Von Annett Meiritz und Hans-Christian Plambeck (Fotos), Hannover
Die größte Volkspartei Deutschlands arbeitet an ihrer Verjüngung, zumindest symbolisch: Auf dem CDU-Parteitag in Hannover wurde die 39-jährige Julia Klöckner in Angela Merkels Stellvertreterriege gewählt. Klöckner steht für vieles, das in der Partei rar geworden ist. Sie hat ein frisches, unverbrauchtes Gesicht, kommt in Städten und auf dem Land gleichermaßen an, gilt als bodenständig, aber nicht provinziell.
Klöckner fuhr das mit Abstand beste Wahlergebnis der Vizes ein. Doch das kleine Signal in Richtung Generationenwechsel täuscht nicht darüber hinweg: Die Union hat ein Nachwuchsproblem. Wie alle Parteien verliert die CDU Mitglieder, buhlt um die Jugend und urbane Wählerschichten. Jedes zweite Mitglied ist mittlerweile über 60, auf kommunaler Ebene klettert der Altersschnitt schon mal weit über das Rentenalter hinaus.
Schaut man sich auf dem laufenden Parteitag um, ist der gefühlte Altersschnitt ähnlich hoch wie die Statistik vermuten lässt. Junge CDU-Mitglieder unterscheiden sich auch optisch sehr von Jungpolitikern anderer Parteien, etwa den Piraten. Doch entspricht das Klischee noch der Realität? Zumindest ist das Etikett "unter 40 und konservativ" wohl nicht mehr holzschnittartig zu definieren. Die meisten Junior-Delegierten in Hannover finden Schwarz-Grün gut oder halten die Gleichstellung der Homo-Partnerschaft für überfällig. "Wir müssen weg vom ideologischen 'konservativ' hin zu einem modernen Pragmatismus", sagt etwa der 31-jährige Dennis Gladiator. Koalitionen gingen "grundsätzlich mit jeder Partei außer der Linken", meint der Abgeordnete aus Hamburg.
Auch Bernd Schulte, 27, erfüllt zwar mit seinem akkuraten Haarschnitt und seiner Studienfachwahl (Jura) einige Vorurteile. Doch der Delegierte aus dem Hochsauerland findet: "Wir sind nicht spießig. Ich kann in einer konservativen Partei sein und trotzdem mit Freunden im Camping-Bulli durch die Welt fahren." Tanja Engwicht, 35-jährige Stadträtin aus Dormagen, lehnt den Begriff gleich ganz ab: "Konservativ, das passt nicht zu mir. Meine Partei hat konservative Wurzeln, aber ich würde uns eher wertebewusst nennen."
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