SPON-Wahltrend Union setzt sich wieder von SPD ab

Die Union punktet eher bei Wohlhabenden, Ärmere wählen AfD und Linke: Der SPON-Wahltrend zeigt, wie das Stimmverhalten von der Kaufkraft abhängt - und birgt schlechte Nachrichten für Martin Schulz. Stimmen Sie weiter ab!

SPD-Kanzlerkandidat Schulz
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SPD-Kanzlerkandidat Schulz

Von und


Rund einen Monat vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein vergrößert sich bundesweit wieder der Vorsprung der Unionsparteien auf die SPD: Im SPON-Wahltrend liegen CDU und CSU nun fünf Prozentpunkte vor der Partei des Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Die Sozialdemokraten landen knapp über 30 Prozent. Das ist natürlich weit mehr als unter Ex-Parteichef Sigmar Gabriel, aber der negative Trend der Vorwoche setzt sich fort.

Erstmals zeigt der Wahltrend nun außerdem, wie die Deutschen abhängig von ihrer Kaufkraft wählen würden. Verkürzt gilt: Ärmere wählen eher AfD und Linke, Wohlhabendere neigen Unionsparteien, FDP und Grünen zu. Die SPD punktet in der Mitte.

Diese und andere Ergebnisse hat die wöchentliche Umfrage von SPIEGEL ONLINE und dem Meinungsforschungsinstitut Civey ergeben. Im Superwahljahr 2017 befragen wir Sie regelmäßig zu Ihrer Parteipräferenz- in Echtzeit, für jeden Nutzer zugänglich und mit für ganz Deutschland repräsentativen Ergebnissen. (Mehr zur Methodik am Textende).

Am Ende des Artikels können Sie die Sonntagsfrage erneut beantworten (erfahren Sie hier mehr zum grundsätzlichen Umgang von SPIEGEL ONLINE mit Meinungsumfragen)

Wir wollten wissen: Welche Partei würden Sie wählen?

1. So haben Sie abgestimmt

CDU und CSU können im SPON-Wahltrend erneut zulegen und liegen nun bei über 35 Prozent. Damit setzt sich die Union weiter von der SPD ab. Die Sozialdemokraten verlieren im Vergleich zur Vorwoche spürbar (1,8 Prozentpunkte).

Damit ist der Abstand der Koalitionspartner außerhalb der statistischen Fehlergrenze - also der rein rechnerischen Schwankungen einer Umfrage. Das heißt: Die Unionsparteien führen jetzt klar vor den Sozialdemokraten.

Ähnlich wie die Unionsparteien wachsen AfD und Linke ein wenig und erreichen jeweils an die neun Prozent. Die Grünen stagnieren bei sieben Prozent. Umfrageschlusslicht der Parteien, die es bei einer Wahl ins Parlament schaffen würden, bleibt die FDP. Sie lässt etwas nach, die Fünfprozenthürde rückt damit näher.

2. Wählen ist auch ein Frage des Geldes

Erstmalig zeigt der Wahltrend, wie abhängig von der durchschnittlichen Kaufkraft pro Person geantwortet wird. Dabei wurden die Umfrageergebnisse nach fünf unterschiedlichen Kaufkraftbereichen gruppiert. Es zeigen sich interessante Unterschiede.

So klickten Wahltrend-Wähler aus vergleichsweise armen Gegenden besonders häufig auf die Linke (zwölf Prozent) und die AfD (elf Prozent). Die SPD schneidet bei dieser Gruppe (PLZ-Regionen mit einer durchschnittlichen Kaufkraft zwischen 10.904 und 19.367 Euro pro Person pro Jahr) mit nur knapp 27 Prozent schwächer ab als im Bundesdurchschnitt - ein Warnsignal für eine Partei, die sich sozialer Gerechtigkeit verpflichtet sieht.

Bei Abstimmenden aus wohlhabenderen Gegenden erzielen CDU, CSU, Grüne und FDP ihre stärksten Ergebnisse: Union und Liberale erreichen im sehr hohen Kaufkraftsegment (24.346 bis 51.600 Euro) mit rund 38 und sieben Prozent ihre besten Werte, die Grünen mit über neun Prozent im hohen Segment (22.425 bis 24.346 Euro). Die SPD punktet am meisten in der Kaufkraftmitte (20.950 bis 22.425 Euro), dort liegt sie bei 33 Prozent - und damit knapp vor der Union.

3. Linke Jungwähler

Das Herz der Jugend schlägt links: Rot-Rot-Grün käme, wenn nur die unter-30-Jährigen wählen dürften, locker auf eine Mehrheit: Die SPD verliert im Vergleich zur Vorwoche etwa zwei Prozentpunkte und liegt in dieser Altersgruppe nun noch bei knapp 32, Grüne und Linke liegen bei rund 13 Prozent. Nach Verlusten in der Vorwoche stagniert die Union nun bei den U30, genau wie die AfD. Die Liberalen verlieren leicht.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 4.4. bis 10.4.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 7554 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Befragung nach Altersgruppen, Geschlechtern und Kaufkraft und ihrer Parteipräferenz liegt die statistische Fehlertoleranz etwas höher. Sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.

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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 5000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 5000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
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ralle58 11.04.2017
1. Man möchte einfach mal wissen
wie viele Leute von solchen Prognosen leben. Und wie viel Sinn das alles Monate vor einer Wahl macht.
Kalle Bond 11.04.2017
2. Andere
Könnte man bitte einmal, bei einer Wahl einfach auch aus Fairnessgründen, aufdröseln, wer die "Anderen" sind und wie sie abgeschnitten haben?
Kalle Bond 11.04.2017
3. Sonstige = Andere
Das meinte ich :)
mittelstadtuwe 11.04.2017
4. Schulz????
Ich habe mich die ganze Zeit über diesen Hype um Schulz gewundert! Er hat doch im EU Parlament gezeigt wie er Denkt! Und seine Aussage eventuell mit der FDP und den Grünen im Bund zu Regieren - dürften doch wohl auch dem letzten gezeigt haben - dass Schulz nichts mit Linker Politik am Hut hat! Am Ende wird es (Grauenvoll) wieder eine GROKO geben - unter der Führung Merkels (Grauenvoll)!
Palmstroem 11.04.2017
5. Aus der Hype
Na, endlich wieder mal ein Umfrageergebnis. Während auf dem Höhepunkt des Schulz-Hypes fast täglich Wasserstandsmeldungen über neue Höchstwerte der SPD getitelt wurden, war in den letzten Wochen nichts mehr zu lesen. Martin Schulz und die SPD schrumpfen wieder auf Normalmaß, was soll man da auch hypen!
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