CDU-Präsidium Kauder und Spahn geraten aneinander

Nach den historischen Verlusten bei der Wahl ist die Stimmung in der CDU angespannt. Einem Medienbericht zufolge lieferten sich Fraktionschef Kauder und Präsidiumsmitglied Spahn hinter verschlossenen Türen einen Schlagabtausch.

Volker Kauder (l.) und Jens Spahn
Getty Images/ Photothek

Volker Kauder (l.) und Jens Spahn


Im CDU-Präsidium soll es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Unionsfraktionschef Volker Kauder und Jens Spahn gekommen sein. Nachdem Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel bekannt gegeben habe, Kauder erneut für den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vorzuschlagen, habe Spahn in der Runde gefragt: "Für wie lange gilt das denn?" Daraufhin seien Spahn und Kauder aneinandergeraten. Laut "Focus" soll Kauder Spahn vorgehalten haben: "Ich weiß, dass du rumtelefonierst, um andere Mehrheiten zu organisieren."

Der Disput wurde dem SPIEGEL grundsätzlich bestätigt, aus Teilnehmerkreisen hieß es jedoch, der Fraktionschef habe seinem Parteikollegen unterstellt, per SMS die Botschaft mit dem Tenor zu verbreiten: Ein Weiter-so dürfe es nicht geben - was Kauder womöglich auch auf seine Person bezogen hat.

Nach dpa-Informationen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Sitzung sehr klar Geschlossenheit angemahnt und auch seinen Parlamentarischen Staatssekretär Spahn zurecht gewiesen.

Spahn sei auch vom scheidenden Bundestagspräsidenten Norbert Lammert gerüffelt worden, berichtete der "Focus" unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung. Schäuble und Lammert hätten daran erinnert, dass das Vorschlagsrecht für das Amt des Fraktionschefs bei Merkel liege. Nicht alle Teilnehmer wollen Schäubles Wortmeldung jedoch als Rüge für seinen Staatssekretär in Erinnerung haben.

Merkels Vertrauter Kauder wurde am Dienstag als Fraktionschef wiedergewählt. Er kam allerdings - ohne Berücksichtigung der Enthaltungen - nur auf eine Zustimmung von gut 77 Prozent.

als/phw/dpa



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
einwerfer 27.09.2017
1. Es geht weiter
Es bietet sich wieder das übliche Bild: nicht nur die Parteien machen weiter wie bisher (s. 'Liebe' zwischen CDU und CSU; 'Neuanfang' bei den Spezialdemokraten mit der Erfinderin der Saal-Karriere [Kreißsaal - Hörsaal - Plenarsaal] u.s.w.). Nein, auch die Qualitätspresse macht weiter wie bisher und interpretiert in jedes Prozent jeder Abstimmung unendlich viel hinein und spekuliert über Posten die evtl. zu vergeben sind. Hört/liest man noch etwas über Pflegenotstand ? Über Dieselskandal ? Es ist wohl so, dass die AfD (oder eine andere Protestpartei) erst stärkste Fraktion werden muss, bevor den Leuten in der Blase - Politikern und Journalisten - aufgeht, dass sie irgendwas falsch machen.
shloma 27.09.2017
2. 75% wenn man die Enthaltungen mitrechnet
und das in der CDU die hier sonst mit Norkorea-Ergebnissen glänzt. Da kann man sich ja auf was einstellen in den nächsten 3 Jahren.
Holledauer 27.09.2017
3. Nun,auch für die CDU kann es kein "weiter so" geben!
Wer das schlechteste Ergebnis seit 1949 trotz der zur Zeit hervorragend laufenden Wirtschaft, einfährt, muss wohl Einiges falsch gemacht haben, und zwar von den Politikern an der Spitze der Partei/Fraktion, welche seit 12 Jahren in Deutschland tonangebend ist. War im Wahlkampf von der CDU irgend eine Zukunftsplanung zu vernehmen? Man spricht seit Jahren über Digitalisierung. Was macht der zuständige Minister? Er setzt eine unsinnige, wirtschaftsschädliche Autobahnmaut durch. Und unsere begnadete Kanzlerin sprach noch 2013: "Mit mir wird es keine Maut geben!" Unsere Schulen sind Beispiele für Staatsversagen. Die Aufnahme der Flüchtlinge verlief so chaotisch, wie der Neubau des Berliner "Großflughafens". Die einzige Aussage: Bis 2025 wollen wir in Deutschland Vollbeschäftigung. Durch Reduzierung der Arbeitsplätze z.B. in der Autoindustrie? Ich befürchte: Durch Ausweitung der prekären Beschäftigungsverhältnisse. Danke, Alt-CDU!!
rathals 27.09.2017
4. Diese CDU Funktionäre
haben und werden den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstanden. Die Wahlschlappe geht doch ausschließlich auf ihr Versagen zurück. Da muss erst eine - in deren Augen - nicht demokratische Partei kommen, um die riesigen demokratischen Defizite in den C-Parteien offen zu legen.. Nur weiter so, das SPD Ziel wird greifbar.
bewusst_sein 27.09.2017
5. Merkels altbekanntes Muster
Das ist Merkels altbekanntes Muster zur Verteidigung der Macht. Unter einem Vorwand wird Zeit erkauft (hier die Niedersachsenwahl) und ihre Vertrauten rufen zur Geschlossenheot auf. Unter diesem Vorwand wird dann die eigene Macht zementiert, indem man Schlüsselposotionen mit Vertrauten besetzt und potentielle Gegner gleichsam vorsorglich entsorgt. Begleitet wird das ganze nach aussen hin mit inhaltslosen Phrasen, während man den Reformern einfach über die Zeitspanne das Momentum und damit den Wind aus den Segeln zu nehmen hofft. Oder kürzer ausgedrückt: sie will es mal wieder aussitzen! Änderungen in der Sache werden nicht vorgenommen, sondern einfach so weitergemacht wie bisher. Die Arroganz der Macht in Persona. Hoffentlich lässt ihr das die Fraktion so nicht durchgehen, ansonsten müssen es wohl die Niedersachsen bei der anstehenden Landtagswahl richten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.