Von Annett Meiritz, Hannover
Spricht der Hüne aus München, wartet man bei jedem Satz auf eine kleine verbale Bombe: Eigentlich hat CSU-Chef Horst Seehofer bei öffentlichen Auftritten stets ein oder zwei kleine Spitzen parat. Gegen den politischen Gegner sowieso, oft genug aber auch gegen die Schwesterpartei oder die Kanzlerin selbst. Doch bei seinem Gastauftritt auf dem CDU-Parteitag in Hannover gab sich Seehofer ungewohnt handzahm, probierte es stattdessen mit einer Kuschel-Offensive.
Alles andere hätte wohl kaum zu der großen Harmonie-Show der vergangenen Tage gepasst. Am Dienstag wurde Parteichefin Angela Merkel mit allerbestem Ergebnis im Amt bestätigt, am Mittwochmorgen pries Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) die Leistung seiner Partei und rief aus, sie hätte "eigentlich die absolute Mehrheit" verdient.
Seehofer eröffnet den eigenen Auftritt zwar mit einem Witz über Merkels "kubanisches Wahlergebnis". Doch dann folgen 20 Minuten Hymnen des Selbst- und Fremdlobs. Der bayerische Ministerpräsident, der sich sonst stets Kleinkämpfe mit der FDP liefert und in Sachen Betreuungsgeld oder Euro immer wieder dazwischengrätscht, gelobt gar Besserung für die verbleibenden zehn Monate bis zur Bundestagswahl. "Die CSU wird wie ein schnurrendes Kätzchen sein, und kein brüllender Löwe", so Seehofer vor Merkels Delegierten. "Das entspricht unserer Mentalität."
Die CDU/CSU habe etwa in der Wirtschaftspolitik "immer mit beiden Lungenflügeln geatmet", betone Soziales und Marktwirtschaft gleichermaßen, salbt Seehofer weiter. Im Ausland werde Deutschland als "traditionsstark und fortschrittlich" betrachtet - und das sei freilich ein Verdienst des aktuell regierenden Bündnisses. "Das große Geflausche", kommentiert ein Parteitagsgast derweil auf Twitter.
Seehofer lästert über schwarz-grüne "Koalitionsphantasien"
Doch Seehofer ist in Friedensstimmung, er geißelt schwarz-grüne Überlegungen als "Koalitionsphantasien", die man am besten gleich bleiben lassen sollte. "Wir sollen nicht die Koalition, die wir derzeit haben, in Frage stellen. Wir sollten uns dazu bekennen, was erfolgreich läuft", beschwört Seehofer. Diese Worte kommen wohlgemerkt von einem, der zeitweise im Wochentakt mit der Aufkündigung von Schwarz-Gelb drohte.
Davon will Seehofer in Hannover nichts mehr wissen, kopiert in seiner Rede einen Satz Merkels, den schon die Kanzlerin in den vergangenen Wochen wie ein Mantra wiederholt hatte: "Das ist die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung." Wenn Union und FDP "zusammenstehen und noch mal hart arbeiten, können wir 2013 zu einem goldenen Jahr machen", verspricht er, und verabschiedet sich mit kämpferischen Worten: "Es ist angerichtet für das große Finale 2013 - für die Wahlen in Niedersachsen, Bayern, in der Bundesrepublik."
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