entschlossen kämpfen". Sie sagte: "Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, dass haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren."

Wahl zum CDU-Parteivorsitz
Ergebnis der Stichwahl
999 gültige Stimmen
Annegret Kramp-Karrenbauer
51,75 %
Friedrich Merz
48,52 %

Merkel wurde von den 1001 Delegierten mit knapp zehn Minuten Applaus verabschiedet. Viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" hoch.

Neben dem Vorsitzenden, den fünf Stellvertretern, dem Schatzmeister und fünf weiteren Präsidiumsmitgliedern werden in Hamburg auch 26 Mitglieder des Bundesvorstands sowie 19 Beisitzer gewählt.

Außerdem soll der Parteitag nach dem Willen des Bundesvorstands einen Beschluss zum umstrittenen Uno-Migrationspakt fassen. Dazu wird es aber voraussichtlich erst am Samstag kommen. Die Wähler reagierten zunächst positiv auf die Wechselstimmung bei den Christdemokraten. Im neuen ARD-Deutschlandtrend gewannen CDU und CSU vier Prozentpunkte hinzu und kamen somit auf 30 Prozent.

als/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 37 Beiträge
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b1964 07.12.2018
1. Wird gerade der Bundeskanzler gewählt?
Also, der Hype um die Wahl des CDU-Vorsitzenden geht mir auf die Nerven. Die Presse fiebert mit, also ob es um die Wurst geht. Mir genügt, wenn ich morgen lese, wer's geworden ist.
wtiw 07.12.2018
2.
sind es nicht 501 Stimmen die benötigt gewesen wären, und nicht 500 wie im Artikel steht?
TontonTombi 07.12.2018
3. na, dann kann man wohl hoffen
Dann kann man wohl hoffen, dass Herr Merz gewinnt, und die CDU sich nach der SPD auch in eine Partei verwandeln dürfte, die mit der 5% Hürde in den Nahkampf tritt.
briefzentrum 07.12.2018
4. 55% für eine konservative CDU
Das konservative Lager mit Merz und Spahn hat ein deutliches Ergebnis im ersten Wahlkampf erreicht. Jetzt muss man sehen, ob sich das auch im zweiten Wahlgang auf Merz konzentrieren lässt. Eine gute Chance besteht auf jeden Fall, auch wenn die Kommentatoren im TV sich nach wie vor die 45% von AKK schön reden. Letztlich gilt: Nach 18 Jahren reicht die Einheit der CDU noch für eine emotionale Verabschiedung von Merkel, aber nicht mehr für eine überzeugende absolute Mehrheit für Merkels Kurs. 45% für AKK trotz reichlich Distanzierung von Merkel!
haslux 07.12.2018
5. Gespalten..
dürfte die Partei nach dem Wahlausgang wohl sein. Das Ergebnis des 1. Wahlgangs lässt auf ein extrem knappes Ergebnis in der Stichwahl schließen. Würde mich nicht wundern wenn es wie beim Brexit ähnlich knapp ausgeht. Schwere Aufgabe die Partei dann wieder zu einen.
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