Kandidaten für den CDU-Vorsitz Bei diesem Thema sind sie sich einig

Auf der vorletzten der acht CDU-Regionalkonferenzen haben die drei Kandidaten für den Parteivorsitz diesmal in Bremen für sich geworben. Sie alle befürworten ein Dienstjahr für junge Menschen.

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht in Bremen
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Annegret Kramp-Karrenbauer spricht in Bremen


Die drei aussichtsreichsten Bewerber für den CDU-Parteivorsitz haben sich dafür ausgesprochen, ein Dienstjahr für junge Menschen einzurichten, in dem diese künftig bis zu ein Jahr lang einen Dienst für die Gesellschaft verrichten sollen. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte auf der CDU-Regionalkonferenz in Bremen: "Es muss Rechte geben und es muss Pflichten geben." Auch Zuwanderer, deren Aufenthalt auf längere Zeit angelegt sei, sollten da "einbezogen werden".

Mitbewerber und Gesundheitsminister Jens Spahn sagte: "Ich persönlich wäre tendenziell eher dafür, ein solches Gesellschaftsjahr verpflichtend einzuführen." Die jungen Menschen könnten nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch beim Technischen Hilfswerk, bei der Feuerwehr oder bei sozialen Diensten eingesetzt werden.

Der frühere Unionsfraktionschef und Kandidat für den Parteivorsitz Friedrich Merz sagte, er habe so ein Dienstjahr vor Jahren schon einmal vorgeschlagen. Damals habe er einen "Sturm der Entrüstung" geerntet. Die Stimmung in dieser Frage habe sich aber wohl inzwischen geändert. Er sei sich nicht ganz sicher, ob Zwang der richtige Weg sei. Möglicherweise könnten auch Freiwillige anders belohnt werden - etwa durch eine Bevorzugung bei der Vergabe von Studienplätzen.

"Was machen wir eigentlich, wenn diese Party vorbei ist?"

Merz forderte seine Parteifreunde außerdem auf, Deutschland wetterfest zu machen für den nächsten Abschwung. "Was machen wir eigentlich, wenn diese Party vorbei ist?", fragte der Wirtschaftsanwalt. Aktuelle Handelskonflikte, der italienische Haushalt und die Folgen des Brexits seien Entwicklungen, die in absehbarer Zeit auch Deutschland belasten könnten.

Kramp-Karrenbauer sagte, die Arbeitslosigkeit sei im Moment zwar niedrig. Das sei aber "noch nicht die Antwort auf die Frage, ob wir auch morgen stark sind". Der Staat müsse Handlungsfähigkeit beweisen, auch gegenüber Schwerkriminellen und Steuerbetrügern. Die Bürger wollten einen wehrhaften Staat erleben, "der mit aller Konsequenz Dinge umsetzt, der sich nicht auf der Nase rumtanzen lässt".

Spahn sprach über technologische Herausforderungen und sagte zu Beginn seiner Vorstellung: "Ich möchte sie gerne mitnehmen in die Zukunft ins Jahr 2040." Er plädierte für einen kritischeren Umgang mit den Grünen. Deren Parteivorsitzender Robert Habeck sei zwar sympathisch. Das bürgerliche Element sei bei den Grünen aber oft nur "Fassade". Kramp-Karrenbauer sagte: "Was mich stört auch mit Blick auf den ein oder anderen der Grünen. Man hat das Gefühl, es gibt zwei Verbrechergruppen: Das eine sind die Dieselfahrer und das andere sind die Landwirte. Das dürfen wir in der öffentlichen Diskussion nicht zulassen."

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Bundeskanzlerin Angela Merkel will beim Bundesparteitag am 7. Dezember in Hamburg nicht mehr für den CDU-Vorsitz kandidieren, aber Kanzlerin bleiben. Die Entscheidung über ihre Nachfolge an der Parteispitze treffen 1001 Delegierte der Landesverbände.

Für ihre vorletzte Runde der insgesamt acht Regionalkonferenzen waren die Kandidaten ins kleinste deutsche Bundesland eingeladen. Hier wird am 26. Mai die erste der Landtagswahlen 2019 stattfinden. Bremen ist kein leichtes Pflaster für die CDU, die mit dem Quereinsteiger Carsten Meyer-Heder als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf gehen will. Die SPD stellt seit Kriegsende dort ununterbrochen den Bürgermeister. Seit drei Legislaturperioden regiert sie zusammen mit den Grünen.



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kko/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
dachhase 30.11.2018
1. Dienstjahr im Sozialbereich und Katastrophenschutz sollte okay sein
aber nicht bei der Bundeswehr. Das Profil einer Armee dürfte heute so ausgeprägt sein, das selbst 12 Monate Mitgliedschaft lediglich verschwendete Zeit sind. Ich habe den Quatsch in den 80-ger Jahren bei der NVA noch voll mitmachen dürfen und überhaupt keinen Sinn dahinter erkennen können, mit Gasmaske mitten im Urlaubsgebiet an der Ostsee Wache zu schieben oder Schnee( den es damals noch reichlich gab) von einer Seite auf die andere zu schaufeln... Natosoldat ist heute ein Beruf, den man hochklassig ausstatten , überdurchschnittlich gut bezahlen und mit attraktiven Zusatzleistungen versehen sollte- dann klappt es auch, die Besten für den Job zu begeistern.
demokrat2 30.11.2018
2. Dienstjahr o.k. ....
.... wenn es vernünftig genutzt wird. Zum Beispiel: Wenn Jugendliche ohne Schulabschluss für den Arbeitsmarkt gefördert werden. Wenn sie also ein sinnvolles Angebot für ihre eigene Entwicklung erhalten. Ich habe allerdings den Verdacht, dass Herr Spahn damit seinen Arbeitskräftemangel in der Pflege decken möchte. Es geht also um Wahlmöglichkeiten, um Freiwilligkeit, bei diesem Verfahren. Die Förderung muss das wichtigste Ziel bleiben für die Entwicklung der jungen Leute. Und es muss für die Rente angerechnet werden.
Mister Stone 30.11.2018
3. Erfolg ist was gewinnt
CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte auf der CDU-Regionalkonferenz in Bremen: "Es muss Rechte geben und es muss Pflichten geben." Auch Zuwanderer, deren Aufenthalt auf längere Zeit angelegt sei, sollten da "einbezogen werden". Wieder so eine banale Merkelsprech-Phrase "Es muss Rechte geben und es muss Pflichten geben." Derartigen Stuss kann man auf jeder Jahreshauptversammlung des örtlichen Kanickelzuchtvereins hören, ebenso wie Merkels ewige Phrasen-Kombo "Manches ist erreicht, etliches ist noch zu tun, wir sind auf einem guten Weg". Auch diese hohle "....sollten da einbezogen werden" ist mir viel zu schwammig. Warum fordert sie nichts? Angst ? AKK versteckt sich wie niemand sonst hinter Allgemeinplätzen. Ihr offensichtliches Dogma "Bloß nix Angreifbares sagen" lähmt jegliche politische und gesellschaftliche Vision. Aber braucht es überhaupt eine Vision? Reicht es zum Sieg bei den CDU-Delegierten, wenn man nur leeres Zeug faselt, statt zu thematisieren? Bin echt gespannt, ob sich diese inhaltlsose Teflon-Rhetorik auch bei AKK so bewährt wie bei der Kanzlerin. Merkel war und ist damit seit 13 Jahren unglaublich erfolgreich.
sebfran 30.11.2018
4.
Man kann auch viel mit sozialer Kompetenz, Menschlichkeit und Leistungsanreizen erreichen. Zwang oder Gewalt ist nicht erforderlich. Friedrich Merz hat da eine kluge Ansicht.
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