Merkels CDU-Wahlkampagne: Herr Sauer möchte mehr Streusel

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Achtung, Phrasenalarm! Mit inhaltsleeren Slogans wie "Starke Wirtschaft", "Sichere Arbeit" oder "Mehr für Familien" läutet die CDU ihre Plakatkampagne zur Bundestagswahl ein. In einem Werbeheftchen gibt sich Angela Merkel ganz persönlich und verrät Vorlieben ihres Gatten Joachim Sauer.

Berlin - Inhaltsleer? Hermann Gröhe lässt ein wenig beleidigt den Blick über die Plakate streifen, die hinter ihm im Halbkreis aufgestellt sind. Man könne doch keine Wandzeitung kleben, sagt der CDU-Generalsekretär. Seine Partei wolle die Menschen einladen, sich ausführlicher mit den Botschaften und dem Wahlprogramm auseinanderzusetzen. Die Frage ist nur, ob diese Motive wirklich als Appetithäppchen taugen. Oder ob sich der Bürger mit Grausen abwendet: Danke, ich habe genug.

Der Wow-Effekt bleibt jedenfalls aus, als die CDU an diesem Montag im Berliner Konrad-Adenauer-Haus einige Tage nach der Konkurrenz von der SPD den ersten Schwung ihrer Wahlplakate vorstellt. Mit fast 9000 großformatigen Plakaten für Werbeflächen und rund 300.000 kleineren Postern für die Laternenmasten wollen die Christdemokraten von nun an bis zum Wahltermin am 22. September die Republik überschwemmen.

Das Konterfei von Bundeskanzlerin Angela Merkel soll dabei zunächst nur sparsam zum Einsatz kommen. Stattdessen geht es um die "Kernkompetenzen" der Union, wie es heißt. Ein junges Paar mit Motorradhelm freut sich darüber, dass die CDU sich um Wachstum und einen stabilen Euro kümmert. Eine klassische Mutter-Vater-Kind-Familie lässt in der Küche ein Omelett fliegen - offenbar aus Begeisterung, weil den Christdemokraten jede Familie "besonders wichtig" ist. Alle Darsteller sehen irre glücklich aus. Im Gegensatz zu jenen Menschen, die auf SPD-Plakaten zu sehen seien, merkt Gröhe an. "Dort gibt es keine glücklichen Menschen", sagt der CDU-Mann, dabei sei Deutschland "kein Jammertal".

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CDU-Wahlplakate: Platte Slogans und ein bisschen Merkel
Zum Beweis strotzen auch die übrigen CDU-Botschaften vor Zuversicht: "Starke Wirtschaft" steht da auf wohligem CDU-Orange, "Sichere Arbeit", "Mehr für Familien", "Solide Finanzen" oder der Leitspruch der Union: "Gemeinsam erfolgreich". Wer will da widersprechen? Gott sei Dank steht auch das Logo der CDU drauf, sonst wüsste der Betrachter womöglich nicht, mit wem er es zu tun hat.

Welchen CDU-Slogan eigentlich die Sozialdemokraten nicht auch plakatieren könnte, will ein Journalist von General Gröhe wissen. Der Kampagnenchef überlegt kurz, wie er auf die Provokation reagieren soll, dann versucht er es mit einem Witz. "Früher hätte ich gesagt: Das mit Angela Merkel. Aber nicht einmal mehr da ist ja auf die SPD Verlass", sagt Gröhe in Anspielung auf SPD-Motive, die die Kanzlerin verspotten sollen.

Keine Negativ-Werbung bei der CDU

Auf derartige Negativ-Werbung gegen Rot-Grün oder den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück verzichtet die CDU ganz. Auch Angela Merkel, deren Popularität als das größte Pfund im Wahlkampf der Union gilt, muss zumindest als Plakat noch ein wenig im Lager warten. Nur ein Motiv zeigt die CDU-Vorsitzende. Dabei wird es nicht bleiben. In der heißen Phase wird die Union voll auf den Amtsbonus Merkels setzen. "Wir werden im Laufe der Kampagne bei der Personalisierung stärker werden", kündigt Gröhe an.

Einen Vorgeschmack liefert das Werbematerial, das die Parteizentrale den Wahlkämpfern an der Basis ab sofort zur Verfügung stellt. Ungewöhnlich persönlich zeigt sich die "Kanzlerin für Deutschland" da. Wahlweise in einer Broschüre oder im Mini-Faltblatt für die Hosentasche gibt es zahlreiche Fotos aus dem Leben und der Karriere einer meist freundlich lächelnden CDU-Chefin zu sehen, dazu kleine biografische und politische Texte, in denen es von Sätzen wimmelt wie: "Kinder sind die Zukunft unseres Landes." Oder auch: "Ich mag meine Arbeit."

Aber Merkel gewährt auch Einblicke in ihr Privatleben. Unter dem Schlagwort "Natur" sitzt die Kanzlerin am Seeufer an einem Baum und verrät: "Ich bin eine leidenschaftliche Gärtnerin und ziehe mein eigenes Gemüse." Am liebsten koche sie Rouladen und Kartoffelsuppe. Ihr Mann Joachim Sauer beschwere sich selten über das Essen. "Nur auf dem Kuchen sind ihm immer zu wenig Streusel. Er ist halt Konditorensohn."

Wahlentscheidend wird das Streuseldefizit der Kanzlerin sicher nicht sein. Dass es die Wahlwerbung sein wird, ist allerdings auch schwer vorstellbar.

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insgesamt 154 Beiträge
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1.
kdshp 05.08.2013
Zitat von sysopAchtung, Phrasenalarm! Mit inhaltsleeren Slogans wie "Starke Wirtschaft", "Sichere Arbeit" oder "Mehr für Familien" läutet die CDU ihre Plakatkampagne zur Bundestagswahl ein. In einem neuen Werbeheftchen gibt sich Angela Merkel ganz persönlich. CDU stellt erste Wahlplakate für Merkel vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-stellt-erste-wahlplakate-fuer-merkel-vor-a-914889.html)
"Sichere Arbeit" ??? Ganz aktuell aus einem antrag auf H4: Gleichzeitig bitte ich sie zu bedenken, dass es insbesondere durch datenverarbeitung und die ständig wachsende anzahl von leistungsempfängern zu zeitlichen verzögerungen bei der berechnung und bescheidung ihrer hilfe zum lebensunterhalt kommen kann. Dazu kommt einen wachsende anzahl von leiharbeitern die täglich damit rechnen ihre arbeit zu verlieren! Frau merkel kennt die realität in deutschland nicht.
2. Wunschdenken
grimmdi 05.08.2013
Ich wünsche mir für die kommende Wahl, das es alle Parteien fair angehen. Ich wünsche mir, das Politiker der gegnerischen Parteien im Wahlkmpf sich so benehmen als wären sie zuhause bei Ihrer Familie und Ihen Freunden. Was wäre das für eine Wahl ohne diese entwürdigenden Pöbeleien die Politiker aller coleur da gegeneinander loslassen. Wenn sich gewählte Vertreter unseres Volkes sich auf ein so widerwärtiges Niveau begeben und Wahlkamf dazu mibraucht wird um seine gegnerischen Kanditaten zu beleidigen oder bloß zustellen. Für solche sogenannten Politiker hab ich nur Verachtung über. Alo Leute, seid fair zueinander.
3. Unsere Kanzlerin
loops-2000 05.08.2013
Wie in einem anderen nicht ganz so passenden Thread erwähnt, halte ich es für wichtig, daß sich die zahlreichen Kanzlerinnenwähler darüber bewußt sind was Schwarz-Gelb so alles in der Schublade hat und sicherlich nach dem Sieg der Union/FDP so etwa 4 Wochen nach der Wahl herausholen wird. Ich bin mir recht sicher, daß folgende Vorhaben wahrscheinlich sind: - Weitere Beschneidung von Arbeitnehmerrechten. - Höhere Steuerlast für mittlere Einkommen und Verringerung der Steuern für hohe Einkommen. - Förderung von Eliteschulen bei Stagnation der Investition in die staatlichen Schulen - Keine offensiven Aktivitäten gegen den Abmahn-Wahnsinn in Deutschland und und und ... Ich denke die Liste kann man sicherlich um 10 weitere unangenehme Punkte für den Durchschnittswähler ergänzen, aber es sollte schon klar sein, was man mit seinem Kreuz bewirkt. Gruß aus L.A.
4. Es gilt der Satz...
moby dick 05.08.2013
".... er/sie waren Berufspolitiker und auch sonst von mäßigem Verstand" Was der Wähler in den letzten Jahren an politischen Opportunismus erleben konnte, schlägt alle Rekorde. Hauptsache man sitzt nach der Wahl wieder auf dem warmen Polstern der Bundestagssitze. Die Wahlaussagen der CDU beispielsweise, endeten mit der Abschlusserklärung, "wenn das Geld dafür vorhanden ist". Da das Geld nicht vorhanden sein wird, ist eigentlich alles substanzlos. Man wird also geländegängig sich an den Trends der Umfragen und den Schlagzeilen der Meinungsbildungsindustrie der Medien orientieren und dann lautstark mitteilen, dass einem dies immer schon am Herzen lag. Eigentlich sollten nur noch proportional nur noch soviel warme Bundestagssessel belegt werden wie Wahlbeteiligung ist. Immerhin sind die Nichtwähler z.Zt. die größte Wählergruppe. Und das liegt nicht am Desinteresse dieser Gruppe, sondern an der politischen Orientierungslosigkeit unserer selbstzufriedenen Volksvertreter.
5. passend
tinosaurus 05.08.2013
Die Strategie ist ja gar nicht mal dumm. Am besten überhaupt keine Probleme benennen. Alles ist gut und alle sind glücklich. Auf diesen Blödsinn fallen auch noch die meisten Wähler rein. So zeichnet sich eine Merkel-Ära ab, die so leicht nicht zu stoppen sein wird. Das liegt an der Mehrheit der Wähler, die einer lächelnden Tante ihre Stimme geben und Probleme auch eher als lästig empfinden.
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