CDU-Spendomat 50 Cent "für eine große Sache"

Ein Wahlkampf ist teuer. Darum geht die CDU bei der Spendenwerbung jetzt neue Wege. In der Parteizentrale können Besucher die Wiederwahl von Kanzlerin Merkel mit ein bisschen Cash unterstützen - ganz unkompliziert. Der "Spendomat" nimmt alles von 50 Cent bis 100 Euro.

CDU

Berlin - Sie wissen im Konrad-Adenauer-Haus natürlich, welche Sprüche jetzt kommen. "Na, die müssen es ja nötig haben", so nach dem Motto. Darum betont man in der Pressestelle der CDU auch, das ganze sei nur ein Gag, eine Spielerei. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja ein bisschen was zusammen am neuen Spendenautomaten, den die Christdemokraten jetzt im Eingangsbereich ihrer Berliner Parteizentrale aufgestellt haben.

Ein Hingucker ist der orangefarbene "Spendomat" direkt neben der Pförtnerloge allemal. Zwischen 50 Cent und 100 Euro können Besucher dort einzahlen, die Maschine nimmt Münzen und Scheine, aber auch EC- oder Kreditkarten. Die Spende sei "ein kleiner Beitrag für eine große Sache", heißt es auf dem Gerät. "Jeder Euro hilft und ist herzlich willkommen." Schließlich ist so ein Bundestagswahlkampf ziemlich teuer. Gut 20 Millionen Euro lässt es sich die CDU kosten, um Angela Merkel den Machterhalt zu sichern.

Wer einen Obolus an dem umgebauten Parkscheinautomaten leistet, bekommt umgehend einen Beleg ausgedruckt. Für die Steuererklärung reicht der nicht, dafür muss der Geldgeber seine Quittung mit Namen und Adresse versehen an die Geschäftsstelle schicken. Die stellt dann eine formale Spendenbescheinigung aus.

Inspiration von der Schlossbaustelle

Die Idee für den christdemokratischen Opferstock kam den Wahlkämpfern auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die Vorstellung des gemeinsamen Wahlprogramms mit der CSU. Die soll Ende Juni in der Berliner Humboldt-Box stattfinden, in der sonst über den Wiederaufbau des Stadtschlosses informiert wird. Bei der Besichtigung fiel den CDU-Strategen ein Spendenautomat des dortigen Fördervereins auf. Der Gedanke: Was für das Schloss gut ist, kann für die Partei nicht schlecht sein. Schnell wurde der Hersteller kontaktiert, der fertigte ein baugleiches Exemplar für die Merkel-Truppe.

Seit zwei Wochen steht das Gerät nun im Foyer des Hauptquartiers, einen ersten Kassensturz will man nach einem Monat machen. Am Donnerstagabend, als die CDU die Basis zur Diskussion mit Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bildungsministerin Johanna Wanka geladen hatte, hätten die Gäste die Spendenmaschine ordentlich gefüttert, wird berichtet. Mancher habe auch ein Erinnerungsfoto geknipst oder sich ein Autogramm auf den Spendenbeleg geben lassen.

Nun ist es so, dass angesichts diverser CDU-Affären in der Vergangenheit ein schneller Denkreflex einsetzt: Wo eine Spende ist, ist ein Skandal nicht weit. Also stellt sich die Frage: Darf man das, so einen Spendomaten aufstellen? Haben sie sich in der Parteizentrale natürlich auch gefragt und bei der Bundestagsverwaltung nachgehorcht. Keine Einwände, hieß es dort.

Vorsichtshalber gibt es noch eine kleine Gebrauchsanleitung auf dem Gerät: Danach darf jeder Besucher den Automaten nur einmal am Tag nutzen. Auch fehlt nicht der Hinweis, dass Barspenden von Personen und Unternehmen 1000 Euro im Jahr nicht übersteigen dürfen. So steht es im Parteiengesetz.

phw

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
kroto 17.05.2013
1. optional
Wer von Wirtschaftsverbrechern, Industrie-, Pharmalobbyisten und Waffenhändlern mit hunderttausenden Euro jährlich finanziert wird, braucht keinen 50cent Automaten.
Mertrager 17.05.2013
2. Wichtig...
ist, dasz der Automat auch die notwendigen Informationen hergibt. Dann kann man später auch herleiten, woher die Großspenden stammen und muß nicht so was umständliches wie anonyme, jüdische Erbschaften oder so heranziehen.
NeZ 17.05.2013
3.
Und was ist mit dem Rentner, der alle 2 Wochen 50? einzahlt? Wird da kontrolliert ob er die 1k überschreitet?
tanzschule 17.05.2013
4.
Zitat von Mertragerist, dasz der Automat auch die notwendigen Informationen hergibt. Dann kann man später auch herleiten, woher die Großspenden stammen und muß nicht so was umständliches wie anonyme, jüdische Erbschaften oder so heranziehen.
wird sicher per kamera überwacht wer da noch was in der schublade gefunden hat.
Hilfskraft 17.05.2013
5. für 50 Cent ...
für 50 Cent würde ich zumindest erwarten, das mir ein CDU-Heini durch den Schlitz die Hand zum Schütteln entgegen streckt. Für 100€ unser Kassenwart Wolfgang Schäuble. So aber nun doch nicht!
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