Neuer UMP-Chef Sarkozy kommt doch nicht zum CDU-Parteitag

Der frühere Staatspräsident Frankreichs und neue UMP-Chef Nicolas Sarkozy wollte eigentlich kommende Woche zum CDU-Parteitag kommen und dort Angela Merkel treffen. Nun sagt er überraschend ab - angeblich aus Termingründen.

Sarkozy und Merkel 2010 an der französischen Küste: Spontaner Mensch
AFP

Sarkozy und Merkel 2010 an der französischen Küste: Spontaner Mensch

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Berlin - Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel kennt Nicolas Sarkozy gut. So gut, wie man einen politischen Partner eben kennenlernen kann. Vor allem seine hektische, oftmals spontane Art. Die hat die Kanzlerin in all den Jahren, in denen Sarkozy Staatspräsident Frankreichs war, mitunter gefürchtet, am Ende aber gelassen als charakterlichen Zug hingenommen. Genau nach diesem Muster verfuhr Sarkozy nun, nachdem er zum neuen Chef der liberal-konservativen UMP gewählt wurde, der europäischen Schwesterpartei der CDU.

Kaum im Amt, ließ er verbreiten, nach Köln zum kommenden CDU-Bundesparteitag zu fahren und dort Angela Merkel zu treffen. Sogar von einer Rede wurde gesprochen. Offenbar wollte der Franzose das Duo Merkozy, das gemeinsam die Eurozone durch die Schuldenkrise geführt hatte, wieder beleben. Ein Auftritt neben der mächtigsten Politikerin Europas hätte Erinnerungen an die alten Zeiten geweckt - und seinen angekratzten Ruf verbessert.

Begleiten sollte ihn bei dem Besuch der ehemalige Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire, der gut Deutsch spricht. Le Maire hatte sich ebenfalls um den Vorsitz der UMP bemüht. Noch am Dienstag ließ sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über den Auftritt Sarkozys mit den Worten zitieren: ''Wir werden begeistert sein. Man weiß ja, dass er ein Redner ist, der seine Zuhörer auch fasziniert."

Das Ganze hatte nur von Anbeginn einen Haken: Die CDU-Spitze war darüber nicht informiert. Sie kannte zu Wochenbeginn, als die Kunde aus Frankreich herüberdrang, nur das, was die Agenturen meldeten. Wenige Tage vor Beginn des Parteitags hat Sarkozy nun einen Rückzieher gemacht. Das wurde SPIEGEL ONLINE in Berlin bestätigt. Termingründe, hieß es offiziell.

Die Absage kommt der CDU sehr gelegen: Eine Rede Sarkozys auf dem Parteitag hätte möglicherweise das deutsch-französische Verhältnis belastet. Nicht vergessen ist in Paris, dass Merkel noch vor zwei Jahren im französischen Wahlkampf Sarkozy öffentlich unterstützt hatte - am Ende gewann aber der Sozialist François Hollande, mit dem sie nun als Präsident auskommen muss.

In der CDU-Bundeszentrale in Berlin will man den gesamten Vorgang rund um Sarkozys Selbsteinladung gar nicht erst kommentieren, bestätigt aber die Tatsache, dass der UMP-Chef nicht auf dem von Dienstag bis Mittwoch dauernden Parteitag in Köln erscheinen wird. Zu den Gründen sagt ein Parteisprecher: "Wir verweisen auf die UMP." Sie sei schließlich für Sarkozys Terminkalender verantwortlich.

Schadensbegrenzung ist nun angesagt. In Paris heißt es aus dem Umfeld Sarkozys, dieser werde Merkel "sehr bald" in Berlin treffen. Merkel habe Sarkozy nach seiner Wahl zum UMP-Vorsitzenden angerufen und ihm "sehr herzlich gratuliert". "Sie hat ihm viel Glück, viel Kraft und Erfolg gewünscht", hieß es. Beide hätten vereinbart, "so eng wie möglich zu kooperieren".

Mit AFP



insgesamt 7 Beiträge
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christian0061 05.12.2014
1. sarko hat verstanden
wer in Frankreich was werden will, sollte sich von uns Deutschen fernhalten! Schoenes Ergebnis der EU-Politik!
BettyB. 05.12.2014
2. Toll
Merkel und Sarkozy, Sarkozy und Merkel, ein Bund fürs Leben. Doch wie soll es gehen? Sarkozy für die USA und gegen die Interessen einer selbständigen und starken EU? Da hat er wohl im letzten Moment gemerkt, dass er beim Besuch der CDU all seine Wahlchancen verspielen würde...
Hilfskraft 05.12.2014
3. vermute auch ...
Zitat von christian0061wer in Frankreich was werden will, sollte sich von uns Deutschen fernhalten! Schoenes Ergebnis der EU-Politik!
Merkel hat es sich mit allen EU-Ländern verscherzt.
Svenako 05.12.2014
4. Der spontane Sarko hätte erst denken sollen!
Angela Merkel ist in den von der Finanzkrise besonders betroffenen EU Ländern - PIGs und nun auch Frankreich - doch zum Synonym für das Sparen auf Teufel komm raus, ohne Rücksicht auf soziale Härten und Schlimmeres, geworden. Da wäre es im Hinblick auf den französischen Wahlkampf alles andere als schlau, besondere Nähe zu deutschen Kanzlerin zu demonstrieren, auch oder gerade bei aller Unpopularität von François Hollande.
Theodoro911 05.12.2014
5. Wer unwichtig ist
muss halt versuchen in der Öffentlichkeit wenigstens in der Nähe anderer "Wichtiger" aufzutauchen. Im Moment ist in Frankreich Marine Le Pen die Person, die die Politik am stärksten beeinflusst. Ganz ohne Merkel.
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