CDU-Politiker unter Druck SPD fordert Konsequenz nach S-21-Nazi-Vergleich

Der CDU-Politiker Strobl hat sich für seine Nazi-Äußerung im Zusammenhang mit dem prominenten Stuttgart-21-Gegner Sittler entschuldigt, aber der SPD-Bundestagsfraktion reicht das nicht: Strobl solle als Vorsitzender des Bundestagsvermittlungsausschusses abgesetzt werden, fordern die Genossen.

CDU-Politiker Strobl: "In der Hitze des Gefechts"
dapd

CDU-Politiker Strobl: "In der Hitze des Gefechts"


Berlin - Thomas Strobl gibt sich reuig. Der baden-württembergische CDU-Generalsekretär hat sich für seinen umstrittenen Nazi-Vergleich über den Schauspieler und Stuttgart-21-Gegner Walter Sittler entschuldigt, aber für die SPD ist die Angelegenheit damit noch lange nicht erledigt. Die SPD-Bundestagsfraktion forderte nach den Nazi-Anspielungen die Absetzung Strobls als Vorsitzenden des Vermittlungsausschusses des Bundestages.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, betonte in einem Brief an seinen Unionskollegen Peter Altmaier (CDU), er halte Strobl nach diesem Vorfall "als Vorsitzenden des Vermittlungsausschuss für völlig ungeeignet und nicht länger tragbar". Mit seinen Äußerungen stelle Strobl Sittler "in eine Reihe mit Nazi-Propagandisten". In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, betonte Oppermann, der Vorfall zeige die Dialogunfähigkeit Strobls.

Strobl hatte die NS-Vergangenheit von Sittlers Vater in einer Ausgabe seines Newsletters "Berlin Aktuell" vom 29. Oktober mit dem Engagement Sittlers gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 in Verbindung gebracht. Eine Bildunterschrift unter einem Foto Sittlers lautete: "Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung".

Strobl räumte am Dienstag Fehler ein. Er sei "in der Hitze des Gefechts" mit der Bildunterschrift und dem Hinweis auf die NS-Vergangenheit von Edward Sittler beim Reichspropagandaministerium "über das Ziel hinausgeschossen". Er habe eine an ihn adressierte E-Mail von Sittler zum Anlass genommen, den entsprechenden Artikel aus dem Netz zu entfernen und sich bei Sittler zu entschuldigen.

Der prominente Gegner des Projekts Stuttgart 21 nahm die Entschuldigung des CDU-Politikers an: "Strobl hat einen Fehler gemacht und diesen auch eingesehen", sagte Sittler. Für ihn sei die Angelegenheit damit erledigt. "Ich kämpfe gegen Fehler, nicht gegen Personen." Der Grünen-Landesvorsitzende Chris Kühn bezeichnete die Bildunterschrift als "infamen und völlig inakzeptablen Angriff" auf Sittler. Kühn sagte: "Strobl verlässt mit seinem unsäglichen NS-Verweis den Rahmen der demokratischen Streitkultur."

hen/dpa/dapd



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 125 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Schwede2 03.11.2010
1. CDU-Politiker scheuen vor nichts zurück, ...
Zitat von sysopDer CDU-Politiker Strobl hat sich für seine Nazi-Äußerung im Zusammenhang mit dem prominenten Stuttgart-21-Gegner Sittler entschuldigt, aber der SPD-Bundestagfraktion reicht das nicht: Strobl solle als Vorsitzender des Bundestagsvermittlungsausschusses abgesetzt werden, fordern die Genossen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,726871,00.html
...wenn es um die Durchsetzung ihrer höchst internen Ziele geht. Diese Partei hat jede Berechtigung in einer Demokratie verloren. Das hatten sie zwar schon mit dem Steuergeschenk für Hoteliers bewiesen, aber das reicht denen offensichtlich noch lange nicht.
dave_t 03.11.2010
2. Aus dem Rahmen gefallen
Zitat von sysopDer CDU-Politiker Strobl hat sich für seine Nazi-Äußerung im Zusammenhang mit dem prominenten Stuttgart-21-Gegner Sittler entschuldigt, aber der SPD-Bundestagfraktion reicht das nicht: Strobl solle als Vorsitzender des Bundestagsvermittlungsausschusses abgesetzt werden, fordern die Genossen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,726871,00.html
In der Tat, eine geschmacklose Entgleisung. Strobl hat sich dafür entschuldigt, der Beleidigte hat die Entschuldigung angenommen, damit ist die Sache erledigt. Das Zitat von Herrn Kühn hingegen sollte man sich hinter den Spiegel stecken, für das nächste Mal, wenn wieder ein Politiker des konservativen Lagers "von links" mit schmierigen NS-Insinuationen bedacht wird ...
fatherted98 03.11.2010
3. Ganz klar!
Der Herr wird seine gerechte Strafe erhalten. Er muss am Stück 50 Folgen "Nicola" mit Walter Sittler gucken..das wirkt heilsam und danach wird er eh nicht mehr in der Lage sein irgend ein Amt oder Tätigkeit auszuführen (damit hat auch die SPD ihren Willen) sondern als Frührentner in der örtlichen Nervenheilanstalt sein restliches Leben fristen müssen.
elbröwer 03.11.2010
4. Leitkultur
In unserer Zeit scheint es keine Streitkultur zu geben. Immer wird das ganz große Geschütz aufgefahren. Verallgemeinerungen, plakative Parolen ersetzen mehr und mehr die Kultur. Sarrazin hat recht wir Deutschen werden wie die Migranten mangels Sprache zu Totschlagsargumentierer.
elster2 03.11.2010
5. Wieso,
er hat dorch recht. Es gibt diese Sorten Menschen, die zu Fanatismus, Rechthaberei usw. neigen. Und das kommt dann in jeder Generation vor. Nicht umsonst hatten viele der führenden 68ziger und der Terroristen Eltern, die früher Nazis waren. Die, die heute die demonstrativen Gutmenschen sind und von der der Richtigkeit Ihrer Meinung absolut überzeugt sind und andere Meinungen nicht gelten lassen, wären früher fanatische Nazis und Mitläufer gewesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.